Ex-Polen-Trainer im tz-Interview:

Smuda: "Lewy? So einer fehlt Jogi"

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München - Als Trainer holte Franciszek Smuda (67) Robert Lewandowski 2008 aus der 2. Liga zu Lech Posen In der tz spricht der ehemalige polnische Bundestrainer (2009 bis 2012) über die Stärke der Polen.

Herr Smuda, im Hinspiel siegte Polen mit 2:0. Kann das heute wieder passieren?

Smuda entdeckte Lewandowski 2008 als Trainer von Lech Posen.

Smuda: Das war eine riesige Überraschung, aber andererseits stand nicht mehr die Mannschaft auf dem Platz, die zuvor noch in Brasilien Weltmeister geworden ist. Jogi Löw musste nach der WM eine neue Elf aufbauen. Das braucht Zeit. Noch ist das Team nicht so stark wie vor einem Jahr. Deshalb halte ich es nicht für unmöglich, dass Polen auch heute in Frankfurt wieder gewinnen kann.

Dann würde für die Löw-Truppe die EM-Quali in Gefahr geraten.

Smuda: Nein, da braucht ihr euch keine Sorgen machen. Deutschland qualifiziert sich für die EM. Und bis zur Endrunde in Frankreich ist die Mannschaft wieder so stark wie bei der WM in Brasilien, dafür wird Jogi Löw schon sorgen. Da bin ich mir sicher.

Trotzdem steht das DFB-Team unter Druck. Alle erwarten einen Sieg.

Smuda: Klar, für Deutschland ist das ein ganz wichtiges Spiel. Wann gab es das zuletzt, dass die deutsche Mannschaft in der Qualifikation in so einer Situation war? Sonst war es meist ein Spaziergang. Natürlich haben sie jetzt Druck. Die Polen sind Tabellenführer, selbst mit einem Unentschieden können sie sehr gut leben. Und wenn sie gewinnen, können sie am Montag gegen Gibraltar das Ticket nach Frankreich buchen.

Wie packt man die Polen?

Smuda: Wenn es eine Schwachstelle gibt, dann in der Defensive. Die Abwehr ist noch nicht ganz so sattelfest, das weiß Trainer Adam Nawalka aber auch. Generell hat sich die Mannschaft in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Als ich bis vor drei Jahren Nationaltrainer war, hatte ich nur zehn oder elf gute Spieler. Inzwischen kommen immer mehr gute Spieler nach wie Arek Milik oder Grzegorz Krychowiak. Der hat in Sevilla eine unglaubliche Entwicklung genommen. Die wird nur von einem noch getoppt…

…Robert Lewandowski?!

Smuda: Sie sagen es. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass Robert der beste Mittelstürmer in ganz Europa ist. Egal, ob er einen Sahnetag hat oder nicht so gut drauf ist, er macht immer sein Tor. Noch dazu ist er unheimlich mannschaftsdienlich und auf dem Boden geblieben, er ist ein gut erzogener Junge. Er ist ein Spieler, auf den das Wort „Weltklasse“ absolut zutrifft. Und da sehe ich auch ein Problem im deutschen Team.

Welches meinen Sie genau?

Smuda: Einer wie Lewandowski fehlt der deutschen Mannschaft. Lange Zeit hatte Deutschland vorne Miro Klose. Aber wer kommt danach? Da fehlt es meiner Meinung nach an einer echten Alternative.

Interview: Sven Westerschulze

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