"Animalische Instinkte"

Professor: Das steckt hinter Suarez’ Beißattacke

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Luis Suarez (l.) nach seiner Beiß-Attacke.

München - Luis Suarez hat es wieder getan: Mit seiner Beißattacke hat er für einen Skandal bei der WM gesorgt. Professor Florian Holsboer erklärt in der tz, was hinter dem Angriff steckt.

Er hat es wieder getan. Mit seiner Beißattacke hat Luis Suarez für einen handfesten Skandal gesorgt und sich womöglich selbst von der WM verabschiedet. Während Uruguays Superstar seine Entgleisung herunterspielte und wilde Fotomontagen im Internet für Gelächter sorgten, hat die FIFA ein Ermittlungsverfahren gegen den bissigen Angreifer der Urus eingeleitet. Suarez und der uruguayische Verband wurden aufgefordert, bis zum Mittwoch-Abend (22 Uhr, MESZ) eine Stellungnahme abzugeben. Es droht eine lange Sperre. Der 27-Jährige hatte seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter gebissen – und das nicht zum ersten Mal in seiner Karriere. Der Italiener ist bereits das dritte Opfer des „Kannibalen“.

„Das ist eine Impulskontrollstörung“, erklärt Professor Florian Holsboer. „Der Gegenspieler ist sein Feind. Im Tierreich entfällt in so einer Situation die Beißhemmung – und bei Suarez auch. Da sind animalische Instinkte in ihm hervorgekommen, die er nicht kontrollieren konnte“, so der Professor weiter. Der Angeklagte selbst spielte das Unschuldslamm.

Beißattacke löst Feuerwerk im Internet aus

„Solche Dinge passieren im Spiel. Das sollte man nicht überbewerten“, meinte Suarez nach der Partie lapidar. Unterstützung erhielt er von seinen Mitspielern. Kapitän Diego Lugano bezeichnete Chiellini als „Heulsuse“, Trainer Oscar Tabarez meinte kurz und bündig: „Es geht um die WM, nicht um die Moral.“

Im Internet löste der Beißer mit seiner Attacke ein wahres Feuerwerk an Fotomontagen und Kommentaren aus. Ob als Hannibal Lecter, Vampir oder Kampfhund – Suarez wurde in sämtlichen Posen präsentiert. Ernsthaft gefreut haben dürfte sich allerdings nur einer über die Entgleisung: Ein Norweger gewann 5600 Kronen (rund 675 Euro). Er hatte vor Beginn der WM gewettet, dass der „Kannibale“ wieder zuschlage – und sollte recht behalten.

Holsboer beschrieb die Situation so: „Es waren noch zehn Minuten zu spielen. Es stand 0:0, Uruguay wäre ausgeschieden. Alles wäre verloren gewesen. Da brennen bei solchen Veranlagungen aller Erziehungsmaßnahmen zum Trotz die Sicherungen durch. Da ist der Gegner nur noch der Feind.“ Den erlegte Suarez’ Teamkollege Diego Godin zwei Minuten später mit dem entscheidenden 1:0.

Sven Westerschulze

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