Riesenpanne bei Quoten-Messung

So wurden Sky durch eine falsche Berechnung Zuschauer „geklaut“

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Beispiel Bundesliga: Statt 3,9 wurden nur 3,3 Millionen Zuschauer gemessen.

München - Auf Sky gingen die Einschaltquoten zurück. Und das, obwohl der Abo-Sender immer mehr Kunden hat. Keine Lust mehr auf die Liga? Nein, ein Berechnungsfehler!

Sinkende Zuschauerzahlen beim Fußball? Solche schlechten Nachrichten kennt die Boom-Branche ­eigentlich nicht. Doch in der aktuellen Hinrunde ist genau das passiert: Auf Sky gingen die Einschaltquoten zurück. Und das, obwohl der Abo-Sender immer mehr Kunden hat. Keine Lust mehr auf die Liga? Die Aufklärung der vermeintlichen „Fußball-Krise“ gab es am Donnerstag, und sie klingt unglaublich: Sämtliche Einschaltquoten von Sky, also auch bei Filmen, Serien und Shows, wurden im vergangenen Jahr um rund 16 Prozent zu niedrig gemessen. Nach den korrigierten Zahlen ist der Fußball sogar ­beliebter denn je.

Was war passiert? Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) mit Sitz in Frankfurt erfasst die Quoten. An dieser Messung nimmt auch Sky teil. Denn auch im Pay-TV läuft Werbung. Und die Kosten für die Spots richten sich, genau wie bei RTL oder Sat.1, nach den Einschaltquoten. Diese Quoten werden mit wenigen Messhaushalten ermittelt – wie bei Wahlhochrechnungen. Rund 5000 Haushalte in Deutschland stehen für sämtliche Zuschauer. Und nur etwa 500 davon sind Sky-Kunden. Nach einer technischen Umstellung wurde die Zahl der Sky-Messhaushalte aber zu hoch angesetzt. So entstand der Rechenfehler. Aus durchschnittlich 3,6 Millionen Zuschauern für ein Bundesliga-Wochenende (2015/16) wurden in der laufenden Saison damit nur mehr 3,3 Millionen. Doch in Wahrheit schauten sogar 3,9 Millionen zu.

Sky prüft nun, wie sich die fehlerhafte Messung auf sein Werbegeschäft ausgewirkt hat. Und auch die Sponsorengelder der Klubs basieren teilweise auf den Einschaltquoten. Als Konsequenz fordert Sky, die Messung zu modernisieren. Denn bisher zählen beispielsweise Apps und Mediatheken, die immer mehr Menschen nutzen, nicht dazu. Sky kann seine Zuschauer übrigens längst viel genauer messen. 15 000 Receiver sind ans eigene System „Sky 360“ angeschlossen. Doch über den Preis für die Werbung entscheidet nur die antiquierte offizielle Messung – deren Genauigkeit Sky-Media-Chef Martin Michel fürs Pay-TV als „mitunter dramatisch schlecht“ bezeichnet. Sein Fazit: „Eine Abweichung von durchschnittlich 16 Prozent verdeutlicht einmal mehr, dass das Messverfahren der AGF an seine Grenzen stößt.“

Jörg Heinrich

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