tz-Expertenkolumne

Sebescen: Wichtiger Test für Jogi Löw

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Zoltan Sebescen.

München - Zoltan Sebescen bestritt einst ein missratenes Länderspiel gegen die Niederlande. Das war's dann aber mit der Karriere beim DFB. In der tz-Expertenkolumne schätzt der heutige Berater das Freundschaftspiel der Nationalmannschaft gegen Polen.

Natürlich ist das Länderspiel am Dienstag Abend gegen Polen kein Gradmesser für die WM. Ohne die Dortmund- und Bayern-Spieler ist die Aussagekraft begrenzt, von den 18 Nominierten standen zwölf noch nie für die Nationalmannschaft auf dem Rasen.

Die Öffentlichkeit darf gerne über die Sinnhaftigkeit dieses Spiels debattieren, seine Berechtigung hat die Partie allemal. Für Jogi Löw ist es die Chance, starke Nachwuchsspieler in einem neuen Umfeld zu beobachten, Gespräche zu führen. Die Spieler lernen die Abläufe und Zuständigkeiten kennen und tun sich bei der nächsten Nominierung ein gutes Stück leichter.

Ich hätte mir so eine Möglichkeit gewünscht. Im Februar 2000 wurde ich von Erich Ribbeck nach nur acht Bundesligaspielen für das Länderspiel gegen Holland eingeladen. Ein Prestigeduell in Amsterdam. Ribbeck bot mich überraschend in der Startelf auf – als rechter Verteidiger, was ich zuvor noch nie gespielt hatte. Nach zwei Fehlern, die zu Toren führten, wurde ich in der Halbzeit ausgewechselt. Es war mein erstes und letztes Länderspiel. Ribbeck hat danach nichts mehr von sich hören lassen, es gab kein Gespräch mehr.

Heute bin ich über diese Sache lange hinweg. Und wenn mich jemand fragt, was mein Karriere-Höhepunkt war, dann sage ich immer: dieses Länderspiel. Das Trikot zu tragen, die Nationalhymne zu singen, das war schon als Junge mein Traum. Und so wird es auch bei den Spielern sein, die jetzt für das Polen-Spiel nominiert wurden. Jogi wird sich gut überlegt haben, wen er da holt. Wer Angst hat, Fehler zu machen, der sollte besser daheimbleiben. Ich hatte nach dem Holland-Spiel damals das Glück, zwei Wochen später mit Wolfsburg gegen den HSV drei Tore zu machen und ein viertes vorzubereiten. Nach diesem Spiel verstummte die mediale Kritik. Zwei Jahre später stand ich mit Bayer Leverkusen im Champions-League-Finale.

Zoltan Sebescen (ehemaliger Profi beim VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen)

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