tz-Expertenkolumne

Die Scheinheiligkeit des Pep Guardiola

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Pep Guardiola.

Prof. Dr. Fritz Sörgel, anerkannter deutscher Doping-Experte, erklärt in der tz-Expertenkolumne, warum er die jüngsten Aussagen von Manchester-City-Trainer Pep Guardiola für scheinheilig hält.

Fußball ist eine Show – mit Unfällen zwischendurch, medialen wie körperlichen. Nur Sonntagskinder bleiben von letzteren verschont – von medialen Unfällen offensichtlich nicht. Mario Basler ist so ein Fall. In seiner ganzen Karriere hätte er nie eine Zerrung oder Faserriss gehabt, sagte er jüngst in einer TV-Talkshow. Und Bier hätte er sowieso nicht getrunken. Die Runde schaute verwundert und Mario präzisierte: nur Wein oder Wodka Lemon. Die Experten- Runde schmunzelt, das Publikum ist begeistert. Die Show läuft gut. 

Beim Gegenentwurf zu Mario, Uwe Seeler, stellt sich die Situation anders dar. Berechnungen haben kürzlich ergeben, dass Seeler heute bestenfalls Fünftliga-Spieler wäre. Trotz dieser offensichtlichen Unterbelastung von „Uns Uwe“ in niedrigen Klassen hatte er Verletzungen und sogar schwere. Wieso eigentlich? Spätestens durch die Erfindung des „Umschaltspiels“ begann eine neue Zeitrechnung im Fußball. Unzählige Pässe und rennen, rennen, rennen, das belastet und liefert Verletzungen Vorschub. Ausgerechnet Pep Guardiola, der noch unlängst wegen seines rüden Umgangs mit den Medizinmännern in München und ihrem seiner Meinung nach zu behutsamen Umgang mit Verletzten nach Manchester flüchten musste, sorgt sich neuerdings um das Weh und Wohl der Premier-League-Spieler. Die Liga würde die Spieler umbringen, die Winterpause fehle beispielsweise. Vom Saulus zum Paulus in Manchester! Scheinheiligkeit. 

Pep und das Trauma seines Lebens

Die Frage, wo die Grenzen der Belastungsfähigkeit im Fußball liegen, taucht jetzt immer öfters auf. Und damit auch die Frage, wie man die Grenzen verschiebt, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Wissenschaftliche Publikationen zeigen, dass das Nikotin bei der Erledigung dieser „sportmedizinischen“ Aufgaben gute Dienste leisten kann. Der Raucher Mario schätzte diese schon seit langem und verheimlichte sie gegenüber Vorgesetzten auch nicht. Seine Mannschaftskameraden schon. Das Publikum applaudiert begeistert. 

Wir ergänzen, Felix Magath, ein viel erfolgreicherer Kicker läuft sogar unter der Rubrik „Kettenraucher“. Und Jamie Vardy wurde bei der EM 2016 gar mit der vielversprechenden Stimulantien-Bombe Nikotin/ Koffein (Snus/Red Bull) im Bild verewigt. Wieder einmal zeigt sich, im Fußball geht man gerne an die Grenze zum Doping – „herandopen“ muss man das nennen. Wirkstoff-Kombinationen, die viel wirksamer als die Einzelsubstanzen sind, vielleicht auch wirksamer als so manches verbotene Mittel. Aber eben nicht auf der Verbotsliste. 

Anlässlich der Handball-EM lohnt es zudem über Schmerzmittel nachzudenken. Handball ist ein harter Sport und sicher nichts für Trainingsfaule wie Mario. Der „Handball-Mario“ Stefan Kretzschmar antwortete als Experte unmittelbar vor dem WM-Endspiel 2007 auf die hoch investigative Frage, was seine früheren Kollegen denn so vor dem Spiel so machen würden: „Sie trinken ihren Voltaren-Becher.“ Zur Information, dieser enthielt das starke Entzündungs- und Schmerzmittel Diclofenac, dem einst Ivan Klasnics Niere zum Opfer fiel. Der Ex-Bremer Fußballer lebt inzwischen mit Niere Nummer drei. Profisport ist eben, was der Geldhahn hergibt und der Körper zulässt. Und das olympische Motto Dabei sein ist alles hat längst ausgedient, Durchhalten und überleben, das ist alles!

Fritz Sörgel.

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