So funktioniert die Geldmaschine

Das System Blatter: So mächtig ist die FIFA

München/Zürich - Sepp Blatter hat die FIFA zur Gelddruckmaschine gemacht. Am Donnerstag veröffentlichte der Verband seine Bilanz der letzten vier Jahre. Die tz hat einen Blick in das Dokument geworfen und erklärt, warum die FIFA so mächtig ist.

Wer das System FIFA verstehen will, der muss sich nur in Zürich umhören. Auf die Frage, warum weite Kreise der Fußball-Familie treu zu Sepp Blatter stünden, sagte ein FIFA-Funktionär aus Curacao/Karibik: „Wenn der Chef es sagt, dann ist es so richtig.“ Und wenn der weltweit hofierte und von vielen Jasagern umgebene Blatter findet, dass er der richtige Mann an der Spitze ist, dann ist das eben so.

Blickt man ohne europäische Brille hinter die Kulisse der schillernde Fassade des Machtzentrums in Zürich, offenbart sich ein weltweit geknüpftes Netz von Beziehungen und Abhängigkeiten. Denn die kleineren Verbände sind auf FIFA-Mittel angewiesen. Und ob die für den Bau von Fußballplätzen oder einer Jugendakademie ausgegeben werden, wer kontrolliert das schon? Beim Kongress hat jeder der 209 Mitgliedsverbände je eine Stimme: Afrika 54, Europa 53, Asien 46, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien 11, Südamerika 10. Und Blatter gibt jedem das Gefühl, vom großen Kuchen mitessen zu können.

Wie stabil das System FIFA bisher war, wurde dann klar, wenn Revolten gegen Blatter geplant wurden oder Skandale publik wurden. Blatter drückte das einmal so aus: „Es gibt jene, die erzählen, die FIFA sei nur ein Haufen von Verschwörern und Betrügern, der niemandem Rechenschaft schuldig ist und so mächtig ist, dass niemand widerstehen kann.“

FIFA-Präsident Sepp Blatter.

1975 kam er als Chef der Entwicklungsprogramme zum Weltverband, schon 1981 wurde er Generalsekretär. 17 Jahre später erklomm er gegen Lennart Johansson, Kandidat der mächtigen europäischen Verbände, den FIFA-Thron. Damals munkelte man, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Auch beim Skandal um den früheren Marketingriesen ISL und sein Bestechungsnetzwerk kam vor zwei Jahren heraus: Blatter hatte zwar Kenntnis über Zahlungen, konnte aber nicht belangt werden. „Blatter wurde schon ‚der dunkle Prinz des Fußball, der Godfather, Don Blatterone‘ genannt, aber er ist auch ein teflonbeschichteter Präsident“, so die Washington Post.

Der Ex-FIFA-Integritätsberater Mark Pieth verglich die nur auf dem Papier demokratie-ähnliche Struktur der FIFA mal mit dem, was man in der Schweiz als „Hühnerlizüchterverein“ kennt. Es habe sich ein „Patronage-Netzwerk“ entwickelt, in dem „die Leute, die für sie stimmen sollen, unverhältnismäßig viel Geld bekommen. Diese Struktur ist nur ganz schwer zu durchbrechen“.

Beziehungen und Abhängigkeiten

Sepp Blatter hat die FIFA zur Gelddruckmaschine gemacht. Am Donnerstag veröffentlichte der Verband seine Bilanz der letzten vier Jahre. Die tz hat einen Blick in das Dokument geworfen und erklärt, warum die FIFA so mächtig ist.

Die FIFA als Verein: Trotz Milliardenumsatz gilt die FIFA nach Schweizer Recht als Verein – also als gemeinnützige nicht profitorientierte Organisation. Der Vorteil: Die FIFA muss lediglich vier Prozent Steuern zahlen. Der Nachteil: Der Verband darf sich laut eigenem Statut keinen wirtschaftlichen Aufgaben widmen. Gewinne und Reserven müssen in den Fußball investiert werden.

Die Einnahmen: Die FIFA schwimmt im Geld. Im Zeitraum von 2011 bis 2014 hat der Verband 5,7 Milliarden Dollar eingenommen – ein Rekord und eine Steigerung um 32 Prozent. Der größte Batzen wird durch die Weltmeisterschaften in die Kassen gespült. Allein mit der WM 2014 in Brasilien hat die FIFA 4,8 Milliarden US-Dollar eingenommen.

Die Ausgaben: 5,38 Milliarden Dollar hat der Verband zwischen 2011 und 2014 ausgegeben. Den Löwenanteil machen die verschiedenen Wettbewerbe – unter ihnen die Herren-WM – mit 2,82 Milliarden Dollar aus. Allerdings fließen auch 20 Prozent der Ausgaben in Entwicklungsprogramme. Rund 1,1 Milliarden Dollar gehen so an die finanziell schwach ausgestatteten Verbände gerade in Afrika und Asien. Damit verbessert sich die Situation der Spieler vor Ort, gleichzeitig erhöht sich aber auch die Dankbarkeit für FIFA-Boss Blatter bei den Verbänden.

Die WM-Bilanz: Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der FIFA. Am meisten Geld bringt der Verkauf der Fernsehrechte für insgesamt 2,328 Milliarden Euro. Von Seiten der TV-Anstalten droht der FIFA kein Ungemach, denn kaum ein Sender würde aus ethischen Gründen auf die prestigeträchtige Übertragung der WM verzichten – die Konkurrenz stünde sofort bereit. Ganz ähnlich ist die Situation bei den Sponsoren. Von ihnen hat die FIFA 1,6 Milliarden Euro für die Marketingrechte kassiert. Zwar üben die Sponsoren derzeit heftige Kritik an der FIFA, dennoch ist ein Rückzug schwer vorstellbar. Die Firmen sind während der WM exklusiv im und ums Stadion – und damit auch auf den Fernsehschirmen weltweit – vertreten. Und auch da wartet die Konkurrenz nur auf einen Rückzieher. Mittlerweile hat die FIFA ihr Geschäftsmodell optimiert: die jeweiligen Gastgeberländer einer WM übernehmen alle Kosten und müssen der FIFA für ihre Geschäfte rings um die WM Steuerfreiheit garantieren. Trotzdem kostet eine WM auch für die FIFA Geld. Für die vergangene WM hat die FIFA 2,22 Milliarden US-Dollar ausgegeben, am meisten davon als Beiträge an das lokale Organisationskomitee und Gelder für die TV-Produktion. Gleich darauf folgen die Preisgelder für die teilnehmenden Nationen, die sich auf 358 Euro summieren – hier bekommt der DFB als Weltmeister mit 35 Millionen den größten Anteil.

Die Reserven: Geld, das dennoch übrig bleibt, legt die FIFA auf die hohe Kante. Diese Reserven sind unter Blatter kontinuierlich gestiegen. Noch 2003 hatte der Verband lediglich 76 Millionen Dollar auf dem Konto, heute sind es ganze 1,5 Milliarden Dollar. Die Reserven sollen das Weiterbestehen der FIFA garantieren, falls eine Weltmeisterschaft einmal nicht stattfinden kann.

Mk/BB

Rubriklistenbild: © dpa

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