Fußball-WM

Team USA bei der WM: Die nächsten Statements

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Alex Morgan: Freude aufs dritte Finale.

Der Kraftakt des Teams USA im WM-Halbfinale gegen England ohne Megan Rapinoe gerät zum perfekten Konter auf die Kritik von Hope Solo.

Natürlich konnte Jill Ellis nicht mitbekommen, dass die Regie im Stade de Lyon für die Halbzeitpause des flirrenden WM-Halbfinals England gegen die USA (1:2) mal eben die Beleuchtung abschaltete, um das Motto dieses Frauen-Turniers auf den Rasen zu projizieren: „Dare to shine“. Zeit zu glänzen. Als die in Folkestone am Ärmelkanal geborene US-Trainerin später im vollbesetzten Pressesaal über das dritte Erreichen eines WM-Endspiels hintereinander sprach, erzählte die 52-Jährige, wie sie den Slogan umgewandelt habe: „Ich sagte zu meinem Team: ‚Wir werden am hellsten strahlen‘.“

Ellis ist keine, die ständig mit Superlativen um sich wirft. Doch diesmal lächelte auch die 2010 als Entwicklungsdirektorin der United States Soccer Federation (USSF) eingestellte Fußballlehrerin ungewohnt oft. In ihren Ausführungen schwang viel Stolz mit, weil man den schwierigsten Weg zu einem Finale meistern musste, „den eine Mannschaft jemals zurückgelegt hat, und das schreibe ich unser mentalen Stärke zu.“ Die Druckresistenz ist den US-Akteuren vielleicht in die Wiege gelegt, möglicherweise am College gelehrt worden, aber erst im Umfeld des Nationalteams wird jenes Siegergen herausgebildet, das der englische Teammanager Phil Neville hernach auch für England als erstrebenswert erachtete.

Beide Teams begeistern

Die Mentalität erscheint als logische Folge eines gnadenlosen Ausleseprozesses. In den USA sind sage und schreibe 9,5 Millionen Frauen und Mädchen registriert, die organisiert Fußball spielen. Weltweit sind es nach neuesten FIFA-Angaben 13,3 Millionen, in Europa davon, das hat die Uefa gerade mitgeteilt, vergleichsweise bescheidende 1,3 Millionen weibliche Aktive. Allein diese Dimensionen erklären die amerikanische Vormachtstellung: Schon in die Topteams der amerikanischen Profiliga in Portland, Washington, Chicago oder Orlando schafft es nur, wer die Ellbogen ausfährt. Ohne ihre Fighter-Mentalität - und das nötige Spielglück mit dem nach Videoeinsatz aberkannten Ausgleichstor von Ellen White (67.) - hätte der Rekordweltmeister die bislang beste WM-Paarung nicht gewonnen.

Was beide Mannschaften an Tempo, Intensität und Spannung boten, hat mehr als 53.000 Stadionbesucher und Abermillionen Fernsehzuschauer in aller Welt verzückt. „Aufregend und begeisternd“ empfand es auch die 36 Jahre alte Carli Lloyd, die sich als eine von drei Spielführerinnen klaglos als Teilzeitkraft einfügt. Anders als gegen Spanien (2:1) oder Frankreich (2:1) verknüpfte der Titelverteidiger endlich den athletischen Powerstil mit spielerischen Komponenten; zumindest in der ersten Halbzeit, als Christen Press (10.) und Geburtstagskind Alex Morgan (31.) trafen.

Hope Solo: Unbeliebt wie Donald Trump

„Es ist unglaublich, dass ich das dritte Finale erleben darf. Jedes Turnier hat mir etwas Spezielles gegeben“, meinte die 30-Jährige, die an ihrem Feiertag nicht vergaß, ihrer Torhüterin Alyssa Naeher zu danken. „Wir haben ihre Paraden gebraucht.“ Nach 84. Minuten landete ein von Englands Kapitänin Steph Houghton schwach geschossener Strafstoß in den Armen der 31-Jährigen, die 2012 mit Turbine Potsdam mal Deutscher Meister wurde. Naehers Fähigkeiten hatte Vorgängerin Hope Solo zuletzt wiederholt angezweifelt. Die öffentliche Anklage lautete: fehlende Ausstrahlung und mangelndes Organisationstalent. Im „Guardian“ hatte das einstige Covergirl zudem ihre Abrechnung mit Trainerin Ellis weiter vorangetrieben. Bei ihren ehemaligen Mitspielerinnen ist Solo inzwischen isoliert. „Wir haben sie von unseren sozialen Kanälen gelöscht“, erzählte Verteidigerin Becky Sauerbrunn, „darum kümmern wir uns nicht.“

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Gemeinhin sind die Protagonisten ja über jeden einzelnen Follower froh, denn zur erfolgreichen Vermarktungsgeschichte des amerikanischen Frauenfußballs gehört, dass es sich für die Spielerinnen jeder Sponsor und jeder Stadionzuschauer in barer Münze auszahlt. Doch Solo ist inzwischen fast so unbeliebt wie Donald Trump. Dass die Weiße-Haus-Thematik keine Vertiefung fand, als die Siegerinnen unter den Kabel- unter Lüftungsschächten über ihr bislang stärkstes sportliches Statement des Turniers sprachen, hatte damit zu tun, dass Megan Rapinoe nicht mitspielen konnte. Die Oberschenkelprobleme der 33-jährigen Vorkämpferin sollte Press Officer Aaron Heifetz auch kurz vor Spielbeginn nicht bestätigen, wie Ellis erklärte: „Im Elfmeterschießen hätten wir Megan eingewechselt. Wir sind hier nur für eine Sache: diesen Pokal zu gewinnen.“ Das klang aber gar nicht wie eine Entschuldigung, sondern wie die Ankündigung für eine letzte Großtat. Am Sonntag, wenn an selber Stelle das WM-Finale steigt.

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