Stark ganz stark im "Skandalico"

+
Wolfgang Stark (l.) behielt den Überblick

Madrid - Als Wolfgang Stark kurz nach dem "Skandalico" an sein Handy ging, wusste der Unparteiische aus Ergolding endgültig, dass er alles richtig gemacht hatte. Dort empfing er lobende Worte.

„Ich habe ihn nach dem Spiel angerufen. Dabei habe ich ihm zu seiner Leistung gratuliert und meine Freude zum Ausdruck gebracht“, sagte der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Für uns Verantwortliche ist es natürlich toll, wenn unsere Nummer eins so eine erstklassige Leistung abliefert.“

Das Lob seines Chefs hatte sich Stark nach dem 0:2 (0:0) von Real Madrid gegen den Erzivalen FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League redlich verdient. Schließlich musste der WM-Referee eine Partie leiten, die laut DFB-Sportdirektor Matthias Sammer „am Rande eines Skandalspiels“ stand.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP

Stark hatte während der gesamten Begegnung immer wieder mit üblen Fouls und Tumulten zu kämpfen. In der Pause spielten sich regelrechte Jagdszenen zwischen den Profis ab. Dass Stark unter dem Strich mit zwei Roten Karten und einem Tribünenverweis für Reals Trainer Jose Mourinho auskam, spricht sogar noch für die Besonnenheit des 41-Jährigen.

„Diesen psychischen Druck, der in solch einem Spiel auf einem Schiedsrichter lastet, kann nur jemand nachempfinden, der mal selbst in einer solchen Situation war“, sagte Fandel: „Er hat es großartig gemeistert und ausbalanciert - ohne dabei die nötige Konsequenz vermissen zu lassen.“ Auch Sammer hatte nur lobende Worte für Stark parat. „Er hatte die Partie souverän im Griff. Das war aufgrund der ganzen Feindseligkeiten nicht einfach. Er hat mutig agiert - und er ist nicht umgefallen“, sagte der Sky-Experte.

Ganz anders sahen das die Verantwortlichen der Königlichen und die Zeitungen aus der Hauptstadt, die Stark durch die Real-Brille bewerteten. „Die Leistung des Schiedsrichters war schamlos“, sagte Madrids Torwart Iker Casillas. Dem schloss sich das Sportblatt AS an: „Stark hat es in die Galerie der Schreckgespenster Reals geschafft. Er frisst den Clasico auf. Er wirft Pepe vom Platz, obwohl er nur Gelb verdient gehabt hätte.“

Die vielen Gesichter des José Mourinho

Er ist ein Meister der Mimik und der Gestik: Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © 
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty
Sehen Sie hier die vielen Gesichter des José Mourinho. © Getty

Für diese Art der einseitigen Berichterstattung und die harsche Kritik Mourinhos an Stark nach dem Schlusspfiff hatte Sammer nichts übrig. „Die Rote Karte für Pepe war nur konsequent“, sagte der DFB-Funktionär: „Bei großen Persönlichkeiten wie Mourinho liegen Genie und Wahnsinn oft dicht beisammen. Diesmal stand der Wahnsinn im Vordergrund. Aber Wolfgang Stark kann ja nichts für die Blödheit der Spieler.“

Auch die Europäische Fußball-Union (UEFA) hielt nichts von den Ausrastern Mourinhos. Der Portugiese wurde für das Rückspiel gesperrt. Stark hatte Mourinho in der 63. Minute auf die Tribüne verbannt. Der Portugiese hatte den Platzverweis gegen Pepe (61.) nach einem groben Foulspiel mit höhnischem Beifall und den Worten „well done“ (gut gemacht) in Richtung von Thorsten Kinhöfer (Herne), der als vierter Offizieller fungierte, kommentiert.

Nach dem Schlusspfiff war sich Mourinho dann selbst für eine Lüge nicht zu schade. Er gab zu Protokoll, in der betreffenden Szene nichts gesagt zu haben - die TV-Bilder bewiesen das Gegenteil. Anschließend legte der Exzentriker noch nach: „Wenn ich zum Schiedsrichter und zu der UEFA sagen würde, was ich denke und fühle, würde meine Karriere heute enden.“

Schon vor der Partie musste sich Stark, der auch Barcas Ersatztorwart Jose Pinto während der Jagdszenen in der Pause die Rote Karte gezeigt hatte, heftige Attacken aus Real-Richtung gefallen lassen. Die klubnahen Zeitungen warfen dem gebürtigen Landshuter vor, er sei ein Fan von Barca-Superstar Lionel Messi. Zudem schmierten die Blätter dem Deutschen einen Fehler im Achtelfinale Madrids bei Olympique Lyon aufs Brot und ließen sich genüsslich darüber aus, dass Stark von den Bundesliga-Profis zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt worden war.

sid

Auch interessant

Meistgelesen

Fußball heute live: Diese Spiele laufen im TV und im Live-Stream
Fußball heute live: Diese Spiele laufen im TV und im Live-Stream
"Warnende Tendenzen": Deutscher Nachwuchs bleibt im Fokus
"Warnende Tendenzen": Deutscher Nachwuchs bleibt im Fokus
S04-Kapitän mit überragenden Statistiken: Deswegen ist Omar Mascarell so wichtig
S04-Kapitän mit überragenden Statistiken: Deswegen ist Omar Mascarell so wichtig
HSV-Aufsichtsratschef Jansen will nicht Vorstandsboss werden
HSV-Aufsichtsratschef Jansen will nicht Vorstandsboss werden

Kommentare