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Ex-Schiri Gräfe attackiert DFB: „Schiedsrichterei zwölf Jahre an die Wand gefahren“

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Von: Marius Epp

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Manuel Gräfe macht den DFB verantwortlich für die Fehler der Schiedsrichter.
Manuel Gräfe macht den DFB verantwortlich für die Fehler der Schiedsrichter. © Martin Hoffmann/imago

Die deutschen Schiedsrichter stehen nach dem Bundesliga-Wochenende wieder in der Kritik. Für Ex-Schiri Manuel Gräfe ist das ein strukturelles Problem.

München - Der Startschuss für eine weitere Schiedsrichter-Diskussion ist gefallen. Seit mittlerweile fünf Jahren gibt es dabei eine neue Dimension: Den Videoassistenten. Zum großen Aufreger wurde am Wochenende die Pavard-Bellingham-Szene im Topspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund.

Die Bilder belegen eindeutig, dass der Franzose beim Stand von 2:1 für die Münchner Jude Bellingham zuerst foult und dann erst (eher zufällig) den Ball trifft. Schiedsrichter Daniel Siebert sowie der DFB gestanden den Fehler bereits ein. Dass Schiri Siebert das Foul in Echtzeit auf dem Platz übersieht - kann passieren. Doch viele Fußball-Fans können nicht nachvollziehen, dass Videoassistent Marco Fritz nach Sichtung der Bilder nicht eingriff.

Manuel Gräfe
Geboren: 21. September 1973 (Alter 48 Jahre), West-Berlin
Beruf: Sportwissenschaftler
Verein: Hertha Zehlendorf
Bundesligaspiele: 289

Ex-Schiri Gräfe: „DFB hat die Schiedsrichterei strukturell gegen die Wand gefahren“

Auch beim Spiel RB Leipzig gegen Union Berlin gab es eine klare Fehlentscheidung. „Leider ist die notwendige Korrektur ausgeblieben“, stellte Videobeweis-Projektleiter Jochen Drees fest. Zu häufig bleiben Fehlentscheidungen in der Bundesliga stehen - woran liegt das?

Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe macht den DFB für das Problem verantwortlich. Er sieht ein strukturelles Problem. „Es wird Zeit, nachdem der DFB die Schiedsrichterei strukturell und personell zwölf Jahre gegen die Wand gefahren hat, die Verantwortungsfrage zu stellen“, sagt er der in einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung.

FC Bayern im VAR-Glück gegen den BVB - „Fehler passieren, aber es sind zu viele“

Gräfe leitete in seiner Karriere knapp 300 Bundesliga-Spiele. „Fehler passieren, aber es sind einfach zu viele“, prangert er an. „Wenn man trotz eindeutiger TV-Bilder falsch entscheidet, fehlt es oft an der notwendigen Fußballkompetenz. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass selbst mit Bildern so viele Fehlentscheidungen – wie auch am Samstag in München beim fehlenden Elfmeter nach Foul von Pavard – die Spiele beeinflussen.“

Das Leistungsprinzip stehe bei der DFB-Schiedsrichterführung seit Langem hinten an. Man wähle „lieber nach persönlichen, regionalen oder politischen Aspekten die Schiedsrichter für Positionen oder Aufgaben aus.“

Der Ex-Schiri schießt mit schwerer Munition gegen den Verband - ob seine Vorwürfe gerechtfertigt sind, weiß nur der DFB selbst. Fest steht: Ganz neutral ist Gräfe wohl nicht, er wehrte sich im vergangenen Jahr lautstark gegen die Altersgrenze für Schiedsrichter, die ihn zum Karriereende zwang und zog sogar gegen den DFB vor Gericht. (epp)

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