Südafrika "sicherster Ort" - WM-Zweifel bleiben

Johannesburg - Während der Fußball-WM wird “Südafrika der sicherste Ort der Welt sein“, verspricht Polizeiminister Nathi Mthethwa. Polizeichef Bheki Cele schwärmt von den “besten Sicherheitsmaßnahmen der ganzen Welt“.

 Auch Südafrikas berüchtigte Kriminalität werde das Fußballfest nicht schmälern können. Wirklich ernstzunehmende, aktuelle Terrordrohungen gebe es nicht. Das sehen aber nicht alle so. Es gibt laut der “Sunday Times“ den Vorwurf von Experten, Südafrikas Behörden “vermittelten ein falsches Gefühl der Sicherheit“.

Ein verwirrendes Signal sendet das US-Außenministerium: “Es gibt ein erhöhtes Risiko, dass extremistische Gruppen in naher Zukunft Terrorakte in Südafrika verüben“, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Warnung. Es wird aber auch betont, dass die US-Regierung “keine Information über eine besondere, glaubwürdige Drohung“ für einen Anschlag während der WM habe. US-Offizielle wie Botschafter Donald Gips preisen die “phänomenale Vorbereitung“ Südafrikas beim Thema Sicherheit.

Gewaltexzesse in Südafrika

Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © AP
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa
Bei Zusammenstößen mit der Polizei sind in einem Armenviertel von Johannesburg (Südafrika) am Donnerstag mindestens 20 Menschen verletzt worden. © dpa

Niemand bezweifelt, dass die WM, wie alle Großveranstaltungen, ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen. Südafrikas Polizei hatte schon vor Wochen Waffen und Sprengstoff bei rechtsextremen Gruppen gefunden, die Bombenanschläge in Townships vorbereitet hatten. Am Sonntag berichtete die “Sunday Times“ über islamistische Terrordrohungen, auf die Südafrikas Sicherheitsdienste “zu langsam reagieren“. Der Direktor des US-Politikinstituts NEFA, Ronald Sandee, habe in einer Anhörung im US-Kongress vor Anschlägen bei der WM gewarnt. Terroristen, die in Mosambik von somalischen und pakistanischen Extremisten ausgebildet seien, könnten längst in Südafrika eingedrungen sein.

Im diesem Zusammenhang habe es bereits eine Festnahme gegeben, so die “Times“. Zudem läge der Polizei eine Liste von 40 Verdächtigen vor, die als Sicherheitsrisiko gelten. Die Zeitung habe aus “drei verschiedenen Quellen“ die Bestätigung, dass es auch in Südafrika Ausbildungsstätten für Extremisten gebe, die jetzt Anschläge planten. Das Blatt zitierte Sandee, demzufolge es “eine 80-prozentige Chance eines Angriffs“ gebe. Auch der Sicherheitsexperte Frank van Rooyen vom südafrikanischen Institut für internationale Politik sprach von “vielen Anzeichen“ für einen bevorstehenden Anschlag.

Allerdings hatte Al Kaida Berichte über WM-Anschlagspläne dementiert, so eine Erklärung im Namen des “Islamischen Staates im Irak“ vom vergangenen Dienstag. Der Militärsprecher der irakischen Regierung, Kassim Atta, hatte behauptet, der festgenommene Al-Kaida- Terrorist Assam Salih al-Kahtani habe solche Anschläge vorbereitet.

Tipps vom Auswärtigen Amt für Sicherheit der WM-Besucher

Wie sicher wird die Fußball-WM in Südafrika? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Das Land am Kap der guten Hoffnung gilt als Hochburg des Verbrechens. © dpa
Fußballfans, die im Sommer einen Besuch in Südafrika planen, sollten sich vorab über Gefahren informieren - und darüber, wie man sie vermeidet. © dpa
Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) finden sich zahlreiche Reisewarnungen für Südafrika. © dpa
Nachfolgend zeigen wir einige dieser Warnungen: © dpa
Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten. © dpa
Dies schließt auch Straftaten unter Anwendung von körperlicher Gewalt ein. © dpa
Auch wenn der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität in Gegenden und unter Umständen erfolgt, von denen üblicherweise deutsche Urlaubs- oder Geschäftsreisende nicht betroffen sind... © dpa
..., ist es nicht ausgeschlossen, dass deutsche Reisende Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen und Raub und ähnlicher Delikte werden. © dpa
Die großen Städte werden zum Teil von scharfen Gegensätzen geprägt. © dpa
Während bessere Wohngebiete oft großzügig angelegt und gepflegt sind, bestehen die "Townships", in denen nach wie vor der Großteil der nicht-weißen Bevölkerungsgruppen lebt, aus überwiegend einfachen Häusern, Baracken oder slumartigen Hütten. © dpa
Townships sind nicht gleichzusetzen mit Slums, es gibt auch in Townships Wohngegenden der Mittelklasse bis hin zu Millionärsvillen. © dpa
Vor allem die Townships, aber auch die Innenstädte der großen Städte wie Johannesburg, Pretoria, Kapstadt und Durban (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.), leiden unter der hohen Kriminalität im Land. © dpa
Gerade Touristen sind ein beliebtes Opfer von Räubern, die meist vor Gewalt nicht zurückschrecken. © dpa
Man sollte im Falle eines Überfalls daher unbedingt auf Gegenwehr verzichten! © dpa
Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.) und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss gemieden werden. © dpa
An Sonn- und Feiertagen sollte man nur in Gruppen in die Innenstädte gehen. Ebenso wird tagsüber zu erhöhter Vorsicht geraten. © dpa
Bei Besuchen in Townships ist erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht angeraten. © dpa
Sowohl Stadtbesichtigungen als auch Township-Besuche sollten in organisierter Form und nur mit ortskundiger Führung stattfinden. © dpa
Bei Ausflügen in öffentlich zugängliche Naturflächen und Nationalparks ( z. B. am Tafelberg in Kapstadt) und zu bekannten Sehenswürdigkeiten Südafrikas ( z.B. Rhodes Memorial, Kapstadt ) sollte man keine einsam gelegenen Wanderwege benutzen und unbelebte Gegenden meiden. © dpa
Für Einzelreisende empfiehlt es sich, generell Anschluss bei den meist vor Ort vorhandenen größeren Reisegruppen zu suchen. © dpa
Abgeraten wird vom Benutzen der Vorortzüge in Johannesburg, Pretoria, Durban und z.T. in Kapstadt. © dpa
Falls die Züge gleichwohl genutzt werden, empfiehlt es sich, in der 1. Klasse und nur zu Hauptverkehrszeiten am Tage zu reisen. © dpa
Taxis sollte man möglichst bei zuverlässigen, bekannten Unternehmen reservieren. In der Regel sind bei der Reservierung Hotels und Gasthäuser behilflich. © dpa
Rucksacktouristen sollten auf sichere Unterkünfte und sicheren Transport achten. Einschlägige Reiseführer geben Empfehlungen für Backpacker Hostels ab; trotzdem ist Vorsicht geboten. © dpa
Von Fahrten per Anhalter und mit sog. Minibus-Taxis wird dringend abgeraten. © dpa
Von Fremden angebotene Getränke in Bars oder Restaurants sollte man nicht annehmen. Fälle, in denen „K.O.-Tropfen“ beigemischt werden, werden auch in Südafrika berichtet. © dpa
Wegen der Gefahr von Fahrzeugentführungen (das so genannte „car-jackiing“) und so genannter „smash-and-grab“-Überfälle sollten die Autofenster immer geschlossen und die Türen stets von innen verriegelt sein. © dpa
Handtaschen, Photoapparate usw. sollten nicht sichtbar im Auto liegen. Bei Wartezeiten an großen Kreuzungen in den größeren Städten sollte man aufmerksam sein und seine Umgebung beobachten. © dpa
Es empfiehlt sich, beim Anhalten hinreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen zu halten, um ggf. wegfahren zu können. © dpa
Angesichts des schlechten Zustands vieler Nebenstraßen im ganzen Land, besonders in zentralen ländlichen Teilen der Provinz Kwazulu-Natal und durch die sog. Transkei in der Provinz Eastern Cape... © dpa
...wird empfohlen, möglichst Hauptverkehrsstraßen zu nutzen. © dpa
Dort wie in den übrigen Landesteilen sollten Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr unternommen werden... © dpa
...da Autopannen, schlechte Straßen mit Schlaglöchern, nicht hinreichend ausgeschilderte und gesicherte Baustellen sowie Tiere auf der Fahrbahn nach Einbruch der Dunkelheit ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. © dpa
Es wird davon abgeraten, an Aussichtspunkten oder Rastplätzen Halt zu machen, wenn dort keine anderen Touristen in Sichtweite sind. © dpa
An Geldautomaten ist erhöhte Vorsicht geboten. Neben einfachem Raub und Trickdiebstahl nehmen Manipulationen der Geldautomaten und Missbrauch der Kartendaten zu. © dpa
Es wird empfohlen, Kreditkarten bei anstehenden Zahlungen nicht aus dem Auge zu verlieren. © dpa
In vielen Restaurants ist es üblich, portable Kreditkarten-Lesegeräte zu nutzen. Gibt es das nicht, so sollte die Kreditkarte zum Zahlungssystem begleitet werden. © dpa
Auch wenn Einheimische auf dem Land mitunter ungeschoren Marihuana (hier „Dagga“ genannt) konsumieren, führt dies bei Ausländern meist zu Strafverfolgung. © dpa
Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, für die Dauer des Aufenthaltes ein Mobiltelefon mitzuführen. © dpa
Deutsche Mobiltelefone mit Roaming-Funktion können landesweit verwendet werden. © dpa

Das Nationale Einsatzzentrum hat auf einem Militärgelände bei Pretoria seine Arbeit aufgenommen. Es koordiniert alle Sicherheitsfragen während der WM. Unterstützt wird Südafrikas Polizei von Kollegen aus 27 Staaten - auch vom Bundeskriminalamt sind Experten gekommen. Die USA und England haben “größere Kontingente“ Beamte nach Südafrika geschickt.

Gut vorbereitet fühlt sich die Polizei auf die Gefahren der Kriminalität, die täglich im Schnitt 50 Mordopfer fordert. Im Kampf gegen Verbrecher wurde mächtig aufgerüstet. 46 000 Polizisten sollen das Fußballspektakel schützen. 300 Überwachungskameras wurden aufgestellt. Die Polizeipräsenz rund um die Stadien, Fanmeilen und Innenstädte wird enorm sein. Vor einem Besuch der Townships allerdings werden die erwarteten 350 000 WM-Touristen gewarnt.

Südafrikas Polizei scheint derzeit vor allem die Probleme bei einem möglichen Besuch von US-Präsident Barack Obama zu fürchten. Sollte Obama kommen, wäre der Sicherheitsaufwand für ihn so groß wie für die bisher angekündigten 43 Staats- und Regierungschefs zusammen, meinte Cele. “Wir beten, dass die Amerikaner die zweite Runde nicht schaffen“, sagte er vor einem Parlamentsausschuss - um dann lachend zu versichern, dass “Obama natürlich hoch willkommen ist“.

dpa

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