Horst Heldt erklärt Titel-Chancen

"Wenn Bayern schwächelt, muss Schalke da sein"

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Horst Heldt nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Zurzeit hat der Schalke-Manager viel zu tun.

Düsseldorf - Schalke-Manager Horst Heldt spricht im Interview über die bevorstehenden Transfers von Lewis Holtby und Michel Bastos und erklärt die Titel-Philosophie seines Klubs.

Horst Heldt ist zurzeit sehr umtriebig. Der Manager des FC Schalke 04 will die letzte Woche vor dem Transferschluss nutzen, um Personalentscheidungen zu treffen. Geht Lewis Holtby noch vorzeitig zu Tottenham Hotspur? Wird das Interesse am Brasilianer Michel Bastos (Olympique Lyon) intensiviert? Zudem muss Heldt den neuen Cheftrainer Jens Keller gegen Kritiker verteidigen. Im Interviewnahm Heldt ausführlich Stellung zu zahlreichen weiteren aktuellen Themen.

Herr Heldt, wie ist der letzte Stand der Transferaktivitäten? Kommt Bastos? Er soll ja schon einen Medizincheck absolviert haben...

Heldt: „Dem ist aber nicht so. Es gibt keine neue Tendenz. Richtig ist: Wir beschäftigen uns aktuell mit dem Spieler. Darüber ist Lyon informiert, und wir haben Kontakt mit dem Spielerberater. Mehr als ein grundsätzliches Interesse von uns gibt es zurzeit nicht. Weder haben wir dem Verein ein Angebot gemacht, noch stehen wir in Verhandlungen. Einen Medizincheck hat es schon gar nicht gegeben.“

Woran hakt ein vorzeitiger Wechsel von Lewis Holtby nach England?

Heldt: „Am bisherigen Angebot von Tottenham. Wir sind im regen Austausch, aber Lewis ist ein junger deutscher Nationalspieler mit entsprechender Qualität. Den gibt man nicht einfach für einen Schleuderpreis vorzeitig frei.“

Sind wegen der aktuellen Personalsorgen weitere Transfers geplant?

Heldt: „Wir verlieren jetzt nicht die Nerven. Schade, dass sich Obasi verletzt hat, der auf den Außenpositionen spielt. Bastos ist ein Spieler, der vielseitig einsetzbar wäre.“

"Bäumchen wechsel dich" im Winter: Die wichtigsten Bundesliga-Transfers

BORUSSIA DORTMUND - Zugang: Nuri Sahin wechselt von Real Madrid/FC Liverpool auf Leihbasis zu Borussia Dortmund © Getty
FC BAYERN MÜNCHEN - Abgang: Mitchell Weiser wechselt vom FC Bayern München auf Leihbasis zum 1. FC Kaiserslautern © dapd
BAYER LEVERKUSEN - Zugang: Arkadiusz Milik wechselt für 2,6 Millionen Euro von Gornik Zabrze zu Bayer Leverkusen © dapd
Abgang: Renato Augusto wechselt für 3,5 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zu Corinthians © dapd
VFB STUTTGART - Zugang: Federico Macheda wechselt auf Leihbasis von Manchester United zum VfB Stuttgart © dpa
Zugang: Alexandru Maxim verstärkt die Offensivabteilung des VfB. Der Mittelfeldmann kommt vom rumänischen Erstligisten Pandurii Targu Jiu und erhält einen Vertrag bis 2017. © dpa
Zugang: Die Schwaben sichern sich die Dienste von Abwehrmann Felipe Lopes (l.) aus Wolfsburg - zunächst auf Leihbasis, allerdings inklusive Kaufoption. © getty
Abgang: Maza wechselt für 2 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu América © dapd
Abgang: Zdravko Kuzmanovic bricht seine Zelte im Schwabenland ab und wechselt zu Inter Mailand. © getty
HANNOVER 96 - Zugang: André Hoffmann wechselt vom MSV Duisburg zu Hannover 96 © dapd
Zugang: Franca wechselt von Coritiba FC zu Hannover 96 © dpa
Zugang: Sebastien Pocognoli (l.) wechselt von Standard Lüttich zu Hannover 96 © dpa
Abgang: Johan Djourou (l.) wechselt von Arsenal auf Leihbasis zu Hannover 96 © dapd
Abgang: Henning Hauger (zuletzt schon verliehen) wechselt von Hannover 96 zu Lilleström © dapd
VFL WOLFSBURG - Zugang: Ivan Perisic wechselt von Borussia Dortmund für 7 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg © dapd
WERDER BREMEN - Zugang: Mateo Pavlovic wechselt von NK Zagreb zu Werder Bremen © dapd
Abgang: François Affolter kehrt nach Ausleihe von Werder Bremen zu Young Boys Bern zurück © dapd
FC AUGSBURG - Zugang: Michael Parkhurst wechselt von Nordsjaelland zum FC Augsburg © dapd
FC AUGSBURG - Zugang: Dong-Won Ji wechselt von Sunderland auf Leihbasis zum FC Augsburg © dapd
SPVGG GREUTHER FÜRTH - Zugang: Nikola Djurdjic (r.) wechselt von Haugesund für 1 Million Euro zur SpVgg Greuther Fürth © dapd
Zugang: Matthias Zimmermann wechselt auf Leihbasis von Borussia Mönchengladbach zur SpVgg Greuther Fürth © dapd
Zugang: Der Ungar Jozsef Varga vom VSC Debrecen soll im Abstiegskampf helfen. © getty
Zugang: Florian Trinks wechselt von Werder Bremen nach Franken. Er unterschrieb bis 2016. © dpa
EINTRACHT FRANKFURT - Zugang: Marco Russ wechselt auf Leihbasis vom VfL Wolfsburg zu Eintracht Frankfurt © dapd
Zugang: Srdjan Lakic verlässt den VfL Wolfsburg und wird bis 2014 an Eintracht Frankfurt ausgeliehen. © dpa
FORTUNA DÜSSELDORF - Zugang: Mathis Bolly wechselt von Lilleström zu Fortuna Düsseldorf © Fortuna Düsseldorf
Zugang: Robert Tesche wird vom HSV bis zum Sommer ausgeliehen. © dpa
Abgang: Vadim Demidov wechselt von Eintracht Frankfurt zu Celta Vigo © dapd
Abgang: Rob Friend wechselt von Eintracht Frankfurt zu 1860 München © dpa
Abgang: Erwin Hoffer wechselt von Eintracht Frankfurt zum 1. FC Kaiserslautern © dpa
FC SCHALKE 04 - Zugang: Raffael wird von Dynamo Kiew bis zum Sommer ausgeliehen. Schalke hat eine Kaufoption. © getty
Zugang: Auf Leihbasis bis Ende Juni 2014 kommt Michel Bastos von Olympique Lyon zu den Königsblauen. © dapd
Abgang: Sergio Escudero wechselt auf Leihbasis vom FC Schalke 04 zum FC Getafe. © dpa
Abgang: Lewis Holtby zieht es in die englische Premier League zu Tottenham Hotspur. © dpa
1899 HOFFENHEIM - Zugang: Eugen Polanski wechselt von Mainz nach Hoffenheim. Der polnische Nationalspieler erhält einen Vertrag bis 2015. © dpa
Zugang: Igor de Camargo wechselt für ein halbes Jahr auf Leihbasis aus Mönchengladbach zu 1899 Hoffenheim © dpa
Zugang: Torhüter Heurelho Gomes wechselt von Tottenham Hotspur auf Leihbasis bis zum Saisonende nach Hoffenheim. © dpa
Abgang: Marvin Compper wechselt von 1899 Hoffenheim zum AC Florenz © dpa
FSV MAINZ 05 - Zugang: Niki Zimling wechselt vom FC Brügge zum FSV Mainz 05 © dpa

Die Entscheidung für Jens Keller als Trainer hat öffentlich hohe Wellen geschlagen. Sie haben dafür viel Kritik einstecken müssen. Können Sie sich die großen Vorbehalte erklären?

Heldt: „Dass solch eine Entscheidung mit Skepsis begleitet wird, ist in Ordnung. Aber zwischen Skepsis und Vorverurteilung in einigen Medien sehe ich einen großen Unterschied. Mit welcher Berechtigung hat Jens Keller keine Chance verdient? Da müssen sich auch einige Journalisten fragen, ob sie auf dem richtigen Weg sind.“

Glauben Sie, dass Keller einen ähnlich erfolgreichen Weg gehen kann wie zum Beispiel Mirko Slomka, der seinerzeit seine Chance bei Schalke nutzte und heute ein etablierter Bundesligatrainer ist?

Heldt: „Natürlich. Jens hat den Fußballlehrer ja nicht geschenkt bekommen, sondern sehr gut abgeschlossen. Er hat große Erfahrung als Bundesligaspieler, hat schon in der Verantwortung als Chefcoach und Co-Trainer gestanden und im Nachwuchsbereich hervorragende Arbeit geleistet. Sicher, er ist ein junger Trainer, aber er macht seine Sache sehr gut. Wir haben ein charakterlich einwandfreies Team, das die Position des Cheftrainers respektiert. Das würden wir auch gar nicht anders dulden.“

Ist die Beförderung von Keller nicht ein großes Risiko?

Heldt: „Ich persönlich hätte es mir leicht machen können, indem ich einen externen Trainer mit Erfahrung hole. Dann hätte ich einen eventuellen Misserfolg leicht auf den Trainer abschieben können. Es geht bei solch einer Entscheidung aber nicht darum, den eigenen Hintern zu retten, sondern die beste Entscheidung für Schalke zu treffen.“

War das kuriose 5:4 gegen Hannover besonders wichtig?

Heldt: „Ja, damit sich die Diskussion ein wenig beruhigt. Aber mir ist auch klar, dass die Ruhe trügerisch sein kann. Es sei denn, Jens gewinnt jetzt die nächsten vier Spiele. Dann haben einige Leute keine Chance, das negativ zu begleiten. Wenn wir nicht gewonnen hätten, hätten jene schon den Weg zur Kreuzigung beschworen.“

Ist Keller mehr als eine Übergangslösung bis Saisonende?

Heldt: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass er zunächst das Vertrauen bis zum 30. Juni hat. Es ist klar mit Jens besprochen: Wir schauen, wie es bis zum Sommer läuft, dann treffen wir gemeinsam eine Entscheidung. Wenn ich eine Best-Case-Situation formulieren müsste, hieße die: Vertragsverlängerung mit Jens Keller . Natürlich müssen wir ebenso den Worst-Case durchspielen. Sicher ist auch dann, dass Jens dem Verein erhalten bleibt.“

Wie sehen Sie die Arbeit von Borussia Dortmund. Schauen Sie motiviert, frustriert oder neidisch zum Nachbarn?

Heldt: „Man sollte nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen. Man muss immer überprüfen, ob man selbst auf dem richtigen Weg ist. Und wir erkennen neidlos an, dass der BVB in den vergangenen zwei, drei Jahren bessere Entscheidungen getroffen hat als die meisten anderen Konkurrenten. Und da sie zweimal Meister geworden sind, haben sie sogar viele bessere Entscheidungen getroffen als die Bayern. Oder als Schalke 04. Das ist ärgerlich genug, weil wir bessere Voraussetzungen und in vielerlei Hinsicht mehr Möglichkeiten hätten.“

Wie meinen Sie das?

Heldt: „Wir haben unsere eigene Philosophie und Identität. Schalke lässt sich nicht mit Bayern oder Dortmund vergleichen. Trotzdem müssen wir dahin kommen, zu sagen: Wenn der FC Bayern, der normalerweise in zehn Jahren neunmal Meister wird, schwächelt, dann darf kein anderer Verein da sein, um die Chance zu nutzen. Dann muss der FC Schalke da sein. Das war in den vergangenen Jahren nicht so.“

Schalkes tolle Nachwuchsarbeit ist bekannt und anerkannt. Die U 19 und U 17 beherrschen ihre Bundesligen als souveräne Spitzenreiter. Ist das nicht ein Pfund, mit dem man noch mehr wuchern könnte?

Heldt: „Dieser Bereich hatte zuvor ein bisschen brach gelegen. Aber in den vergangenen Jahren haben viele Mitarbeiter intensiv an der Konzeption unserer Knappenschmiede gearbeitet. Die U 19 ist Meister. Unsere aktuelle U 17 ist eigentlich unterfordert in der Bundesliga. Aber man darf nicht die Nerven verlieren und sagen, ich lasse einen 16-Jährigen bei den Profis mitspielen. Jens könnte sich sicher beliebt machen, indem er zum Beispiel Max Meyer ins kalte Wasser wirft. Dann sagen alle, der setzt auf die Jugend. Das kommt bei jedem gut an. Dann kann man Jens auf die Schulter klopfen und mir auf die Schulter klopfen. Das Wichtige aber ist, das Richtige zu machen.“

Wie geht das?

Heldt: „Es gilt, einen talentierten Spieler so früh wie möglich bei den Profis zu integrieren, ihn aber nicht zu verheizen. Wir haben Angebote aus England für zahlreiche unserer U 17-Spieler. Da könnten wir richtig Geld einnehmen. Aber das ist nicht unser Ziel. Die wollen wir bei uns spielen sehen.“

Schalke ist momentan Fünfter und wäre damit nicht wieder in der Champions League. Wäre ein Jahr ohne Königsklasse zu verkraften?

Heldt: „Wenn ich nirgendwo international vertreten bin, wird es schwierig, Verbindlichkeiten weiter abzubauen. Deswegen ist eine Teilnahme wichtig. Aber es gefährdet nicht die Existenz des Vereins, wenn wir die Champions League einmal verpassen. Und ich glaube nach wie vor, dass wir aufgrund unserer sportlichen Möglichkeiten in diesen Wettbewerb gehören. Das ist unser Ziel und darauf fokussieren wir uns.“

Auch für Klaas-Jan Huntelaar lief die Hinrunde nicht optimal. Glauben Sie, dass er in der Rückrunde zu alter Stärke zurückfindet?

Heldt: „Ein Stürmer ist immer abhängig von seinen Mitspielern. Wenn Klaas-Jan nicht dementsprechend eingesetzt wird, kann er auch keine Tore machen. Er hat aber auch Chancen selbst liegen lassen. Das weiß er und sieht er genauso. Ich bin davon überzeugt, dass es nach der Entscheidung zur Vertragsverlängerung für ihn persönlich wieder besser laufen wird. Er kann befreiter aufspielen, weil ihn die Sache schon beschäftigt hat. Das kann niemand ganz ausblenden.“

dpa

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