Endspiel-Ausgang offen

Spanien und Italien versprechen furioses EM-Finale

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Das Objekt der Begierde: Der Coupe Henri Delaunay

Kiew - Im Finale der Fußball-EM trifft die Mannschaft der Stunde auf die Mannschaft der letzten vier Jahre. Italien und Spanien haben größten Respekt voreinander, versprechen aber wieder einen offenen Schlagabtausch.

Sie haben Wort gehalten. “Auf Wiedersehen“ (nos vemos - ci vediamo) versprachen sich Spanier und Italiener nach ihrem hochklassigen Gruppenmatch. Jetzt treffen sich der Titelverteidiger und das Überraschungsteam im Finale der Fußball-Europameisterschaft am Sonntag wie vereinbart. “Beide Mannschaften hätten es verdient“, urteilte Spaniens Offensivmann Cesc Fàbregas. Wer Sonntagnacht in Kiew triumphiert und wer trauert, ist völlig offen. “Mamma, was für ein Finale!“, titelte die Gazzetta dello Sport am Samstag.

Spanien will das historische Titel-Triple perfekt machen. “Wir haben bereits Geschichte geschrieben und wir wollen weiter Geschichte schreiben“, kündigte Keeper Iker Casillas an. Noch nie triumphierte eine Nationalmannschaft dreimal hintereinander bei einem großen Turnier. “Aber Italien ist ein gefährlicher Rivale und wird uns das Leben schwer machen.“

Italien wartet seit 44 Jahren auf seinen zweiten EM-Coup. Im Turnierverlauf hat sich die Squadra Azzurra als äußerst titelwürdig präsentiert. “Wir dürfen keine Angst vor Spanien haben“, sagte Trainer Cesare Prandelli. Er treibt seine Spieler zu einer letzten Höchstleistung an. “Seit dem Spiel in Danzig sind wir physisch und mental stärker geworden.“. Außerdem hätten seine Azzurri den “Wettskandal und viele andere Schwierigkeiten psychologisch positiv genutzt“, betonte Prandelli.

Captain Fantastic, Atom-Ameise und Nemo - die Spitznamen der EM-Stars

Lars Bender: „Manni“ (in Anlehnung an Manfred Bender) © dpa
Mario Gomez: „Torero“, „Super Mario“ © dpa
Mario Götze: „GoGo“ (als Kind), „Götzinho“ (selten) © dpa
Jerome Boateng: „Boa“  © getty
Ilkay Gündogan: „Illy“ © dpa
Miroslav Klose: „Miro“ © dpa
Philipp Lahm: „Fipsi“ (als Kind), „Paolo“ (in Anlehnung an Paolo Maldini) © dpa
Per Mertesacker: „Merte“ © dpa
Manuel Neuer: „Manu“, „Schnapper“ © dpa
Lukas Podolski: „Poldi“, „Prinz Poldi“ © dpa
Mesut Özil: „Nemo“ (bei Real Madrid), „Mes“ (als Kind) © dpa
Marco Reus: „Max“ (als Kind), „Woody Woodpecker“ (von Fans) © dpa
Marcel Schmelzer (l.): „Schmelle“ © dpa
Bastan Schweinsteiger: „Bastinho“, „Schweini“ (früher) © dpa
Tim Wiese: „Spiegel“ (weil er viel Zeit vor demselben verbringen soll; selten) © getty
Steven Gerrard: „Captain Fantastic“ © dpa
John Terry: „Iron Man“ („Eiserner Mann“) © getty
Wayne Rooney: „Roo“, „Wazza“ © getty
Franck Ribery: „Flagada“ („schlapp“) © dapd
Robbie Keane: „Keano“ © dpa
Mario Balotelli: „Super Mario“ © dpa
Gianluigi Buffon: „Gigi“ © dpa
Sebastian Giovinco (l.): „Formica atomica“ („Die Atom-Ameise“, nach einer Comicfigur) © dpa
Luka Modric: „The Croatian Cruyff“ („der kroatische Cruyff“) © dapd
Klaas-Jan Huntelaar: „Hunter“ („Jäger“) © dapd
Arjen Robben: „Boyke“ (niederländisch für kleiner Junge) © dpa
Robin van Persie: „RVP“ © dpa
Jakub Blaszczykowski: „Kuba“ © dpa
Robert Lewandowski: „Lewi“ © dapd
Lukasz Piszczek: „Pische“ © dpa
Cristiano Ronaldo: „Ron“, „Ronnie“, „CR7“ © dpa
Roman Pawljutschenko: „Super Paw“ © getty
Juri Schirkow: „The Russian Ronaldinho“ © getty
Andrej Arschawin (M.): „Der kleine Zar“ © dpa
Zlatan Ibrahimovic: „Ibracadabra“ © dpa
Fernando Torres: „El Nino“ (das Kind) © dapd
Xavi: „La batuta“ („Der Taktstock“) © dpa
Iker Casillas: „San Iker“ („heiliger Iker“) © dpa
Petr Cech: „Big Pete“ und „Dr. Zero“ („Dr. Null“) © dpa
Andrej Schewtschenko: „Schewa“ © dpa
Anatoli Timoschtschuk: „T44“ (in Anlehnung an seine Rückennummer 44) © dpa

Der verdiente 2:1-Erfolg im Halbfinale gegen Deutschland hat dem viermaligen Weltmeister noch mehr Schwung gegeben. Die Spanier konnten dagegen aus dem mühevoll erkämpften 4:2 im Elfmeterschießen gegen Portugal kaum zusätzliches Selbstvertrauen schöpfen.

Vor allem Eckpfeiler wie Spielmacher Xavi oder Sechser Xabi Alonso wirken nach einer kräftezehrenden Saison müde. Von der Form dieser beiden Leistungsträger hängen Wohl und Wehe der “selección“ aber entscheidend ab. Wenigstens stellt sich die Frage nach der Sturmbesetzung nicht mehr. Fàbregas hat sich mit seinem souverän verwandelten entscheidenden Elfer gegen die Portugiesen seinen Startplatz für das Finale am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) gesichert. Der Not-Neuner hatte schon im Gruppenspiel gegen Italien das 1:1 erzielt.

Aufseiten der Italiener steht die Aufstellung so gut wie fest. Anders als am 10. Juni wird Prandelli keiner Dreierabwehrkette, sondern seine Viererreihe in der Defensive aufbieten. Sollte Teamarzt Enrico Castellacci nicht überraschend mit schlechten Nachrichten kommen, wird Italien mit einer Ausnahme die selbe Anfangsformation wie gegen die DFB-Elf aufbieten. Ignazio Abate kehrt wieder auf die rechte Abwehrseite zurück.

Ein kleines Fragezeichen steht allenfalls hinter Stürmer Antonio Cassano. Der Vorbereiter zum 1:0 gegen Deutschland zog sich im Halbfinale eine leichte Verstauchung des rechten Knies zu. Castellacci aber scheint sich keine Sorgen zu machen. Trotz seines Trainingsrückstands ist der Milan-Star wohl fit genug für 60 Minuten.

Auch Italiens EM-Held Mario Balotelli steht bereitet. Der Teamarzt konnte Prandelli beruhigen: “Es waren gegen Deutschland nur Krämpfe.“ Prandelli hatte eine Zerrung befürchtet und atmet nun auf: “Balotelli hat ein enormes Potenzial. Mario wird seine Leistung aus dem Deutschland-Spiel wiederholen wollen“, versicherte Prandelli den Tifosi.

Von Elmar Dreher und Bernhard Krieger, dpa

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