59. Bundesliga-Saison

Superstürmer und Trainer-Roulette: Alle fordern die Bayern

Lewandowskis Rekord, leere Ränge und eine schier endlose Titelserie: Die vergangene Bundesliga-Spielzeit brachte Gewöhnliches und Neues. In der neuen Saison versuchen es quasi alle Topteams mit neuen Trainern.

Frankfurt/Main - Nächster Alleingang von Serienmeister FC Bayern oder endlich Spannung dank Borussia Dortmund und RB Leipzig? In die 59. Saison der Fußball-Bundesliga, die von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt sein wird, gehen die Dauersieger aus München wieder als klarer Topfavorit.

Sie könnten nach dem fünften Stern auf dem Trikot nun auch den zehnten Ligatitel in Serie holen. „Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr die erste Meisterfeier für mich auf dem Münchner Rathausbalkon gibt“, sagte Trainer Julian Nagelsmann vor dem mit Spannung erwarteten Start in Gladbach am Freitagabend (20.30 Uhr/Sat.1 und DAZN).

Die Bayern sind wieder einmal Favorit

Der 34-Jährige hatte sich bereits in Leipzig „etwas Blechernes“ zum Ziel gesetzt und will diesen bisher unerfüllten Wunsch nun in seiner bayerischen Heimat unbedingt nachholen. „Mir ist bewusst, dass man hier Titel gewinnen muss“, sagte Nagelsmann, dessen Kader um 41-Tore-Bomber Robert Lewandowski selbst ohne die abgewanderten David Alaba und Jérôme Boateng der mit Abstand beste der Liga ist. Eine durchwachsene Vorbereitung und die späte Rückkehr der EM-Fahrer trübten die Wochen vor dem Auftakt zwar, doch am unangefochtenen Status der Bayern ändert das nichts.

Der BVB mit Marco Rose und RB mit Jesse Marsch setzen als Verfolger ebenfalls auf neue Trainer. Beide wären froh, wenn es im Mai 2022 nicht wieder nur um das Fernduell um Platz zwei, sondern endlich auch mal wieder um die Schale gehen könnte. „Die Bayern haben die größten Möglichkeiten und sind der Favorit. Alle anderen Teams, auch wir mit RB Leipzig, sind gefordert, sie wieder anzugreifen“, sagte Marsch. Die größte Baustelle haben die Sachsen behoben: Fehlte in der vergangenen Saison ein verlässlicher Torgarant, ist dieser mit André Silva (28 Saisontore für Frankfurt) nun verpflichtet.

Beim BVB ist Turbostürmer Erling Haaland, der 60 Treffer in den ersten 60 Pflichtspielen schoss, geblieben und soll die Attacke der von Marco Reus und Mats Hummels angeführten Truppe befeuern. Der erst 21 Jahre junge Norweger hat mit Tempo und Durchsetzungskraft sowie seinem famosen Abschluss mit links so für sich geworben, dass ihn selbst die Bayern aufmerksam beobachten. „Das ist ein Topspieler, den die ganze Welt will - wahrscheinlich“, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic bei Sport1 über Haaland.

Neben den Titelanwärtern haben auch Wolfsburg, Gladbach, Frankfurt und Leverkusen die Trainer gewechselt, ein solches Roulette in der Ligaspitze gab es zwischen zwei Spielzeiten noch nie. Spannend wird auch, wer sich im Kampf um den Klassenerhalt behauptet. Die beiden Aufsteiger Bochum und Fürth gelten genauso als klare Außenseiter wie Bielefeld. Clubs wie Freiburg, Mainz und Augsburg haben sich im Oberhaus festgespielt, während der Hamburger SV schon längst und auch Bremen sowie Schalke seit dieser Saison kein Teil der Bundesliga mehr sind und sich in der 2. Liga abmühen müssen.

Für Zuschauer gilt zunächst die 3G-Regel

Neu ist nicht nur die Besetzung vieler Trainerbänke, sondern auch die Belegung der Zuschauerränge. Anders als in den vergangenen Monaten, als wegen der Corona-Pandemie durchweg vor leeren Ränge gespielt wurde, sollen wieder Zehntausende Fans in die Stadien strömen dürfen. Zunächst sind 50 Prozent der Stadionkapazität sowie maximal 25.000 Menschen das Maximum. Eintracht Frankfurt, das jüngst schon gegen eine Einschränkung des Sozialministeriums vor Gericht ziehen wollte, will diese Obergrenze gleich am ersten Spieltag ausschöpfen.

Doch auch die vergangene Saison begann bei günstiger Pandemielage mit Fans, die bei dann steigenden Inzidenzen im Herbst schnell wieder verbannt wurden. Dieses Mal ist die Sachlage allerdings anders: Über die Hälfte der Menschen in Deutschland sind doppelt geimpft, statt erneuter Geisterspiele dürften diesmal Debatten drohen, wer mit welchem Nachweis noch ins Stadion darf.

Zunächst gilt grundsätzlich die 3G-Regel, wonach Geimpfte, Genesene und negativ Getestete Zutritt zu den Arenen bekommen. Der 1. FC Köln hat diese Regel bereits modifiziert und will ab Ende August nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen - auch, um die Impfmotivation in der Gesellschaft zu steigern. Andere Bundesliga-Clubs lehnen dies bislang ab, teils mit vehementen Worten. Hoffenheims Geschäftsführer Jan Mayer sieht in solchen Überlegungen eine „Impfpflicht durch die Hintertür“.

Wie viele Fans vor Ort reindürfen, müssen die Vereine weiter mit den örtlichen Gesundheitsbehörden vereinbaren. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hat dafür in der Sommerpause schon einen Vorschlag gemacht. „Warum soll ein Stadion nicht ausverkauft sein nur mit Geimpften? Wo ist das Problem? Was ist eigentlich, wenn die ersten Geimpften klagen, warum sie nicht ins Stadion dürfen?“, fragte Watzke. Darüber mache sich keiner Gedanken.

Corona-Sorgen in Mainz

Was abseits der Ränge auf dem Rasen durch die Pandemie weiter droht, darauf lieferte Mainz 05 am Mittwoch einen ersten Vorgeschmack. Insgesamt vier Personen (drei Spieler und ein Co-Trainer) wurden positiv auf Covid-19 getestet, darunter auch zwei vollständig Geimpfte. Das örtliche Gesundheitsamt schickte daraufhin zehn weitere Personen in die häusliche Isolation, in der sich nun vorerst 14 Mitglieder des Vereins befinden. Was aus dem Liga-Auftakt gegen Leipzig am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) wird, blieb zunächst offen dpa

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