Scherbenhaufen Hertha: Jetzt wird's schmerzhaft

Auf Manager Michael Preetz wartet eine schwierige Aufgabe
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Auf Manager Michael Preetz wartet eine schwierige Aufgabe

Berlin - Er sollte das neue Gesicht einer Erfolgs-Hertha werden, jetzt aber muss Manager Michael Preetz die Scherben aufsammeln. Dem Hauptstadtklub stehen harte Zeiten bevor.

Die Zeit drängt, doch nur mühsam windet sich Berlin aus der Schock-Starre und einem seltsamen Gemisch aus Ungläubigkeit, Verzweiflung und Gleichgültigkeit. “Es tut weh“, kommentierte Preetz den fünften Abstieg von Hertha BSC aus der Bundesliga. Aber die viel heftigeren Schmerzen kommen noch: Die “Alte Dame“ muss den Gürtel vor allem finanziell enger schnallen; die Konkurrenz im Unterhaus reibt sich schon die Hände. “Natürlich freuen wir uns auf das Derby, das wird richtig heiß“, bemerkte Uwe Neuhaus, Trainer des 1. FC Union und von sofort an Zweitliga-Stadtkontrahent.

Die 10 besten Fußball-Stadien der Welt

Die 10 besten Fußball-Stadien der Welt

Platz 10: Das Craven Cottage in London ist die Heimat des FC Fulham. Es ist eine der letzten wirklich alten und traditionsreichen Kampfbahnen in England. Es liegt am Ufer der Themse. © Getty Images
Verein: Fulham FC; Kapazität: 25 678 Plätze © Getty Images
Platz 9: Camp Nou, die Heimat des FC Barcelona, wird auch die Kathedrale Kataloniens genannt. Es ist Europas größtes Fußball-Stadion und besticht durch eine einmalige Atmosphäre - wenn es denn voll ist. Das ist bei Barca aber normalerweise der Fall. Es soll demnächst weiter ausgebaut werden. © Getty Images
Verein: FC Barcelona; Kapazität: 98 787 Plätze. © Getty Images
Platz 8: Das Stadionul Dinamo, die Heimat von Dinamo Bukarest, führt die „Times“ auf Rang 8. Es ist ein Meisterstück der stalinistischen Zeit des Kalten Krieges. Kapazität: 15.300 Plätze. © dpa
Platz 7: La Bombonera - dieser Name klingt schon nach Atmosphäre und Stimmung. Die Heimat der Boca Juniors Buenos Aires heißt offiziell Estadio Alberto Jacinto Armando und gilt als eines der Stadien mit der hitzigsten und emotionalsten Atmosphäre. © ap
Verein: Boca Juniors Buenos Aires; Kapazität: 57.395 Plätze © ap
Platz 6: Das Santiago Bernabeu in Madrid ist die neue Heimat von Superstar Cristiano Ronaldo und dessen neuen Verein Real Madrid. Das königliche Stadion besticht vor allem durch seine Enge. © ap
Verein: Real Madrid CF; Kapazität: 80 354 Plätze © dpa
Platz 5: Die Allianz Arena in München. Die Heimat des FC Bayern und 1860 München schafft es in die Top 5. Laut „Times“ wird hier gezeigt, wie man ein neues Stadion zu bauen hat. Neueste Technologie, hoher Komfort und dennoch stimmungsgewaltig. © dpa
Vereine: FC Bayern München, TSV 1860 München; Kapazität: 69 000 Plätze © dpa
Platz 4: Das Inönü-Stadion von Besiktas Istanbul schlägt die Konkurrenz von Galatasaray oder Fenerbahce alleine durch seine Umgebung. Einen wundervollen Ausblick zur asiatischen Seite Istanbuls kann man von den Rängen genießen - doch in dieser Atmosphäre achtet darauf niemand. Kapazität: 32 145 Plätze © fkn
Platz 3: Legendäre Gänsehaut-Atmosphäre bei „Youl‘ll never walk alone“. This is Anfield. Die Anfield Road ist die Heimat des englischen Rekordmeisters FC Liverpool. © dpa
Verein: Liverpool FC; Kapazität: 45 362 Plätze © dpa
Platz 2: Das Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand bekommt die Silber-Medaille. Die Heimat von des AC Milan und Lokalrivale Inter Mailand ist das größte Stadion Italiens - und das wohl schönste. Einmalig, wie die Tifosi hier ihre Teams anfeuern. Ein würdiger zweiter Platz für das San Siro. © dpa
Vereine: AC Mailand, Inter Mailand; Kapazität: 81 389 Plätze © Getty Images
Platz 1: Der Sieger kommt aus Deutschland und ist das größte und stimmungsgeladenste Stadion der Bundesliga. Der Signal Iduna Park von Dortmund wurde für den Fußball konstruiert, alleine die Südtribüne bietet Stehplätze für 25 000 Fans - die gelbe Wand. © dpa
Verein Borussia Dortmund; Kapazität: 80.552 Plätze © Getty Images

Preetz, der in seiner Premieren-Saison als Manager einen Anteil der Schuld am Niedergang auf sich nehmen muss, bekam von Präsident Werner Gegenbauer den Auftrag zur Leitung des Projekts “Sofortiger Wiederaufstieg“ erneuert. Die erste Aufgabe für den einstigen Bundesliga-Torschützenkönig ist dabei die Trainersuche. “Er wird dem Präsidium seine Vorschläge unterbreiten“, betonte Gegenbauer.

Der aktuelle Chefcoach Friedhelm Funkel, dessen Vertrag sich nur beim Klassenverbleib verlängert hätte, fühlt sich zwar noch nicht ganz aus dem Rennen. Doch die Zeichen stehen auf Trennung. Zwar ist dem Trainer-Routinier Funkel in der zweiten Halbserie eine Stabilisierung des Teams geglückt, aber die Rettungsmission konnte er nicht erfüllen. “Wir wissen alle, dass wir uns von 'hätte, wenn und wäre' nichts kaufen können“, bemerkte Preetz.

Der Weg zurück wird schmerzhaft. Ingo Schiller, zweiter Geschäftsführer und Herr des Geldes, kündigte trotz der angespannten Finanzsituation an, dass er Preetz die wirtschaftliche Basis für das Unternehmen Wiederaufstieg mitgeben wird: “Wir wollen alles tun, um direkt wieder aufzusteigen.“

Zwar wird der derzeitige Erstliga-Etat von 75 auf 30 Millionen Euro heruntergefahren, und die Personalkosten gehen von jetzt 30 auf 13 bis 14 Millionen Euro zurück. Doch damit übernimmt Hertha in der 2. Liga immerhin eine Spitzenposition. “Davon sind wir mit unseren Zahlen noch ein ganzes Stück entfernt“, bemerkte Union-Coach Neuhaus.

Die Einschnitte beim 117 Jahre alten Club, dem ein Teil der rund 3,5 Millionen Hauptstadt-Bewohner auch ein gewisses Maß an Arroganz vorwirft, werden groß sein. Zwar möchte Preetz gern einige durchaus hochkarätige Profis wie den Brasilianer Raffael oder den kolumbianischen Jung-Nationalspieler Adrian Ramos für die 2. Liga behalten. Doch das wird vor allem der schnöde Mammon entscheiden, Spitzengehälter kann Hertha nicht mehr zahlen. Auf der Zweitliga- Wunschliste sollen auch der Tscheche Roman Hubnik, der Georgier Lewan Kobiaschwili und der Pole Lukasz Piszczek stehen, die für verringerte Bezüge weiterspielen könnten.

Bei anderen Akteuren wie Kapitän Arne Friedrich oder Gojko Kacar muss der Verein jetzt entscheiden, ob er Optionen für die 2. Liga zieht, um zumindest Transfer-Erlöse zu erzielen. Das allerdings birgt auch ein Risiko: Findet sich dann kein Abnehmer, müssten die Stars auch in der 2. Liga weiter zu Erstliga-Konditionen entlohnt werden. “Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen die Gespräche konkret aufnehmen“, kündigte Preetz intensive Pokerrunden an. “Dann werden wir sehen, wer bereit ist, den schweren Gang mitzugehen.“

dpa

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