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Staatsanwalt: Spiele in Deutschland manipuliert

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Theo Zwanziger. © dpa

Bochum - Der Staatsanwalt im Bochumer Prozess um den Fußball-Wettskandal hat dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger widersprochen und betont, dass es „auf jeden Fall“ Manipulationen in Deutschland gegeben habe.

Der Staatsanwalt widersprach Theo Zwanziger, ein Verteidiger will den DFB-Präsidenten sogar in den Zeugenstand zitieren: Im Bochumer Prozess um den Fußball-Wettskandal stand Zwanziger am Donnerstag im Blickpunkt, obwohl er gar nicht anwesend war. Es habe „auf jeden Fall“ Manipulationen in Deutschland gegeben, betonte Ankläger Andreas Bachmann am 20. Verhandlungstag vor dem Bochumer Landgericht: „Wir haben Anhaltspunkte, dass es tatsächlich passiert ist.“

Zwanziger hatte am Mittwoch vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages erklärt: „Nach jetzigem Stand gibt es keine Merkmale, dass Spiele wirklich manipuliert wurden.“ Bachmann stellte klar: „Alle Spieler haben bestritten, dass sie manipuliert haben. Aber das ist für uns unerheblich.“ Die Angeklagten bestätigten derweil in mehreren Fällen, dass sie Spieler bestochen hätten und die Manipulation erfolgreich gewesen sei. Das sagten auch die mutmaßlichen Haupttäter Ante S. und Marijo C. aus, die als Zeugen auftraten.

Am Ende des 20. Sitzungstages beantragte Verteidiger Udo Klaus Duits, Zwanziger wegen dessen Aussagen als Zeugen zu vernehmen. Der Anwalt des Angeklagten Kristian S. will damit die Ausführungen des Sachverständigen Carsten Koerl widerlegen. Der Geschäftsführer der Wettüberwachungsfirma Sportradar, die unter anderem für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Frühwarnsystem entwickelt hat, hatte von 70 bis 100 als manipuliert gemeldeten Spielen in Europa allein in den vergangenen fünf Monaten gesprochen.

Bachmann wollte indes auch Zwanzigers Aussage, es sei kein Schiedsrichter betroffen, nicht zustimmen. „Das kann ich so nicht bestätigen“, sagte der Bochumer Ankläger. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Schiedsrichter Cetin Sevinc (Waltrop) und Thorben Siewer (Drolshagen) ermittelt, der DFB die beiden mit einer Schutzsperre belegt. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Der DFB verfolgt den Prozess in Bochum durch Mitglieder des Kontrollausschusses, die Zwanziger regelmäßig Bericht erstatten. Nach SID-Informationen teilten sie ihrem Präsidenten lediglich mit, dass nach derzeitigem Sachstand verdächtigen Spielern eine konkrete Manipulation nicht zu beweisen sein werde - nicht, dass es keine Hinweise auf tatsächliche Spielbeeinflussung gebe. Für die Verurteilung durch das Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens reicht es jedoch, eine Manipulation verabredet zu haben.

Bislang sind neun Spieler vom DFB mit Sperren belegt worden. Die höchsten Strafen bekamen der frühere Osnabrücker Zweitliga-Profi Marcel Schuon und der ehemalige Verler Regionalliga-Spieler Patrick Neumann mit jeweils zwei Jahren und neun Monaten. Gegen drei weitere Spieler wurden die Ermittlungen eingestellt.

Insgesamt stehen in Deutschland 69 Spiele von der 2. Fußball-Bundesliga abwärts unter Manipulationsverdacht. Den vier Angeklagten im laufenden Prozess, Nürettin G., Tuna A., Stevan R. und Kristian S., wird die Einflussnahme auf insgesamt 32 Partien, davon 17 in Deutschland, vorgeworfen. Ab 21. März stehen auch Ante S. und Marijo C. in Bochum vor Gericht. Sie sind für die Staatsanwaltschaft die „Köpfe der Bande“.

sid

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