tz erklärt Reaktionen, Folgen und Bayerns Haltung

Super-League-Pläne: 5 Fragen nach dem Fußball-Beben - wechselt Liverpool-Trainer Klopp jetzt zu den Bayern?

European Super League (ESL) - Die Fußball-Welt steht nach der Gründung der ESL weiter Kopf! Welche Folgen drohen nun? Was sagt der FC Bayern? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

München - Die Fußball-Welt steht weiter Kopf! Nachdem am Montag zwölf Topklubs die Gründung einer European Super League (ESL) in Konkurrenz zur Champions League bekannt gegeben hatten, erhebt sich vielerorts massiver Widerstand gegen die Pläne der Vereine, zu denen u. a. Real Madrid, Manchester United und der FC Liverpool gehören. Die Superreichen verteidigen ihre Pläne bisher.

1. Was sagen die Gegner der ESL?

Besonders krass waren die Reaktionen bislang in England, dem Mutterland des Fußballs. Die zwölf Gründungsmitglieder der ESL wurden das „dreckige Dutzend“ genannt, Fans und Ex-Spieler gingen auf die Barrikaden. Liverpooler Anhänger beerdigten ihren Klub auf Protestplakaten bereits und verbrannten Trikots. Der englische Premier Boris Johnson kündigte an, dem „lächerlichen“ Projekt die Rote Karte zeigen zu wollen. Ex-Profi Alan Shearer forderte die Premier League auf, mit „Handgranaten“ auf die Super-League-Pläne zu reagieren. UEFA*-Präsident Aleksander Ceferin meinte: „Selbstsüchtigkeit ersetzt Solidarität. Geld ist wichtiger als Erfolg. Dividende ist wichtiger als Leidenschaft.“ Und auch DFB-Oberhaupt Fritz Keller fordert ein hartes Durchgreifen gegen die „Superrücksichtslosen“.

Real-Präsident Florentino Perez will die Super League.

2. Wie reagieren die Gründer der ESL?

Noch geben sich die Vertreter der zwölf Topklubs öffentlich ganz cool. Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und 1. Vorsitzender der neuen Super League, erklärte beim spanischen TV-Sender El Chiringuito: „Alles, was ich tue, ist zum Wohl des Fußballs. Jetzt machen wir dies, um den Fußball zu retten, der sich in einer kritischen Situation befindet.“ Für Perez ist es keine Option, dass die großen Vereine Europas warten, bis die Reform der Champions League in drei Jahren greift. „2024 sind wir alle tot“, verkündete er und bezeichnete die Situation des Fußballs als „sehr dramatisch“.

„Fußball ist für die Fans“ – Die Leeds-Profis sendeten mit den Aufwärmshirts vor dem Spiel gegen Liverpool eine klare Botschaft.

3. Wie verhält sich der FC Bayern?

Karl-Heinz Rummenigge zeigt klare Kante gegen die Super League. Ließ der Vorstandschef am frühen Montagabend in einer Pressemitteilung des Klubs gefühlt noch ein Hintertürchen offen, wurde er im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Serra deutlicher. „Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sein wollen“, meinte Rummenigge. Sein Klub sei zufrieden, „die Champions League zu erreichen“ und „wir vergessen nicht die Verantwortung gegenüber unseren Fans, die grundsätzlich gegen eine solche Reform sind“. Der Münchner Vorstandschef hofft da­rauf, gemeinsam mit den Super-League-Klubs eine Lösung zu finden. Es sei „die Zeit für einen weniger arroganten Fußball gekommen“. Rummenigge wurde am Dienstag zudem – wie erwartet – für drei Jahre ins UEFA-Exekutivkomitee berufen. Dort wird er sich als Vertreter der europäischen Klubvereinigung ECA gemeinsam mit PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi zunächst vor allem im Kampf gegen die Super League engagieren. Rummenigge folgt auf Juve-Boss Andrea Agnelli, dessen Klub Teil der Super League ist.

4. Was sagen die Betroffenen?

Jürgen Klopp und der FC Liverpool hatten die zweifelhafte Ehre, am Montagabend spielen und sich den Nachfragen zur Super League stellen zu müssen. Die Profis von Gegner Leeds trugen beim Aufwärmen Shirts mit den Slogans „Fußball ist für die Fans“ und „Champions League – verdient es euch“. Beim Spaziergang durch Leeds vor dem Spiel wurden Klopp und Spieler von aufgebrachten Fans attackiert. Der Coach lehnt die Super League ab und betonte, nicht eingeweiht gewesen zu sein. Die Reaktionen, die ihm entgegenschlugen, empfand er als übertrieben: „Das haben wir nicht verdient.“ Ein Rücktritt ist für Klopp auch nach Bekanntwerden der Super-League-Pläne keine Option. Er werde Liverpool so lange trainieren, „wie man es mich machen lässt“. Zu einem möglichen Wechsel Klopps nach München sagte Rummenigge: „Erst gewinnen wir die Meisterschaft und dann entscheiden wir, was wir machen.“ Neben Klopp äußerte sich Liverpools James Milner als erster Spieler eines Gründungsklubs: „Ich mag es kein bisschen.“ Am Dienstag dann stellte sich Trainer Pep Guardiola gegen die Besitzer seines Klubs Manchester City. Es habe für ihn nichts mit Sport zu tun, „wenn der Erfolg garantiert ist und es egal ist, wenn du verlierst“.

European Super League

5. Welche Folgen drohen jetzt?

Die UEFA prüft, ob sie die Champions-League-Halbfinalisten Manchester City, Real Madrid und FC Chelsea sowie die Europa-League-Halbfinalisten FC Arsenal und Manchester United vom laufenden Wettbewerb ausschließen kann. Darüber soll das ­Exekutivkomitee samt Rummenigge am Freitag beraten. Anne Jakob, Fachanwältin für Sportrecht, glaubt, dass ein Rauswurf wegen der Verletzung des Kartell- und Wettbewerbsrecht von europäischen Gerichten für unwirksam erklärt würde. Auch der Ausschluss aus nationalen Ligen sei laut Jakob unzulässig, weil die UEFA damit ihre Monopolstellung ausnutzen würde. UEFA-Boss Ceferin hofft ohnehin noch auf ein Einlenken der zwölf Klubs: „Es ist nicht zu spät, die Meinung zu ändern, jeder macht Fehler.“ (jau) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Clive Brunskill/afp

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