Stellt schon mal das Bier kalt

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Marcel Reif nimmt die Topteams der Bundesliga unter die Lupe.

Anpfiff in Hamburg: Nach 46 Tagen Winterpause startet die Bundesliga mit dem Spiel HSV - Bayern endlich in die Rückrunde.

Die Hatz auf Herbstmeister Hoffenheim beginnt. Und wenn‘s nach Premiere-Chefkommentator Marcel Reif geht, der das Spiel heute im Pay-TV überträgt, kann Bayern das Meister-Weißbier schon mal kaltstellen. Er analysiert für die tz die Lage bei den acht Top-Teams der Liga.

HSV - FCB: Der Vergleich Mann gegen Mann

HSV - FCB: Der Vergleich Mann gegen Mann © dpa
Endlich wieder Bundesliga! Am Freitag beginnt mit dem Schlagerspiel zwischen dem HSV und dem FC Bayern die Rückrunde der Bundesliga-Saison 2008/2009. Der Gewinner der Partie wird zumindest bis zum Samstag Tabellenführer bleiben - wenn das keine Voraussetzungen für einen tollen Fight sind... tz-online.de vergleicht Mann gegen Mann und rechnet zusammen. © dpa
Frank Rost (HSV): Lange Jahre hatte der HSV ein Torhüterproblem, doch seit Januar 2007 ist das anders: Damals wechselte Frank Rost vom FC Schalke 04 an die Elbe. Der 35-Jährige ist in Hamburg Leader. absolut unumstritten und verfügt über die satte Erfahrung von 345 Bundesliga-Spielen. © dpa
Michael Rensing (FC Bayern) In seiner ersten Halbserie als Nummer 1 hatte der Bayern-Keeper Höhen und Tiefen. Im Verlauf der Hinrunde steigerte er sich jedoch und zeigte mehrere Glanzleistungen wie etwa in Lyon. Beim 5:1-Pokalsieg beim VfB Stuttgart nahezu beschäftigungslos, was ihm in Hamburg so wohl nicht nochmal passieren wird. In puncto Erfahrung seinem Kontrahenten klar unterlegen. Punkt für den HSV. Zwischenstand: 0:1 gegen Bayern. © dpa
Marcell Jansen (HSV): Im vergangenen Sommer floh er vor der übermächtigen Konkurrenz bei den Bayern in Richtung Hamburg, doch auch dort hat's bisher noch nicht so richtig g'funzt. Jansen kommt nach anfänglichen Verletzungsproblemen zwar auf seine Einsätze, der Durchbruch ist ihm bisher aber noch nicht gelungen. Spielte seine besseren Partien auf der Position im linken Mittelfeld und könnte eventuell auch gegen die Bayern dort zum Einsatz kommen. © dpa
Philipp Lahm (FC Bayern): Einer der besten Außenverteidiger Europas und der Hauptgrund, weshalb sein Pendant auf HSV-Seiten die Bayern verließ. Klarer Punkt für Bayern. Zwischenstand: 1:1. © dpa
Joris Mathijsen (HSV): Der Holländer gehört sicher zu den besten Innenverteidgern der Bundesliga und besticht vor allem durch seine Unaufgeregtheit. Kaum ein Verteidiger erledigt seinen Job so unspektakulär und doch zufriedenstellend wie der 28-Jährige. © dpa
Martin Demichelis (FC Bayern): Was wäre die Bayern-Defensive ohne den Argentinier? Micho hat alles, was einen modernen Verteidiger ausmacht: Kopfball- und Zweikampfstärke, Spielintelligenz, ein gutes Aufbauspiel und taktisches Verständnis. Punkt für Bayern. Zwischenstand: 2:1 für Bayern. © dpa
Bastian Reinhardt: Jedes Jahr aufs Neue werden Bastian Reinhardt neue Kontrahenten in der Innenverteidigung vor die Nase gesetzt - und jedes Jahr beißt sich der 1,94-Meter-Hüne durch und erkämpft sich einen Stammplatz. Ähnlich wie Kollege Mathijsen verübt Reinhardt seinen Job grundsolide und schaltet sich bei Standardsituationen gefährlich in die Offensive ein (zwei Saisontore). © dpa
Lucio (FC Bayern): Der Brasilianer mit dem großen Offensivdrang ist so etwas wie der Dauerbrenner in der Bayern-Innenverteidigung. Wenn er nicht leichtsinnig wird, zählt er nach wie vor zu den besten Innenverteidigern der Liga und hat gegenüber Reinhardt die Nase vorn. 3:1 für Bayern. © dpa
Guy Demel: Ob im Mittelfeld oder auf der Rechtsverteidigerposition: Guy Demel spielt beim HSV fast immer - und fast immer gut. Der Franzose besticht durch seine enorme physische und technische Stärke, wirkt jedoch in der öffentlichen Meinung oft unterbewertet. In der Defensive ist Demel ein "Schrank", einzig seine Offensivqualitäten lassen zu wünschen übrig. © dpa
Christian Lell (FC Bayern): Da Massimo Oddo gesperrt ist und er in Stuttgart seine starke Leistung bot, wird Christian Lell auch gegen den HSV hinten rechts verteidigen. Wie Demel wird auch Lell etwas unterbewertet, dennoch scheint der Hamburger einen Tick stärker: Punkt für den HSV. Zwischenstand: 3:2 für Bayern. © dpa
Collin Benjamin: Der Namibier ist ein Stehauf-Männchen und der dienstälteste HSV-Spieler (seit 2001). Mehrfach durch langwierige Verletzungen ins zweite Glied gerutscht, schaffte Benjamin immer wieder den Sprung zurück. Ursprünglich war seine angestammte Position die rechte Außenbahn, mittlerweile ackert der 30-Jährige am liebsten auf der Sechser-Position. Profitiert auch vom Weggang Nigel de Jongs. © dpa
Zé Roberto (FC Bayern): Der Brasilianer ist wie guter Wein, wird mit dem Alter immer besser. Deswegen bemühen sich die Bayern auch, den Super-Sechser noch länger an sich zu binden. In der Bundesliga ist er derzeit mit seiner Klasse konkurrenzlos. Punkt für Bayern. Zwischenstand: 4:2 für Bayern. © dpa
David Jarolim (HSV): Der Tscheche hat eine bayerische Vergangenheit, kickte er doch einst in der Jugend für den FCB. Mittlerweile ist der HSV-Kapitän zu einem der gefürchtestesten defensiven Mittelfeldspieler der Liga geworden. Zum einen wegen seiner rustikalen Zweikampfführung, zum anderen wegen seiner Eigenschaften, bei Berührungen durch Gegenspieler extrem schnell zu fallen. © dpa
Mark van Bommel (FC Bayern): Bayerns Aggressiv-Leader spielte in Stuttgart 45 Minuten lang mehr als ordentlich, musste dann aber Andi Ottl weichen. Mit dem Kapitän ist aber schon seit langem wieder zu rechnen. Unentschieden. Zwischenstand: 5:3 für Bayern. © dpa
Piotr Trochowski (HSV): "Troche" macht für gewöhnlich gegen seinen Ex-Klub seine besten Spiele. Man erinnere sich nur an das Hinspiel, als der Nationalspieler beim 2:2 einen Treffer erzielte und den anderen vorbereitete. Zeigte schon im Pokal gegen die Löwen eine gute Leistung. © dpa
Franck Ribéry (FC Bayern): Auch wenn der Franzose ab und an "Cirque du soleil" (O-Ton Uli Hoeneß) macht, so kann ihm in der Bundesliga keiner das Wasser reichen. Ein Franck Ribéry toppt sie alle. Klarer Punkt für Bayern. Zwischenstand: 6:3 für Bayern. © dpa
Jonathan Pitroipa (HSV): Er war zu Beginn der Hinrunde der Geheimtipp zum Shootingstar der Saison, doch der Neuzugang des SC Freiburg hatte nach starkem Beginn doch deutliche Anpassungsprobleme mit dem schnellen Bundesliga-Fußball. Der ungemein trickreiche und schnelle "Pit" pendelt weiterhin zwischen Startelf und Reservebank. © dpa
Bastian Schweinsteiger (FC Bayern): Schweini spielte in Stuttgart absolut überragend und scheint punktgenau zum Rückrundenauftakt in Bestform zu sein. Klarer Punkt für Bayern. 7:3 für Bayern. © dpa
José Paulo Guerrero (HSV): Weil Ivica Olic gesperrt ist, darf Guerrero von Beginn an ran. Der Peruaner spielt in dieser Saison nur eine untergeordnete Rolle im HSV-Sturm - an Olic und Petric gibt's kein vorbeikommen. Immerhin, der dritte Ex-Münchner in der HSV-Startelf erzielte im Hinspiel einen Treffer. © dpa
Luca Toni (FC Bayern): Auch beim Pokalspiel in Stuttgart schraubte Luca Toni - zum einen beim Jubel seines Treffers zum zwischenzeitlichen 3:0, zum anderen an einer neuen Rekordmarke: Nach seinem Tor und seiner Vorlage zum 5:0 steht der Italiener bei sensationellen 68 Torbeteiligungen in 66 Pflichtspielen für die Bayern - sensationell. Klarer Punkt für die Bayern. Zwischenstand 8:3 für die Bayern. © dpa
Mladen Petric (HSV): Der Neuzugang von Borussia Dortmund spielte eine überragende Vorrunde (acht Treffer) und ist aus dem HSV-Angriff nicht mehr wegzudenken. Auch in seinem ersten Jahr für den BVB glänzte der Kroate in der Hinunde, baute dann aber in der Rückserie ab. Man darf gespannt sein, wie es dieses Jahr läuft. © dpa
Miroslav Klose (FC Bayern): "Miro" hat sich in der Hinrunde in unnachahmlicher Art aus seinem Tief gearbeitet und erzielt wieder Tore wie am Fließband (sechs). Dennoch knapper Punkt für den HSV. Zwischenstand: 8:4 für Bayern. © dpa
Die Bank (HSV): Viel Routine steht HSV-Trainer Martin Jol auf der Bank nicht zur Verfügung. Nigel de Jong ist weg (für 20 Millionen zu Manchester City), Thimothee Atouba verletzt und Thiago Neves (Bild) hat die Umstellung auf den deutschen Fußball noch nicht geschafft. Bleiben junge Leute wie Jerome Boateng, Änis Ben-Hatira, Tunay Torun oder Neuzugang Marcel Ndjeng. Eine richtig gut besetzte Bank sieht anders aus. © dpa
Die Bank (FC Bayern): Auch wenn Toni Kroos und Lukas Podolski ausfallen: Jürgen Klinsmann hat noch genügend Alternativen. Tim Borowski und Hamit Altintop warten auf ihre Chance, ebenso Neuzugang Landon Donovan, der sich in den Testspielen treffsicher ins Team einfügte. Punkt für Bayern. Endstand: 9:4 für Bayern. © dpa
Schauplatz des Duells ist die HSH Nordbank Arena. Wir erinnern uns: In diesem Stadion wurden die Bayern 2001 unter dramatischen Umständen Deutscher Meister. Wenn das keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückrunde sind... © dpa
Wer zuletzt lacht... Die beiden Trainer Jürgen Klinsmann und Martin Jol. Freuen wir uns, dass es endlich wieder losgeht! © dpa

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1. Hoffenheim:Wenn sich der berühmte Fußball-Gott Ende 2008 eine echte Prüfung für Hoffenheim überlegt hätte – dann wäre es ein Kreuzbandriss bei Ibisevic gewesen. Und genauso kam’s – unfassbar! Ich bin gespannt. Bei Hoffenheim ist es in den vergangenen Jahren immer nur aufwärts gegangen. Jetzt kann‘s nicht mehr nach oben gehen, weil in Deutschland über Platz 1 in der Bundesliga nichts mehr kommt, außer dem Kaiser. Ich habe mir schon beim letzten Hinrundenspiel gegen Schalke manchmal gedacht: Schau an, jetzt ist Hoffenheim auf dem Planeten Erde gelandet. Da waren sie ängstlich, da hat man zum ersten Mal gespürt, dass sie etwas zu verlieren haben. Jetzt ist Ibisevic weg, dafür ist Timo Hildebrand da. Der ist ein exzellenter Torwart – aber die Kollegen wissen, dass er mehr verdient als sie. Das muss ein Team erst einmal verkraften. Trotzdem: Wenn die Konkurrenz nicht plötzlich eine Wunderheilung hinkriegt, reicht das dicke für die ersten drei.

2. Bayern:Mir fällt keine Mannschaft ein, die in der Rückrunde mit den Münchnern mithalten kann. Bayern hat die erste richtige Vorbereitung unter Jürgen Klinsmann hinter sich. Und jetzt zahlt sich aus, dass man mit 20 Trainern und Betreuern trainiert – da kann sich beim Konditionstraining keiner mehr verstecken. Himmel, sind die fit, das ist fast furchterregend! Aber auch der Rest stimmt: Die Spieler haben wieder diesen fast infantilen Spaß am Fußball wie zu Saisonbeginn 2007. Zé Roberto spielt überragend – den muss man zwingen, einen Vertrag mindestens bis zum 42. Lebensjahr zu unterschreiben, notfalls gewaltsam. Altintop macht Schweinsteiger Beine. Donovan ist alles andere als ein schlechter Stürmer. Und das Wichtigste: Das ist jetzt der echte Klinsmann-FCB. Der Trainer hat die Spieler verstanden – und die Spieler haben den Trainer verstanden. Vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Sporting Lissabon muss sich keiner fürchten. Und aufs Viertelfinale mit einem FC Bayern in dieser Verfassung freue ich mich jetzt schon.

3. Berlin:Dort hat Trainer Favre etwas Bemerkenswertes hinbekommen, Respekt! Aber das Ganze wirkt jetzt fast ein wenig arg seriös, bieder und betongrau – da kriegen die Leute in der Hauptstadt ja Hautausschlag. Ein bisserl Glamour möcht’ schon sein. Hertha kann einen internationalen Platz schaffen. Aber Meisterschaftskonkurrent sind sie nie im Leben.

4. HSV:Die sind schon Meister – im Spielerverkaufen. Bei 20 Millionen für Nigel de Jong musst du den natürlich sofort hergeben. Andererseits riskierst du damit, dass du die Champions League verpasst, und damit 20 Millionen weniger verdienst. Dann wird der grandiose Deal zur Milchmädchenrechnung. Der HSV muss sich verstärken, sonst kann er auch eine Bank aufmachen oder sich eine kaufen. Die gibt‘s billig zur Zeit. Wenn die Hamburger nachlegen, können sie Zweiter oder Dritter werden.

5. Leverkusen:Bayer hat Fortschritte gemacht und zeigt nicht mehr diese Beamtenfußball-Mentalität von früher, als man sich nur bei schönem Wetter und Südost-Wind ab und zu angestrengt hat. Die können nächste Saison im Uefa-Cup eine gute Rolle spielen.

6. Dortmund:Jürgen Klopp kriegt die Mannschaft ganz langsam so hin, wie er sie will – aber das dauert noch. Der Uefa-Cup ist trotzdem machbar. Denn der wird diesmal im Frühjahrsschlussverkauf quasi zum Nulltarif verhökert. Wer dreimal nacheinander gewinnt, ist fast schon drin.

7. Schalke:Herrje! Im Pokal in Jena haben sie 4:1 gewonnen – und jetzt hoffen alle, dass das das Ende der Krise ist. Ein Sieg beim großen Carl Zeiss Jena als Signal für den Aufbruch! Was Schalke in den letzten Monaten angestellt hat, ist die pure Lust an der Selbstzerfleischung. Lustvoller kannst du dir nicht ins eigene Knie schießen. Jena – okay, aber da muss noch ein bisschen mehr kommen.8. Bremen: Der FC Hollywood-Nord! Das ist ja wie Flohzirkus dort! Im hochseriösen Bremen gibt es Schlagzeilen wegen illegaler Führerscheine, Trunkenheitsfahrten, Popsängerinnen und Spielern, die Schiedsrichtern angeblich ein beherztes „Fuck you!“ nachrufen. Hoffentlich liest das Otto in Griechenland nicht. So was macht die ganze Mannschaft verrückt. Vom Unterhaltungswert her Champions League, sportlich höchstens Uefa-Cup.

Quelle: tz

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