GER - AUT mit Nichtangriffspakt?

Das war die "Schande von Gijon"

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Die "Schande von Gijon": Horst Hrubesch köpft zum 1:0 ein.

Gijon - Die "Schande von Gijon" ist vor dem Spiel der DFB-Elf gegen die USA in aller Munde. Doch was genau war damals bei der WM 1982 in Spanien beim Spiel "Deutschland - Österreich" vorgefallen?

Vor 32 Jahren prägte die "Schande von Gijon" nicht nur den deutschen Fußball - sondern den weltweit. Am 25. Juni 1982 nämlich soll es beim Spiel Deutschland gegen Österreich zu einem Nichtangriffspakt gekommen sein. Ein handfester Skandal, der den Sport erschütterte.

Doch was genau war bei der "Schande von Gijon" geschehen, was passierte an diesem schwarzen Freitag? Bereits in der 10. Minute der Partie hatte Horst Hrubesch das 1:0 für Deutschland geschossen. Verhängnisvoll: Dieses Ergebnis sicherte beiden Mannschaften das Weiterkommen in die nächste Runde. Gruppengegner Algerien, der bei seinem Auftaktspiel Deutschland bis auf die Knochen blamiert hatte, wäre damit raus.

Schande von Gijon: Algerien der große Verlierer

Algerien hatte bereits am Tag zuvor sein letztes Gruppenspiel gehabt, und lag hinter den Österreichern auf Rang zwei in der Tabelle - und damit vor Deutschland. Das Ergebnis der Partie der Nordafrikaner vom Vortag war den Deutschen und den Österreichern also bekannt. Und auch die Tatsache, dass Deutschland mit einem Sieg an Algerien vorbei ziehen würde und damit weiter wäre.

Nach der Hrubesch-Führung kam es dann in Gijon also zu besagtem Skandal: Deutschland und Österreich sollen sich auf einen Nichtangriffspakt geeinigt haben. Die Spielweise beider Mannschaften, die augenscheinlich nur noch sporadisch angriffen und jedem Zweikampf aus dem Weg gingen, ließ mehr als nur darauf schließen. Es blieb beim 1:0 für Deutschland, die Schwarz-Rot-Goldenen waren weiter, Algerien schied tatenlos aus und fühlt sich wohl zu Recht noch heute betrogen. Der Begriff "Schande von Gijon" war geboren.

Schande von Gijon: Algerische Fans halten Geldscheine in die Höhe.

Das Publikum durchschaute die offensichtliche Absprache, pfiff sich während des unwürdigen Spektakels die Seele aus dem Leib und wedelte mit Taschentüchern, algerische Zuschauer hielten Geldscheine in die Kameras. ARD-Kommentator Eberhard Stanjek sprach von einer Schande, sein österreichischer Kollege Robert Seeger forderte die Zuschauer sogar dazu auf, ihre Fernsehgeräte abzuschalten.

Doch anstatt sich den Nichtangriffspakt einzugestehen, setzten die Aussagen mancher Beteiligter nach der Partie dem Ganzen noch die Krone auf. Die Pfiffe seien demotivierend gewesen, meinte Ulli Stielike. Uwe Reinders erklärte, es interessiere ihn nicht, "wenn Tante Frieda zu Hause Zirkus macht". Und auch Paul Breitner wollte noch 2006 in einem ZDF-Interview nichts Verwerfliches festgestellt haben. Irgendwann beginne fast jedes Team, ein Ergebnis "zu verwalten", meinte er lapidar zur "Schande von Gijon".

Schande von Gijon: Die Konsequenzen

Doch Hans Tschak, Österreichs Delegationsleiter, schlug dem Fass den Boden aus. "Wenn jetzt 10.000 Wüstensöhne einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben", sagte Tschak: "Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können." Jahre später behauptete der Österreicher Walter Schachner, dass es sehr wohl Absprachen gegeben habe. Er selbst habe davon aber "nichts mitbekommen". Das mag wohl stimmen: Schachner war der Einzige, der nach dem Wechsel überhaupt noch einmal aufs Tor schoss.

Die "Schande von Gijon" blieb natürlich nicht ohne Konsequenzen: Seit der Europameisterschaft 1984 werden die letzten Spiele einer Gruppe bei jedem internationalen Turnier immer gleichzeitig ausgetragen.

Warum kocht die Historie dann ausgerechnet vor dem Spiel Deutschland gegen die USA wieder hoch? Ganz einfach, weil ein solcher Nichtangriffspakt wieder beiden Teams helfen könnte. Mit einem Unentschieden - beispielsweise einem unspektakulären 0:0 - wären Deutschland und die USA sicher im Achtelfinale. Die Leidtragenden diesmal: Ghana und Portugal. Im Gegensatz zu 1982 haben beide Seiten aber schon im Vorfeld ein Taktieren kategorisch ausgeschlossen. Die "Schande von Gijon" bleibt also (hoffentlich) eine einmalige Sache. Das Spiel Deutschland - USA können Sie ab 18 Uhr live in unserem WM-Ticker verfolgen. Dort finden Sie den ganzen Tag über immer brandaktuelle News und Hintergründe rund um die WM 2014.

mes/SID

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