Sandhausen: Ein Sieg fehlt noch zur 2. Liga

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Sandhausens Frank Löning (r.) verfolgt Burghausens Marco Holz

Sandhausen - Vor sechseinhalb Jahren wollte Mäzen Dietmar Hopp den SV Sandhausen mit Hoffenheim zusammenschließen, um schneller in den Profifußball vorzustoßen. Nun kommen die Kurpfälzer auch ohne Hopp in der 2. Liga an.

Wenn es nach Dietmar Hopp gegangen wäre, dann würde der SV Sandhausen bereits seit Jahren zum elitären Kreis der Erst- und Zweitligisten gehören - allerdings würde der Fußballklub aus der 14.500 Einwohner zählenden Kleinstadt vor den Toren Heidelbergs dann schon lange nicht mehr SV Sandhausen heißen.

Vor sechseinhalb Jahren wollte Hopp seine TSG Hoffenheim durch eine Fusion mit damaligen Oberligisten schneller in den bezahlten Fußball führen. Der aufsehenerregende Plan scheiterte zwar, die Kurpfälzer werden es aber auch ohne den Milliardär in die 2. Liga schaffen und dort der kleinste Standort sein.

„Bei Preußen Münster wollen wir das Wunder Aufstieg vollbringen“, sagte Klubchef Jürgen Machmeier vor der Partie des Spitzenreiters der 3. Liga am Samstag beim Tabellenelften (14.00 Uhr). Mit einem Sieg könnte der SV bereits am drittletzten Spieltag den Aufstieg perfekt machen und damit den größten Erfolg in seiner 96-jährigen Vereinsgeschichte feiern. Doch selbst wenn es in Münster nicht klappen sollte, bleiben Sandhausen aufgrund der acht Punkte Vorsprung auf den drittplatzierten Chemnitzer FC zwei weitere Matchbälle. Schließlich steigen die ersten beiden Teams direkt auf.

Schon nach dem 1:0 am vergangenen Wochenende gegen die zweite Mannswchaft des VfB Stuttgart wurde im rund 10.000 Zuschauer fassenden Hardtwaldstadion so etwas wie eine vorgezogene Aufstiegsparty gefeiert. Die Fans der Schwarz-Weißen ließen ihrem Jubel auf den Tribünen freien lauf, die Spieler um den früheren Mainzer Torwart Daniel Ischdonat tanzten ausgelassen Pogo.

Investoren im Fußball: Wer bei welchem Verein seine Finger im Spiel hat

Der TSV 1860 München könnte bald von einem jordanischen Geschäftsmann finanziell unterstützt werden. Aber die Münchner  Löwen sind nicht der einzige Verein, der von einem Geldgeber Finanzspritzen erhält. Sehen Sie hier einen Streifzug durch Europa von Vereinen, die durch einen Investor unterstützt werden. © Getty
Die TSG 1899 Hoffenheim profitierte von einem Geldgeber. Durch Mäzen Dietmar Hopp gelang dem Klub der Durchmarsch von der Regionalliga bis zur Herbstmeisterschaft 2008 in der ersten Liga. © getty
Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, mit vier Milliarden Euro einer der reichsten Deutschen, ist Mitbegründer des Unternehmens SAP AG. Er führte den Verein aus Sinsheim von der Regional- bis in die Bundesliga. © getty
Auch Hannover 96 wird von einem Investor regelmäßig mit Geld unterstützt. © getty
Martin Kind (r.) hat Hannover 96 durch sein Hörgeräte-Unternehmen mit zahlreichen Millionen Euro unterstützt. Er ist ein Verfechter der 50+1 Regel im deutschen Fußball. © getty
Dietmar Beiersdorfer, Sportdirektor von RB Leipzig aus der Regionalliga Nord, kann sich über finanzielle Nöte nicht beklagen. © getty
Denn sein Verein wird wie weitere Klubs von Red Bull finanziert. Dietrich Mateschitz, österreichischer Unternehmer, hält 49 Prozent der Anteile an der Red Bull GmbH. © getty
Neben Leipzig und Salzburg wird auch in Amerika ein Verein von den "Roten Bullen" getragen: Die New York Red Bulls mit dem Weltmeister  Thierry Henry. © getty
Vor Leipzig versuchte Mateschitz mit Red Bull Salzburg den Angriff auf die europäische Krone zu starten. Dieses Vorhaben scheitert aber an der schwachen nationalen Konkurrenz. © getty
Der FC Basel wird von einer Mäzenin unterstützt. © getty
Gisela Oeri ist einer der wenigen weiblichen Präsidenten im europäischen Fußball. © getty
Das Gehalt von Quincy Owusu Abeyie vom FC Malaga wird durch Mohammad bin Nasser Al Thani bezahlt. Der Scheich, der den Nachrichtensender Al Jazeera gründete, gehört zu einer Dynastie, die seit dem 19. Jahrhundert den Herrscher von Katar stellt. © getty
David Trezeguet von Hercules Alicante war einer von vielen namhaften Neuzugängen für den Aufsteiger in der spanischen Liga. Enrique Ortiz verdient sein Geld durch sein Bauunternehmung und Firmen im Dienstleistungssektor. © getty
Racing Santader ist mittlerweile der dritte spanische Verein, der einen Investor im Hintergrund hat. Mehdi Lacen kann es nur recht sein. © getty
Der indische Multimilliardär Ahsan Ali Syed kaufte 80% der Rechte von Racing Santander. Der Unternehmer hat laut eigenen Angaben 130 Firmen. © getty
Leonid Fedun ist ein russischer Geschäftsmann mit geschätzten 5,5 Milliarden Dollar. Er arbeitet für die russische Ölfirma Lukoil. © getty
Die Fans von Spartak Moskau können sich ebenfalls über kräftige Finanzspritzen freuen. Mit dem Geld locken sie immer mehr Topspieler nach Russland. © getty
Anschi Machatschkala wird seit kurzem erst durch einen Investor unterstützt. Dieser ermöglicht Einkäufe wie Roberto Carlos. Suleyman Kerimov hält die größten Anteile der VTB-Bank. Durch seine Investmentfirma Nafta Moskau ist er größter Aktionär beim fünftgrößten Silberproduzent der Welt. © getty
Terek Grosny ist der zweite Verein aus Tschetschenien, der für Aufsehen sorgt. © getty
Ramsan Kadyrow jun. ist seit 2007 Präsident der Teilrepublik Tschetschenien. Ihm werden Folter und zahlreiche Morde vorgeworfen. Er ist großer Fußballfan und veranstaltete ein Benefiz-Spiel u.a. mit Lothar Matthäus. Woher sein Vermögen kommt, ist unbekannt. © getty
Der AC Milan, siebenmaliger Champions-League-Sieger hier mit Robinho, ist auch mit Hilfe eines Geldgebers so erfolgreich. © getty
Unterstützung erhält der AC durch den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Der Politiker ist durch seine Gründung von Medienanstalten, die er immer noch besitzt, vermögend geworden. © getty
Auch der zweite Mailänder Verein  wird von einem Investor geführt. Inter gelang letzte Saison um Kapitän Javier Zanetti das Triple. © getty
Ohne die Gelder von Präsident Massimo Moratti wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Der Italiener ist ein Öl-Tycoon und Sohn des Inter-Eigentümers Angelo Moratti. © getty
Der FC Genua geht seit ein paar Jahren auf Einkaufstour, u.a. Luca Toni, Rafinha. Möglich macht dies auch Enrico Preziosi. Er gründete die Giochi Preziosi und ist Hauptaktionär. © getty
Der AS Rom wird schon seit 1993 von einem Investor finanziert und geführt. Dadurch konnten der Traditionsklub auch Fan-Liebling Francesco Totti halten. © getty
Thomas Di Benedetto kaufte sich vor kurzem die Anteile des römischen Klubs. Er ist seit 1983 Präsident einer Investmentmanagementfirma. © getty
Jahrelang hinkte der FC Chelsea national und international hinterher. Bis ein russischer Investor die Londoner übernahm und zu drei Meistertiteln führte. © getty
Roman Abramowitsch gehört zu den russischen Oligarchen und verdient seine Milliarden mit seinen Ölunternehmen. Für 210 Millionen Euro kaufte er den FC Chelsea. Einen eigenen Privatjet besitzt der Russe ebenfalls. © getty
Ryan Giggs spielt seit 16 Jahren bei Manchester United, lange bevor der Investor aus Amerika kam, um United zu übernehmen. © getty
Die Glazer-Familie führt den Traditionsverein aus Manchester seit Mai 2005. Mittlerweile halten sie 75% der Anteile an United. © getty
Mit der Übernahme von Manchester City ist auch der zweite Klub aus der Stadt im Norden Englands übernommen worden. © getty
Mansour Bin Zayed ist ein Sohn der Herrscherfamilie von Abu Dhabi in den VAE. Er ist Minister für Präsidentschaftsangelegenheiten für seinen Bruder. © getty
Der Traditionsklub, der 2009 in die zweite englische Liga a bstieg, wurde von einem englischen Geschäftsmann übernommen. © getty
Mike Ashley ist der Geldgeber für die Magpies. Er unterstützt den Verein seit 2007, als er ihn für 135 Millionen Pfund (ca. 160 Millionen Euro) kaufte. © getty
Der englische Zweitligist FC Portsmouth, der letzte Saison überraschend ins FA-Cup Finale zog, wird seit einigen Jahren von einem Investor unterstützt. © getty
Balram Chainrai verdient sein Geld als Geschäftsmann mit Haushaltsgeräten. Der aus Nepal stammende Präsident von Portsmouth teilt ist nicht der einzige, der Anteile hält. © getty
Ohne die Investitionen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wäre der Höhenflug des Teams nicht möglich gewesen. © getty
Die Anteile des  FC Port Vale wurden von einem sehr großen und weltberühmten Fan gekauft. Dieser ist in der Pop-Musik-Branche tätig. © getty
Der fußballfanatische Robbie Williams erfüllte sich damit einen Kindheitstraum. © getty
Steven Gerrard, Kapitän des FC Liverpool, spielt seit seinem neunten Lebensjahr für den Verein © getty
Sein Klub wurde 2007 von den US-amerikanischen Geschäftsleuten George Gillet (r.) und Tom Hicks für 470 Millionen Pfund gekauft. Gillett verdient sein Geld mit dem Vertrieb von Medien und Fleischwaren. Hicks ist Mitbegründer einer Investment-Firma © getty
Der UEFA-Cup-Sieger von 2009 Schachtar Donezk spielt seit Jahren mit vielen Brasilianern und konnte zuletzt das Viertelfinale der Champions League erreichen. © getty
Die ganzen internationalen Erfolge verdankt der Klub aus der Ukraine dem Multimilliardär Rinat Achmetow. Der Sohn eines Bergmannes besitzt 30 Unternehmen und kontrolliert somit die ostukrainische Stahl- und Kohleindustrie.  © getty
Dortmunds Europa-League-Gegner Karpaty Lwiw wird von Petro Dyminsky einem ukrainischen Geschäftsmann geführt und kann dadurch international auf sich aufmerksam machen. © getty
Die SpVgg Unterhaching will mit einem arabischen Investor zusammenarbeiten. Mit Khalifa Saif Al Muhairibi, dem Vorsitzenden einer Investmentbank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist eine Kooperation vereinbart worden. Das Foto zeigt Coach Heiko Herrlich © dpa

Die eigentliche Feier soll aber erst nach der Partie am Samstag bei der Elf des Sandhausener Ex-Trainers Pawel Dotschew steigen. „Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber das nahe Ziel vor Augen sollte meine Mannschaft entsprechend beflügeln. Am besten ist es nämlich, sofort den ersten von drei Matchbällen zu verwandeln“, sagte Trainer Gerd Dais: „Wir müssen konzentriert bleiben, auch wenn die Tabelle für uns gut aussieht. Einen Grund zum Feiern gibt es erst, wenn wir rechnerisch von niemanden mehr eingeholt werden können.“

Dass dem knapp 1000 Mitglieder zählenden Klub auf der Zielgerade noch die Luft ausgeht, glauben aber weder die Spieler noch die Verantwortlichen. Schließlich hat der Klub, der es innerhalb von fünf Jahren von der Oberliga in die 2. Liga geschafft hätte, mit Blick auf die kommende Saison schon Nägel mit Köpfen gemacht.

18 Verträge für die anstehende Spielzeit sind bereits in trockenen Tüchern. In der 2. Liga erhöht sich der Etat von derzeit rund vier auf neun Millionen Euro. Der Klub rechnet mit 5500 Zuschauern (bisher 2500) im Schnitt. Auch der Ausbau des Stadions um 2000 Plätze steht in den nächsten Wochen auf der Agenda des Vereins, für den auch schon Bundestrainer-Assistent Hansi Flick auflief.

Großen Anteil am Erfolg des 13-maligen badischen Pokalsiegers hat Dais, der beim zweimaligen deutschen Amateurmeister (1978 und 1993) unverzichtbar scheint. Das hat auch die Chefetage schnell erkannt. Nachdem sich der Klub im Februar 2010 nach viereinhalb erfolgreichen Jahren von Dais getrennt hatte, wurde der Coach nur ein Jahr später nach zwei erfolglosen Versuchen mit anderen Trainern zurückgeholt. Nach seiner Rückkehr vor 14 Monaten holte der Coach in 49 Spielen 88 Punkte.

Nach Ansicht von Dais hat allerdings die Mannschaft einen größeren Verdienst am Erfolg als er selbst. „Wichtig war vor allem, dass wir nach einer Niederlage immer sofort wieder zurückgekommen sind. Genau das ist einem Teil unserer Mitkonkurrenten nicht gelungen“, äußerte der Coach, dessen Klub immerhin einen Rekord im deutschen Fußball hält: Als Sandhausen den VfB Stuttgart 1995 aus dem DFB-Pokal warf, gelang dem SV dieser Coup im längsten Elfmeterschießen (13:12) der Pokalgeschichte.

sid

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