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Deutsche Journalistin in Brasilien

"Brasilien hat Respekt vor dem deutschen Fußball"

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Solveig Flörke im Expertengespräch bei SporTV (Globo)

Porto Seguro - Solveig Flörke (30) ist eine deutsche Journalistin, die seit vielen Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Rio de Janeiro hat und dort über "kulturelle Unterschiede, Politisches und Touristisches in Brasilien" berichtet.

Auch und gerade der Sport ist eines ihrer Themengebiete, während der Weltmeisterschaft und den anstehenden Olympischen Spielen in Rio natürlich in besonderem Maße. Die tz sprach mit ihr über ihre Rolle im TV, die Missstände im Land und die Sicht der Brasilianer auf den deutschen Fußball.

Solveig, man sieht Sie zurzeit oft im brasilianischen Fernsehen. Erklärt hier eine deutsche Journalistin den Brasilianern den Jogi-Fußball?

Solveig Flörke: Ich arbeite seit 2010 für das brasilianische Fernsehen, man hätte mich also durchaus schon früher mal dort entdecken können (lacht). Den deutschen Fußball muss ich den brasilianischen Zuschauern und Kollegen allerdings nicht erklären, denn die kennen sich wirklich bestens aus. Ich beschreibe eher die Sicht der deutschen Fußballfans, erkläre den Inhalt der Berichterstattung und gebe hin und wieder Anekdoten zum besten, die man hier noch nicht kannte.

Dann erzählen Sie mal: Fürchten die Brasilianer den deutschen Fußball? 

Solveig Flörke: Sie haben auf jeden Fall Respekt vor dem Fußball der deutschen Nationalmannschaft! Kein Wunder, schließlich hat sich die Elf von Jogi Löw in den letzten Jahren konstant gut präsentiert.

Was fasziniert Sie persönlich an den Menschen, an dem Land? 

Solveig Flörke: Am meisten schätze ich die Willkommens-Kultur in Brasilien. Als Ausländer wird man hier von den Menschen absolut herzlich empfangen, sofort integriert und schon dann gelobt, wenn man nur drei Bröckchen Portugiesisch vor sich hinstottert. Das Land hat mit seiner Natur unendlich viel zu bieten. Ich wundere mich öfter, dass das hier viele als gegeben hinnehmen und nicht gerade viel Wert auf eine saubere Umwelt legen.

Viele andere Dinge wollen die Brasilianer nicht mehr als gegeben hinnehmen. Was macht sie so wütend? Können Sie sie verstehen?

Solveig Flörke: Ja, ich kann die Menschen absolut verstehen und finde die Proteste, von denen die Mehrheit friedlich abläuft, richtig und dringend notwendig. In der Hauptsache geht es den Brasilianern um die Punkte Bildung, Gesundheit, Korruption und Transport. Sowohl das Bildungs- als auch das Gesundheitssystem sind in Brasilien eine Katastrophe, vor allem für diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben und nicht auf Privatschulen oder private Krankenhäuser ausweichen können. In den Großstädten des Landes kollabiert der Straßenverkehr regelmäßig, in völlig überfüllten Bussen und Bahnen fahren viele Menschen nicht selten drei Stunden stehend und schwitzend zur Arbeit. Gleichzeitig schlucken zu müssen, dass Milliarden für Stadien draufgehen und immer wieder Steuergeld verschwindet, hat das Fass schließlich zum Überlaufen gebracht. Ich finde zu recht.

Hat der Fußball die Gemüter nun vorerst abgekühlt? 

Solveig Flörke: Die Stimmung ist meiner Meinung nach derzeit nicht so aufgeheizt wie zum Beispiel vor einem Jahr zum Confed Cup, es gibt aber immer noch und immer wieder Demonstrationen, beispielsweise kürzlich von Lehrern, die hier recht schlecht bezahlt werden.

Wie sehen die Fans bislang die Auftritte ihrer Selecao?

Solveig Flörke: Ich würde sagen ganz gut. Die Mehrheit ist zufrieden, nicht überschwänglich, aber auch nicht enttäuscht. So war ja auch die Leistung. Solide, aber bisher keine Fußball-Show.

Was passiert hier, sollten Neymar & Co. vorzeitig ausscheiden? Endzeitstimmung?

Solveig Flörke: Ich glaube schon, dass die Unzufriedenheit noch einmal gravierender wäre und deutlicher zum Ausdruck käme, zum Beispiel bei Demos und Randalen, wenn die Selecao von Anfang an schlecht gespielt oder verloren hätte. Dann fragt man sich als enttäuschter Fan natürlich einmal mehr: Warum machen wir den ganzen Scheiß eigentlich?

Interview: Michael Knippenkötter

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