Es geht um 3,5 Milliarden Euro

„Das sind Hochstapler!“ Kritik an der Super League wird immer größer - FC Bayern und BVB reagieren

Bosse der Bundesliga-Schwergewichte: Hans-Joachim Watzke (li.) von Borussia Dortmund und Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern.
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Bosse der Bundesliga-Schwergewichte: Hans-Joachim Watzke (li.) von Borussia Dortmund und Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern.

Eine Super League mit Klubs wie Real Madrid und dem FC Liverpool stößt international auf große Kritik. Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind dagegen - laut BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

Update vom 20. April 2021, 06.38 Uhr: Die Kritik an der neu gegründeten Super League nimmt nicht ab. James Milner vom FC Liverpool hat eine klare Haltung zur Super League, auch wenn sein Verein zu den Gründungsmitgliedern gehört. „Ich kann nur meine persönliche Meinung sagen, und ich mag es kein bisschen und hoffe, dass es nicht passiert.“

„Es hat lange gut funktioniert. Was es besonders gemacht hat, was wir in den letzten Jahren getan haben, ist, dass wir uns das Recht verdient haben, die Champions League zu gewinnen und das Recht, die Premier League zu gewinnen“, führte Milner aus: „Das Produkt, das wir derzeit haben, ist sehr gut.“

Die massiven Super-League-Proteste rund um die Begegnung in Leeds seien für die Liverpool-Profis nicht einfach gewesen. „Als Spieler haben wir nicht wirklich ein Mitspracherecht, also fühlt es sich ein bisschen ungerecht an.“ Sein Trainer Jürgen Klopp hat jedoch einen Rücktritt als Reaktion dementiert, will mit seiner Mannschaft aber auch nicht in einen Topf mit den Besitzern geworfen werden: „Das Team hat nichts damit zu tun. Und ich habe auch nicht wirklich was damit zu tun. Aber Leute behandeln uns so. Leeds-Fans haben uns in der Stadt angeschrien, als wir in der Stadt einen Spaziergang gemacht haben am Nachmittag. Unsere Eigentümer haben die Entscheidung getroffen, das ist ein Teil des Clubs, aber der ganze Club ist größer als wir alle.“

Kritik kommt auch von höchster Stelle: Prinz William, Präsident der englischen Fußballverbandes FA, zeigte sich ebenfalls tief besorgt über die Abspaltung einer Super League. „Jetzt müssen wir mehr denn je die gesamte Fußballgemeinschaft - von der obersten Ebene bis zur Basis - und die Werte von Wettbewerb und Fairness in ihrem Kern schützen“, schrieb er in einem Twitter-Statement.

Er teile „die Sorgen der Fans über die geplante Super League und den Schaden, den sie dem Spiel, das wir lieben, zufügen könnte.“

„Das sind Hochstapler!“ Heftige Kritik an der Super League - FC Bayern und BVB reagieren

Erstmeldung vom 19. April 2021:

München/London - Es ist der nächste große Knall im europäischen Fußball. Zwölf Klubs haben am Montag (19. April) eigenwillig die Gründung einer Super League bekannt gegeben - außerhalb des Europäischen Fußballverbands Uefa. Unter anderem sind der FC Liverpool mit Coach Jürgen Klopp und die Spanien-Riesen Real Madrid und FC Barcelona darunter.

Die Kritik ist schon am ersten Tag der Bekanntgabe gewaltig. Die Uefa sprach in einer ersten Reaktion von einem „zynischen Projekt“. Eines, das Borussia Dortmund und der FC Bayern München ablehnen. Das erklärte zumindest BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in einer Stellungnahme seines Klubs.

Video: Fuball-Hammer - Super-League offiziell beschlossen

Super League: Borussia Dortmund und wohl auch der FC Bayern lehnen neues Format ab

Er verwies auf Gespräche der European Club Association (ECA). Demnach sei die Absprache, dass „die Klubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt“, erklärte Watzke: „Beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, haben in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten.“

Gründer Super League:Land:
FC LiverpoolEngland
Manchester UnitedEngland
Manchester CityEngland
Tottenham HotspurEngland
FC ArsenalEngland
FC ChelseaEngland
Real MadridSpanien
Atlético MadridSpanien
FC BarcelonaSpanien
Juventus TurinItalien
Inter MailandItalien
AC MailandItalien

Am Montagnachmittag äußerte sich auch (Noch-)FCB-Trainer Hansi Flick zu der Thematik. Er sagte auf der Spieltags-Pressekonferenz an der Säbener Straße in München: „Ich stehe voll hinter der Aussage des Vereins und von Borussia Dortmund: Das wäre nicht gut für den europäischen Fußball.“ Dass es bei der Super League insbesondere um ertragreiche Vermarktung geht, darauf lässt ein Statement des Geldgebers schließen.

Super League: FC Liverpool, Manchester United, Real Madrid und FC Barcelona sind dabei

Die US-amerikanische Investmentbank J.P.Morgan mit Sitz in New York wird die Liga in Europa finanzieren und laut Gründungserklärung „einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro“ bereitstellen - vorerst. Das Projekt und die exorbitanten Zahlen dazu versetzten derweil eine englische Fußball-Ikone in Rage.

„Es ist eine absolute Schande. Wir müssen uns in diesem Land die Macht von den Klubs an der Spitze der Liga zurück erkämpfen. Und das beinhaltet meinen Klub. Den Klub, den ich liebe und mein ganzes Leben lang unterstützt habe“, sagte Gary Neville, Legende von Manchester United (1992 - 2011), bei Sky Sports. Er verwies darauf, dass Klubs wie ManUnited und der FC Liverpool auf anderen Werten aufgebaut worden seien.

Super League: Englische Fußball-Ikone Gary Neville attackiert Manchester United und FC Liverpool

„Es ist die pure Gier, das sind Hochstapler“, meinte Neville mit Blick auf die Klubbesitzer harsch, die seiner Meinung nach die Fans verraten. Neville forderte: „Zieht ihnen alle Punkte ab, setzt sie ans Ende der Liga und nehmt ihnen ihr Geld weg. Ernsthaft, man muss das mit Gewalt verhindern. Es ist ein krimineller Akt gegen die Fans. Bestraft sie!“ Auch den Zeitpunkt der Bekanntgabe, inmitten der Coronavirus-Pandemie, kann Neville überhaupt nicht verstehen.

„In welcher Welt leben diese Leute eigentlich, wenn sie denken, sie können dies zu diesem Zeitpunkt durchziehen?“, fragte er und meinte weiter: „Haben sie denn das gottgegebene Recht, dabei zu sein? Ganz ehrlich, die Zeit ist jetzt reif für einen unabhängigen Regulator, um den Klubs ihre Machtbasis zu entziehen. Genug ist genug!“ (pm)

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