Rivalität ums Tor

Sportpsychologe offenbart, warum Jogi an Neuer klammert und welches Risiko das für ter Stegen birgt

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Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen beim Training. Ihre Körpersprache signalisiert Abwehr. 

Der renommierte Sportpsychologe Matthias Herzog beobachtet den Konkurrenzkampf zwischen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen und erklärt gegenüber unserer Zeitung, welche Risiken der Torhüter-Streit für den deutschen Fußball birgt.

Harmonie statt Eiszeit zwischen den Torhütern Manuel Neuer (32) und Marc-André ter Stegen (26)! Zumindest, wenn man den Worten von Leon Goretzka Glauben schenkt. Der erzählte am Freitagmittag: „Ich habe die beiden heute Morgen am Frühstückstisch gesehen, wie sie sich harmonisch unterhalten haben. Das ist mein letzter Eindruck, den ich schildern kann“, fügte aber noch an, dass beide Sportler seien, „die einen gesunden Konkurrenzkampf leben“. 

Am Mittwochabend im Stadion in Wolfsburg sah der Konkurrenzkampf weniger gesund aus, als sich beide Keeper nach dem Halbzeitpfiff keines Blickes würdigten. Ist das schon ein Psychokrieg? „Es kann nicht sein, dass sie sich auf dem Platz nicht abklatschen, wenn sie aneinander vorbeigehen. Das ist ein Unding“, kritisiert Sportpsychologe Matthias Herzog gegenüber der tz und nimmt beide Keeper in die Pflicht: „Wenn sie in so einer Situation schon nicht mehr miteinander kommunizieren, das ist ja das Schlimmste! Im Handball klatschen sich die Torhüter gegenseitig ab, geben sich gegenseitig Tipps. Das haben sogar Oliver Kahn und Jens Lehmann bei der WM 2006 hinbekommen. So ein Verhältnis kann sich komplett auf die Mannschaft übertragen!“ 

Für Herzog ist klar, dass Bundestrainer Joachim Löw vor allem wegen seiner grenzenlosen Dankbarkeit gegenüber Manuel Neuer noch an ihm festhält: „Nein, das ist kein gesunder Konkurrenzkampf. Jogi hängt einfach immer noch an Manuel Neuer, weil er ihm gegenüber anscheinend noch zu so viel Dank wegen des WM-Sieges 2014 verpflichtet ist. Das merkt auch ter Stegen, und das ist alles andere als förderlich.“ 

Der Motivations-Experte befürchtet, dass der Torwart des FC Barcelona bald in ein Loch beim DFB fallen könnte, wenn Löw ihn weiterhin trotz guter Leistungen nicht zwischen die Pfosten stellt und spricht vom sogenannten Prinzip der erlernten Hilflosigkeit. Herzog: „Die Gefahr ist vorhanden, dass ter Stegen irgendwann aufgibt und sagt: Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich bekomme eh keine Chance – das ist natürlich nicht gut für den Zweikampf zwischen den Pfosten. Im Augenblick pusht das Torhüter-Duell beide noch ein bisschen. Aber wenn Löw so weiterhandelt, ist das nicht mehr gegeben.“ 

Sportpsychologe Herzog geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn ein ter Stegen die nächsten drei, vier Spiele nur zuschauen darf und Neuer sich Fehler leistet, dann wird er bestimmt sagen: Sorry, jetzt reicht es mir. Das macht er nicht lange mit, dann wird er innerlich kündigen, vielleicht sogar aus der Nationalmannschaft zurücktreten. Ich konzentriere mich auf Barcelona. Da ist er mittlerweile stark genug, das muss er sich nicht antun. Das sind ja auch alles Energiefresser.“ 

Am Sonntag gegen Holland bleibt ter Stegen in jedem Fall nur die Bank. Das hat Jogi bereits angekündigt. 

Manuel Bonke

Lesen Sie auch: Eiszeit zwischen Neuer und ter Stegen? FCB-Star berichtet von Szene am Frühstückstisch

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