Stadtduell im CL-Finale

Spanien-Experte: "Die Feindschaft ist historisch"

+
Obenauf? Für Pepe & Co. geht es gegen Atlético um alles.

Madrid - Das Madrid-Duell im Champions-League-Finale elektrisiert die Fußballwelt, aber vor allem die Spanier. Für die tz schrieb Álvaro de la Rosa von der Sporttageszeitung "As" eine Einschätzung.

Vorhang auf für eines der wohl spannendsten Endspiele in der Geschichte der Champions League. Real Madrid trifft auf Atlético Madrid, zwei Mannschaften aus derselben Stadt, deren Feindschaft historisch ist. Noch historischer sogar als die zwischen Real und Barça, denn sie ist älter.

Real-Präsident Florentino Perez hat Atlético schon immer als den historischen Konkurrenten der Blancos angesehen, was dem Spiel noch mehr Druck verleiht. Fest steht: Lissabon und Madrid werden an diesem Samstag lahmgelegt sein. Neben den Glücklichen, die ein Ticket ergattert haben, werden in der portugiesischen Hauptstadt weitere 60 000 Fans erwartet. Bleibt nur zu hoffen, dass sie friedlich bleiben.

Sportlich gesehen überrascht ein wenig die Ruhe, die Real-Coach Carlo Ancelotti vor dem großen Finale ausstrahlt. Es ist seine langjährige Erfahrung, die es ihm erlaubt, bei jeder Pressekonferenz und jeder Ansprache so cool zu bleiben wie ein Eisklotz. So versucht er dem Team den unmenschlichen Druck der décima, des zehnten Europapokal-Siegs in der Geschichte der Königlichen, zu nehmen. Und so machte sich der Real-Tross mit Perez an der Spitze vergangenen Donnerstag auf den Weg nach Lissabon – obwohl sich Ancelotti dafür ausgesprochen hatte, dass Mannschaft und Vorstand getrennt anreisen.

Das Finale wird aber nicht am Samstag angepfiffen, beide Mannschaften tragen es bereits seit einigen Wochen aus. Keiner will seine Karten zeigen, vor allem nicht, wenn es um angeschlagene Spieler geht. Mal ist Pepe fit, tags drauf wieder nicht. Gleiches gilt für Benzema. Dass Cristiano Ronaldo von Beginn an auf dem Platz stehen wird, daran zweifelt hier in Spanien niemand. Die Frage ist nur: Wie lange hält er durch? Seine Blessur ist verheilt, es geht ihm gut. Das war aber auch vor der Partie gegen Espanyol der Fall, dann musste er plötzlich nach dem Aufwärmen abbrechen. Bei CR7 ist es Kopfsache. Er hat Angst vor einer Verletzung und das hemmt ihn – vor allem, weil er weiß, dass nach Lissabon die WM in Brasilien ansteht. Gleiches gilt übrigens für Atlético: Diego Costa ist zu Wunder-Doc Marijana Kovacevic nach Belgrad gereist und wurde dort mit Stuten-Plazenta (!) behandelt. Ob es hilft, werden wir um 20.45 Uhr sehen.

Und dann wäre da noch die Favoritenrolle, die keiner haben will. Nachdem die Königlichen schon mit Demut den Münchner Waldbrand im Halbfinale löschten, wollen sie auch jetzt nicht als Favorit gehandelt werden. „Sie sind der Favorit, sie sind ja schließlich Meister geworden“, sagen die Blancos. In der Atlético-Kabine heißt es dagegen: „Die glauben doch selbst nicht, was sie sagen.“ Niemand will den Druck. Es geht um alles. Um den Henkelpott. Die décima gegen die primera. Ein Spiel, das Madrid zur Fußball-Hauptstadt macht.

Álvaro de la Rosa, Fußballexperte AS

Neue Bilder: Highlights aus Europas Fan-Choreos

Bilder: Highlights aus Europas Fan-Choreos

Auch interessant

Meistgelesen

So sehen Sie die Bundesliga-Konferenz heute live
So sehen Sie die Bundesliga-Konferenz heute live
Nina Weiss: Das ist die Frau von Manuel Neuer 
Nina Weiss: Das ist die Frau von Manuel Neuer 
Alle Infos zur Relegation 2017: Termine, Modus und TV-Übertragung
Alle Infos zur Relegation 2017: Termine, Modus und TV-Übertragung
HSV forderte VfL: So endete die Partie Hamburger SV gegen Wolfsburg
HSV forderte VfL: So endete die Partie Hamburger SV gegen Wolfsburg

Kommentare