DFB-Team braucht einen Sieg

Spanien - Deutschland: Stimmungsfinale in Vigo

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Will mehr vom Team sehen: Bundestrainer Jogi Löw.

München - Es ist offiziell nur ein Freundschaftsspiel. Doch um das WM-Jahr sorgenfrei abzuschließen, muss die deutsche Nationalmannschaft in Spanien siegen.

Amistoso ist spanisch und bedeutet so viel wie Freundschaftsspiel. Wenn Deutschland Dienstag (20.45 Uhr, ARD) in Vigo auf Spanien trifft, wird das Wort auf dem Aufstellungsbogen prangen, ob es aber tatsächlich den Charakter dieses Spiels beschreibt, ist fraglich. Zum einen wäre da der Fakt, dass im nasskalten Galizien der amtierende auf den ehemaligen Weltmeister trifft. Bundestrainer Joachim Löw bemühte sich zwar zu betonen, dass diese Partie „alles, nur keine Revanche für irgendein Spiel, das vielleicht 2010 verloren ging oder 2008“ sei. Und er hat recht. Denn es ist sogar noch mehr. Eine Pleite gegen den Albtraum der vergangenen Jahre wäre ein weiterer Fleck auf der Weltmeister-Weste, die vier Monate nach Rio schon einige Spuren aufweist. Platz drei in der Quali, 0:2 in Polen verloren, nur 4:0 gegen Gibraltar gesiegt – WM-Filme und Silberne Lorbeerblätter hin oder her, der Zauber von Rio verblasst immer mehr. Will Löw die Euphorie über die Winterpause halten, ist ein Sieg in Spanien Pflicht.

Hier steigt der Gipfel gegen die Spanier: das Estadio Balaídos in Vigo.

Sollte der ein oder andere Spieler trotzdem noch mehr Motivation benötigen, reicht ein Blick in die spanische Presse. Ihr blieb der deutsche Stolperkick gegen Gibraltar freilich auch nicht verborgen. „Deutschland wirkte zwischen Mitleid und Faulheit wie betäubt“, schrieb die Sportzeitung As und fügte an: „Die Zweifel der letzten Monate am Weltmeister konnten nicht ausgeräumt werden.“ Eine Schlagzeile, die wohl auch Jogi Löw so unterzeichnet hätte. Nach dem bedingt überzeugenden Aufritt gegen Gibraltar kochte selbst der Bundestrainer vor Wut. „Vier Tore sind einfach zu wenig. Ich bin alles andere als zufrieden. Wir haben nicht die Anforderung erfüllt, wie wir uns das gewünscht hatten“, kritisierte Löw seine Weltmeister. „Wir waren nicht mehr bei den Flanken präsent, haben das Tor nicht mehr getroffen. Wir wollten bei den Flanken den Rückraum besetzt haben, wollten mit viel Bewegung aus den Positionen spielen. Aber wir haben auch die Positionen nicht gehalten. Von den Spielern, von denen ich dachte, sie würden sich aufdrängen, habe ich auch wenig gesehen.“ Klartext à la Jogi!

Jetzt also Spanien. Fragt man die Spieler nach dem Duell gegen den Gegner, der sie bei sämtlichen Partien seit 2008 besiegt und spielerisch gedemütigt hat, erntet man jedenfalls mehr Begeisterung als vor der Partie gegen Gibraltar. Der unbedingte Wille, die Spanier nach 14 Jahren endlich mal wieder zu schlagen, kommt aber bei keinem Akteur so richtig auf. Warum? Weil es scheinbar nicht so wichtig ist. Weltmeister ist man ja so oder so. „Das Spiel wird unseren Eindruck vom Länderspieljahr 2014 nicht trüben. Wir haben den Titel geholt, daran gibt es nichts mehr zu rütteln“, so Thomas Müller. „Erreicht man so einen Meilenstein, kann danach kommen was will.“ Wirklich?

Der Bundestrainer wählte seine Worte schon sorgfältiger. „Beide Mannschaften wollen am Jahresende zeigen, was in ihnen steckt“, sagte Löw. „Wir wollen gewinnen.“ Oder besser gesagt: Wir müssen siegen. Andernfalls könnte die WM-Euphorie bereits ein halbes Jahr später ein jähes Ende nehmen. Nach 2008 kommt es jetzt gegen Spanien also erneut zu einem Finale – zumindest zum Stimmungsfinale…

J. Carlos Menzel Lopez

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