Stuttgart und Freiburg im Visier

Doping im Fußball: Was Sörgel sagt

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Fritz Sörgel.

München - Stuttgart und Freiburg sind durch die Klümper-Akten ins Visier geraten. Fritz Sörgel hat sich gegenüber der tz zu den Ermittlungen geäußert.

Der Profifußball im Dopingvisier! Die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin, die sich mit der Doping-Vergangenheit an der dortigen Universität und den umstrittenen Professor Armin Klümper beschäftigt, hat Beweise für die Verabreichung von Anabolika bei den Bundesligisten VfB Stuttgart und SC Freiburg gefunden. Zudem soll es flächendeckendes Doping im Radsport gegeben haben. „Erstmals“ sei der „sichere Befund möglich, dass Anabolikadoping auch im Profi-Fußball eine signifikante Rolle spielte“, schrieb jetzt Andreas Singler, Mitglied der Evaluierungskommission. Das gehe aus den gut 60 „Klümper-Akten“ hervor. Das Doping sei „mitunter zentral organisiert und finanziert“ worden.

In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren sei in Stuttgart „im größeren Umfang“ und „wenn auch nur punktuell nachweisbar“ auch in Freiburg Anabolikadoping vorgenommen worden. Die Schlüsselfigur ist Klümper, der damaligen Leiter der Sporttraumatologischen Spezialambulanz, es geht vor allem um das Anabolikum Megagrisevit.

Pikant: Singler veröffentlichte diese Informationen gegen den Willen seiner Kollegen und der Kommissionsvorsitzenden Letizia Paoli. „Die inhaltlichen Aussagen von Herrn Singler waren so im Bericht verfasst, das kann ich bestätigen. Aber es ist absolut inakzeptabel, dass er sich dazu öffentlich äußert. Es war klar abgesprochen, dass es am Ende einen wissenschaftlichen Abschlussbericht gibt. Ich muss mich wundern, wie hier mit Frau Paoli umgegangen wird.“, sagte Kommissionmitglied Fritz Sörgel der tz. Singler hatte in einer plötzlichen Mail an Paoli die Veröffentlichung eine Stunde später angekündigt und seinen Rücktritt angeboten. Was kaum jemand weiß: Singler wird demnächst eine Stelle bei der Uni Freiburg, die darin interessiert ist die Komission aufzulösen, annehmen. Von Seiten der Politik haben Paoli & Co. wenig Unterstützung zu erwarten. Sörgel: „Ich hoffe sehr, dass die Kommission ihre Arbeit fortsetzen kann. Aber ich bin optimistisch, Frau Paoli wurde ja nicht zum ersten Mal schwer angegangen, sie ist hart im Nehmen.“

Die Erkenntnisse werfen einen dunklen Schatten auf beide Vereine, für die in dem genannten Zeitraum auch der heutige Bundestrainer Joachim Löw gespielt hatte. Die Kommission hielt in ihrem Zwischenbericht aber ausdrücklich fest, „dass eine Zuordnung von Medikationen an einzelne, konkret zu benennende Spieler nicht möglich ist“.

Der VfB Stuttgart betonte in einer Pressemitteilung, dass er „an der lückenlosen Aufklärung des Sachverhaltes interessiert“ sei. Der ehemalige VfB-Trainer Hans-Jürgen Sundermann (1976 bis 1979 und 1980 bis 1982) sagte zu den Erkenntnissen: „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen und halte das für völlig ausgeschlossen.“

Immerhin bestätigte Sundermann, dass verletzte VfB-Spieler damals von Klümper behandelt wurden. Sörgel ordnete den Fund gegenüber der tz wie folgt ein: „Es gab immer wieder Hinweise zu Doping im Fußball, zum Beispiel durch diverse Aussagen oder das Buch von Toni Schumacher. Da ging es meist um Captagon. Warum sollte jemand der Captagon schluckt, nicht auch Anabolika nehmen, das zeigt doch alle Erfahrung im Doping- und Drogenbereich.“

Ex-VfB-Spieler Karlheinz Förster hatte unlängst in einer SWR-Dokumentation offenbart: „Wenn’s Spitz auf Knopf ging, da haben wir gesagt: „Mensch Professor, ich muss am Samstag wieder ran.“ Da hat man auch mal was Unvernünftiges gemacht.“

Die neuen Erkenntnisse wurden in einem etwa 60-seitigen Sondergutachten zusammengefasst. Die Evaluierungskommission werde in den nächsten Wochen darüber beraten, ob sie diesen Text als Zwischenbericht gegebenenfalls vor Abschluss sämtlicher Arbeiten veröffentlichen will, hieß es in Singlers Stellungnahme.

Mathias Müller

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