Der Mann vom Ascheplatz

Mölders: Gegenentwurf des modernen Fußballers

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Sascha Mölders

Augsburg - Sascha Mölders vom FC Augsburg ist ein Stürmer, der völlig aus der Zeit gefallen ist. Beim FC Augsburg allerdings lieben sie den Mann aus dem Ruhrpott.

Es gibt ja schon das ein oder andere, das man Sascha Mölders nachsagen kann. Das ist nicht weiter schlimm, denn Mölders ist vermutlich der Erste, der einem zustimmt. Nein, hat er vor nicht allzu langer Zeit mal im Scherz gesagt, nein, von einem Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft träume er nun wirklich nicht mehr. „Ich wäre vielleicht reif, wenn ich 20 Jahre alt und fußballerisch begabter wäre. Aber so, wie ich spiele, bin ich das bestimmt nicht.“

Mölders ist 28 Jahre alt. Er ist Stürmer beim FC Augsburg. Und der Gegenentwurf zu dem, was Bundestrainer Joachim Löw unter einem Angreifer versteht. Mölders spielt nicht, er arbeitet Fußball. Die vier Säulen seines Spiels sind: kämpfen, rennen, passen, schießen. Die Frage, wo er angefangen hat, erübrigt sich eigentlich. Mölders ist der personifizierte Ascheplatzspieler. Er ist großgeworden im Pott, in Essen, und er erfüllt jedes Klischee, das ein Fußballer mit dieser Vergangenheit erfüllen kann.

Vor zwei Jahren holte der damalige Aufsteiger FC Augsburg den bulligen Angreifer vom FSV Frankfurt, ein Schnäppchen für 175.000 Euro. Mölders erzielte im ersten Bundesliga-Spiel der Schwaben die ersten beiden Tore. Vergangene Saison fehlte er lange verletzt. Als er am elften Spieltag zurückkam, hatte der FCA nur sechs Punkte, zu Beginn der Rückrunde neun - dann aber traf Mölders in sechs Spielen fünfmal. 40 Jahre nach dem mittlerweile verstorbenen Helmut Haller durfte wieder ein Augsburger ins Aktuelle Sportstudio des ZDF.

In Augsburg, wo er bis 2017 Vertrag hat, lieben sie Mölders. Spätestens seit dem 23. Spieltag der vergangenen Saison: Beim 2:1 gegen Hoffenheim gelang Mölders der entscheidende Treffer - mit gebrochener Nase. „Ich hatte was an der Nase, nicht an den Füßen“, sagte er danach. Ein paar Wochen später erlitt er einen Bruch des kleinen Zehs: egal. „Ich trainiere weiter“, betonte er, „die Schmerzen muss ich aushalten.“ So ist Mölders. Er nimmt sich nicht wichtig. Er weiß, was er nicht kann. Was er kann, macht er mit Leidenschaft.

Deshalb nahm es der Anhang Mölders auch nicht krumm, dass er zu Beginn der laufenden Spielzeit erneut Ladehemmung hatte. Erst beim 3:0 in der 2. DFB-Pokal-Hauptrunde bei Drittligist Preußen Münster am vergangenen Dienstag beendete er seine Durststrecke.

Mölders lebt in Kissing, ein paar Kilometer außerhalb von Augsburg, mit Ehefrau Ivonne und den vier Kindern Lio (1), Joay (2), Renne (9) und Noah (13). Beim örtlichen Kissinger SC hilft er als Jugendtrainer und stellvertretender Abteilungsleiter mit. „Dort bin ich nicht der Fußballprofi, sondern der Sascha“, sagt er, nicht ohne Stolz. In seiner Familie, ergänzt Mölders wenig überraschend, „dreht sich alles um Fußball.“ Seine Frau ist selbst Inhaberin der Trainer-C-Lizenz und spielt bei der SG Ottmaring/Ried.

Wenn man Mölders eines nicht nachsagen kann, dann, er habe keinen Humor. Über seine fußballerischen Defizite kann er Witze machen. Und auf seiner Facebook-Fan-Seite grüßt er mit den Worten: „Nur wenn genug Rechtschreibfehler drin sind, wisst ihr, ihr seid auf der richtigen Seite :-).“

SID

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