Ex-Schiedsrichterin

Steinhaus-Webb: Hinweis aus dem DFB habe ich gehört

Bibiana Steinhaus
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Frau mit klarer Meinung: Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb.

Sie will keine Namen nennen. Sie will Verantwortung übernehmen. In einem „FAZ“-Interview spricht die ehemalige Schiedsrichterin über den DFB und die Initiative „Fußball kann mehr“.

Berlin (dpa) - Bibiana Steinhaus-Webb hat sich enttäuscht gezeigt, dass so wenige Frauen nach ihr den Weg als Schiedsrichterin in die höchsten deutschen Fußball-Ligen gefunden haben.

„Ich war als Bundesliga-Schiedsrichterin eine Exotin – aber nachdem ich aufgehört habe, muss man doch feststellen, dass Frauen nicht so in die Spitze nachrücken, wie auch ich das erwartet und erhofft hatte“, sagte sie in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Druck vom DFB?

Die 42-Jährige berichtete darin auch vom offensichtlichen Versuch von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes, sie mit Blick auf die Initiative „Fußball kann mehr“ von insgesamt neun Frauen unter Druck zu setzen. „Den Hinweis aus dem DFB, mir genau zu überlegen, wofür ich mich einsetze, habe ich gehört“, sagte Steinhaus-Webb in dem Interview: „Und ich habe mich bewusst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen.“

Sie sei überzeugt, dass es nach all diesen Jahren in ihrer Vorbildfunktion auf dem Fußballplatz nun auch in ihrer Verantwortung liege, diese Vorbildfunktion für die kommenden Generationen auch im DFB zu leben.

Auf die Frage, wie sie es erlebt habe, dass der Verband versucht habe, sie mundtot zu machen, antwortete sie: „Ich bin Fußballschiedsrichterin und Polizeibeamtin. Ruhe bewahren. Informationen aufnehmen. Überblick verschaffen. Durchatmen. Einsortieren. Und dann für mich eine Entscheidung treffen.“ Sie nannte keine Namen, nicht alle Dinge müssten auf offener Bühne geklärt werden, betonte sie.

Verantwortung übernehmen

Steinhaus-Webb stieg 2017 als Schiedsrichterin in die Bundesliga auf. Am 30. September vergangenen Jahres verkündete sie noch vor ihrem Anpfiff des Supercup-Finales zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ihr überraschendes Karriereende. Die sechsmalige „Schiedsrichterin des Jahres“ pfiff bei drei Welt- und drei Europameisterschaften. Nach ihr schaffte nur noch Riem Hussein den Sprung als Schiedsrichterin in den Profi-Bereich.

Steinhaus-Webb stellte klar, dass sie nun auch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen beim DFB. „Man kann nicht nur laut rufen und Veränderungen fordern – und dann nicht bereit sein, diesen Prozess mitzugestalten. Kämpfen zu müssen, um die Ziele umzusetzen, schrecke sie nicht ab, betonte sie. „Damit habe ich in den vergangenen Jahren bereits Erfahrungen gesammelt.“

© dpa-infocom, dpa:210528-99-782701/3

Interview hinter Bezahlschranke

Details zu Steinhaus-Webb auf DFB-Homepage

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