Showbühne Fußball

Toni Kroos & Co. werden immer mehr zum Handelsobjekt

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Toni Kroos beim Training.

Ein englischer Spitzenklub möchte unbedingt einen bekannten Bundesliga-Spieler kaufen. Die Verhandlungen ziehen sich über Wochen hin, denn ein Problem dabei ist: Egal, was passiert, der Berater des Fußball-Profis kassiert immer mit.

München -  Wechselt der Spieler sofort, muss sein Agent an der Ablösesumme beteiligt werden. Wechselt er erst nach Ablauf seines Vertrages, wird eine fette Provision fällig. Das Perfide an diesem Transferpoker ist, dass der Spielervermittler selbst dann verdient, wenn überhaupt kein Transfer zustande kommt. Denn sein Beratervertrag regelt, dass er in genau diesem Fall mit einem Millionenbetrag entschädigt werden muss. Das beschriebene Beispiel ist bereits ein Jahr alt – am Ende wechselte der Spieler für mehr als 40 Millionen Euro von Deutschland nach England.

„Das Rad ist kurz davor, zu überdrehen“

Später veröffentlichten Der Spiegel und die Enthüllungsplattform Football Leaks die Details dieses Deals. Im Moment ist wieder Transferzeit. Und allein in der Bundesliga sind in diesem Sommer schon rund 450 Millionen Euro an Ablösesummen gezahlt worden.

„Das Rad ist kurz davor, zu überdrehen“, warnt Sportdirektor Alexander Rosen von 1899 Hoffenheim. „Auch durch so surreale Geschichten im Hintergrund, wie zum Beispiel Transferbeteiligungen von Beratern im achtstelligen Bereich.“ Das verstöre die Fans. „Und es entfernt sie vom ursprünglichen Kern, nämlich dem Spiel an sich.“

Die Honorare der Berater sind gigantisch

Mehr als 127 Millionen Euro haben die Vereine der 1. und 2. Bundesliga allein zwischen März 2015 und März 2016 an Beraterhonoraren gezahlt. Nach Spiegel-Recherchen haben sich die Honorare europaweit in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.

Die große Frage ist: ­Warum lassen Verbände und Vereine den wachsenden Einfluss der Berater zu?

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte schon 2012: „Es ist absurd, dass die Klubs die Spielerberater zahlen. Eigentlich müssten das die Spieler tun.“ Seitdem hat sich vieles verändert. Doch die Branche ist einer Reglementierung des Beraterwesens nicht etwa nähergekommen, sondern hat sich im Gegenteil immer weiter davon entfernt.

2015 schaffte die FIFA ein gültiges Lizenzierungsverfahren für Spielervermittler ab. Seitdem muss jeder Nationalverband eine eigene Regelung finden, was in Deutschland konkret bedeutet: Jeder, der ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegt und eine Registrierungsgebühr von 500 Euro zahlt, kann sich als Spielerberater betätigen. 2016 veröffentlichten DFB und DFL, wie viel Geld jeder Profiklub in den zwölf Monaten zuvor an Beraterhonoraren gezahlt hat. Mittlerweile bleiben diese Summen wieder geheim. Die Begründung: Engländer, Spanier oder Italiener veröffentlichen ihre Zahlen auch nicht. Warum sollten wir allein das tun?

Das Image der Berater ist schlecht

Die Berater selbst haben sich in Deutschland schon 2007 zur Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung zusammengeschlossen. 116 Vermittler sind beim DFB registriert, 75 sind Mitglied in der DFVV. Wer sich mit einigen von ihnen unterhält, bekommt eine andere Sicht der Dinge vermittelt. 

Viele Berater wehren sich gegen ihr Image, sie halten auch eine Reglementierung ihres Geschäfts für falsch. Es gibt eine Nachfrage nach guten Spielern – und sie bedienen sie, heißt es. 

„Ich handle doch nicht mit Menschen. So etwas ist absurd“, sagte der Spielerberater Volker Struth dem Kölner Stadt-Anzeiger. Struth zählt zu den Großen der Branche, zu seinen Klienten gehören die Weltmeister Toni Kroos und Benedikt Höwedes. „Manager gibt es in der Musikbranche, beim Film – überall. Nur im Fußball wird darüber diskutiert“, meinte er. „Ich stelle den Vereinen und Spielern mein Netzwerk zur Verfügung. Dafür werde ich bezahlt.“

tz

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