Sportschau wird 50: Daktari hat das Nachsehen

Die Moderatoren Ernst Huberty und Anne Will

Köln - Einige schwarz-weiße Filmschnipsel, kein Fußball und gesendet am Sonntagabend. So begann vor einem halben Jahrhundert die Sportschau. Die private Konkurrenz und Daktari haben das Nachsehen.

Da konnte Clarence, der schielende Löwe, so schief gucken wie er wollte. Gegen die zeitgleiche Sportschau hatte Daktari am frühen Samstagabend in vielen Familien das Nachsehen. Das erste große Duell der TV-Geschichte zwischen ARD und ZDF ist fast vergessen, die Tierserie reine Nostalgie. Doch den Sport-Klassiker der ARD gibt es noch immer. “Sie ist eine echte Instanz“, urteilte Moderator Gerd Delling über die Sportschau, die seit 50 Jahren ein Pflichtprogramm für alle Fußballfans ist und auch im Zeitalter von Internet und Pay-TV eine Zukunft besitzt.

Die zehn erfolgreichsten Sport-Übertragungen 2010

Platz 10: Deutschland - Türkei (EM-Quali) ZDF 15,14 Millionen Zuschauer. © dpa
Platz 9: Uruguay - Niederlande (WM) ZDF 19,53 © dpa
Platz 8: Deutschland - Serbien (WM) ZDF 22,11 © dpa
Platz 7: Uruguay - Deutschland (WM) ARD 23,67 © dpa
Platz 6: Niederlande - Spanien (WM) ZDF 25,03 © dpa
Platz 5: Deutschland - England (WM) ARD 25,67 © dpa
Platz 4: Argentinien - Deutschland (WM) ZDF 26,01 © dpa
Platz 3: Deutschland - Australien (WM) ZDF 28,03 © dpa
Platz 2: Ghana - Deutschland (WM) ARD 29,30 © dpa
Platz 1: Deutschland - Spanien (WM) ARD 31,10 © dpa

An der Philosophie “kompakt, kompetent und kurzweilig“ hat sich, glaubt man den Sportschau-Machern, nicht viel geändert. “Wir sind beim puristischen Sport geblieben, mit wenig Schnickschnack“, sagte Delling. Zum 50. Jubiläum am 4. Juni 2011 plant die ARD eine vorgezogene Geburtstagsshow an diesem Samstag (18.00 Uhr) und eine lange Nacht im WDR-Fernsehen am 4. Juni (22.45 Uhr). Als Gastgeber führen Anne Will, erste Frau im Moderatoren-Team, und Ernst Huberty, Mann der ersten Stunde, durch die Geburtstags-Party. Gratulanten sind unter anderem Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Jürgen Klopp.

“Wir haben ganz bescheiden angefangen. 1961 hatte der Sport keinen großen Stellenwert“, erinnerte der 84-jährige Huberty an die Anfänge der Kultsendung. Ein paar Filmchen in Schwarz-Weiß über Handball, Rudern, Radrennen und Sandbahnfahren, gesendet am Sonntagabend um 21.45 Uhr, mehr war zunächst nicht drin. Der Fußball tauchte erstmals nach acht Sendungen auf, mit der Partie Tasmania Berlin - Altona 93. Mit der Gründung der Bundesliga 1963 begann auch der Siegeszug der Samstag-Sportschau - auch wenn bis in die 80er-Jahre hinein nur Ausschnitte von drei Spielen gezeigt werden durften.

Die Sportschau war populär, Erfindungen wie das “Tor des Monats“ oder das Fußball-Ballett steigerten die Beliebtheit. Moderatoren wie Huberty, Addi Furler, Hans-Joachim Rauschenbach, Gerd Rubenbauer oder Heribert Faßbender prägten die Sendung. Die Einschaltquoten waren hoch. Zwischen 10 und 15 Millionen Menschen saßen zur “heiligen Sportschau-Zeit“ vor dem Bildschirm. Die Messmethoden von heute gab es damals nicht. “Die Sendung war fast die einzige Informationsquelle“, sagte Ex-Nationalspieler Günter Netzer.

Das Privatfernsehen veränderte die TV-Landschaft gravierend. 1988 stieg zunächst RTL mit ins Bundesliga-Boot. 1992 erwarb Sat.1 die Bundesliga-Erstrechte im Free TV und verdrängte die Sportschau in die zweite Reihe. Das Erste schaffte 2003 ein bemerkenswertes Comeback und sicherte sich - auch mit Unterstützung des Kartellamtes - bei der zurückliegenden Ausschreibung die begehrten Bundesliga-Rechte bis 2013 von der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die durfte ein Paket ohne eine Free-TV-Zusammenfassung vor 20.00 Uhr gar nicht erst vorlegen.  

Dabei ist die Sportschau der DFL kein Dorn im Auge. Der durch Werbeblöcke, Clips, Grafiken oder Video-Animationen modernisierte TV-Klassiker erzielt regelmäßig gute Einschaltquoten. In der gerade beendeten Saison sahen im Schnitt 5,62 Millionen Menschen die Samstag-Zusammenfassung, trotz der Konkurrenz des Pay-TV-Senders Sky und des neu eingeführten Spiels um 18.30 Uhr. Die DFL wünscht sich aber mehr Konkurrenz und mehr Geld von der ARD, die derzeit rund 100 Millionen Euro für ihre Fußball-Rechte ausgibt.

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky blickt den bevorstehenden Verhandlungen über die Rechte ab der Saison 2013/14 zuversichtlich entgegen. “Die Sportschau ist dank ihrer Tradition, ihrer verbraucherfreundlichen Sendezeit und den hohen redaktionellen sowie technischen Standards ein Garant dafür, die Bundesliga einem breiten Publikum zugänglich zu machen“, sagte Balkausky.

Personell wird das aktuelle Moderatoren-Team mit Delling und Reinhold Beckmann in der nächsten Saison durch Matthias Opdenhövel verstärkt. Der 40-Jährige, der Monica Lierhaus ersetzt, sprach für viele TV-Zuschauer, als er seine neue Aufgabe beurteilte: “Ich war immer ein Fan der Sportschau, seit ich Fernsehen gucken durfte. Alle, die in dieser Sendung aufgetaucht sind, waren meine Helden.“

dpa

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