Corona-Pandemie

«Situation spitzt sich zu»: Amateurfußball will loslegen

Fritz Keller
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Hofft auf schnelle Wiederaufnahme des Amateur- und Jugendfußball: DFB-Präsident Fritz Keller.

Seit November ruht im Amateur- und Jugendfußball größtenteils der Ball. Die Auswirkungen des zweiten Lockdowns sind gravierend. Der DFB appelliert an die Politik, wieder spielen zu dürfen.

Frankfurt/Main (dpa) - Der «Patient Amateurfußball» will endlich wieder loslegen.

Nach mehr als vier Monaten Stillstand hat die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes - untermauert mit teils besorgniserregenden Daten aus einer Umfrage - an die Politik appelliert, den Ball im Amateur- und Jugendsport trotz der Corona-Krise wieder laufen zu lassen.

«Unsere Fußballspieler wollen zurück auf den Platz. Die Sehnsucht nach dem Fußball, nach den Vereinen, nach dem gesellschaftlichen Leben ist riesig», sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Der für den Amateurfußball zuständige Vize Rainer Koch fügte mit markigen Worten hinzu: «Das an vielen Stellen prognostizierte Untergangsszenario gibt es für den Amateurfußball nicht, noch nicht. Klar ist aber auch: Der Basisfußball ist gezeichnet von der Corona-Krise. Es wird von Woche zu Woche schlimmer. Die Situation spitzt sich zu.» Der Patient Amateurfußball liege noch nicht auf der Intensivstation, aber er brauche jetzt dringend «Fürsorge, Behandlung und Unterstützung».

Demnach leidet die Basis unter erheblichen finanziellen Belastungen, sorgt sich um den Nachwuchs und die Zahl an Ehrenamtlichen und Personen im Trainerbereich. So lauten einige der Erkenntnisse aus einer Umfrage, an der mehr als 100 000 Personen teilnahmen. 61 Prozent der Befragten geben an, dass sich Corona auf die finanzielle Situation ausgewirkt hat, zum Teil ist von einer existenzbedrohenden Lage die Rede. Finanzielle Unterstützung könne der DFB allein schon wegen seiner Gemeinnützigkeit nicht leisten, betonten die beiden Funktionäre.

Auch die Verbundenheit zum Verein habe laut der Umfrage abgenommen, 36 Prozent stehen seit dem Beginn des zweiten Lockdowns im November überhaupt nicht in Kontakt mit ihrem Club. Dazu sprechen 22 Prozent der Befragten von einem spürbaren Anstieg der Zahlen an Vereinsaustritten.

Der zweite Lockdown hat offensichtlich Spuren hinterlassen. Seit November ruht quasi das Trainings- und Wettkampfgeschehen im Amateur- und Jugendbereich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten am vergangenen Mittwoch zwar nach zähem Ringen verschiedene Schritte der Öffnung auch für den Sport beschlossen. Spiele im Amateur- und Jugendfußball sind aber erst frühestens ab dem 22. März möglich, sollte der Inzidenzwert unter 50 liegen, was derzeit größtenteils unwahrscheinlich ist.

Keller betonte, dass der Fußball mit umfangreichen Tests helfen könne, das Pandemiegeschehen einzudämmen. «Der organisierte Fußball kann, wenn er darf, zur Normalisierung beitragen», so Keller, der sich in einem Brief bereits an Merkel gewandt hatte. In jedem Verein gebe es Menschen mit medizinischen Kenntnissen. «Wir bieten die Infrastruktur», bekräftigte Keller und Koch fügte hinzu: «Der Amateurfußball ist kein pandemisches Problem, sondern fester Teil der Lösung.»

Dabei hofft der DFB auch auf Unterstützung aus dem Profifußball. Schließlich habe sich der Amateurfußball in den letzten zwölf Monaten solidarisch mit den Profis gezeigt, so Koch. Man sitze gemeinsam in einem Boot.

Eines ist den beiden DFB-Bossen aber klar. Sollten die Inzidenzzahlen weiter steigen, «haben wir wieder die Füße still zu halten», wie es Keller formulierte. Koch verwies aber auch darauf, dass immer mehr Menschen nicht bereit seien, sich an entsprechende Vorgaben zu halten. Da könne der Sport für mehr Ordnung sorgen, als wenn in der freien Natur ohne Obhut Fußball gespielt werde.

Die Befragung brachte dem DFB aber auch positive Signale. So dürfte den Vereinen Hoffnung machen, dass nicht nur 98 der Befragten den Amateurfußball vermissen, sondern auch 94 Prozent nach Ende des Lockdowns zurückkommen wollen.

© dpa-infocom, dpa:210308-99-739516/2

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