Terroranschläge in Paris

TV-Kritik zum Spiel vor dem Grauen: Alles richtig gemacht!

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Betroffen: ARD-Moderator Matthias Opdenhövel wollte nach dem Spiel eigentlich gar nicht mehr weitermachen.

München - Die Reporter beim Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland konnte es nur falsch machen. Gelöst haben sie die unlösbare Situation aber fabelhaft.

Sein schönstes Fußballspiel erlebte Tom Bartels 2014 beim WM-Finale in Rio, als er Mario Götzes Weltmeister-Tor kommentieren durfte: „Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn!“ Sein schlimmstes Fußballspiel musste Tom Bartels am Freitag in Paris durchstehen. Doch der ARD-Mann traf genau den richtigen Ton – bei einem Spiel, das kein Fußballspiel mehr war, das nur mehr fortgesetzt wurde, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern: „Das alles sage ich Ihnen mit weichen Knien.“ Der Fußballkommentator machte als Krisenreporter alles richtig. Für die ARD dagegen setzte es viel Kritik – größtenteils unberechtigt.

Bereits während der zweiten Halbzeit begann auf Twitter & Co. der Shitstorm: „Warum wird die Übertragung nicht abgebrochen? Wo bleibt die Sonderausgabe der Tagesschau?“ Ganz einfach: Weil die Lage gegen 22.15, 22.30 Uhr noch völlig undurchschaubar war, weil es keine gesicherten Erkenntnisse gab. Weil Paris-Korrespondentin Ellis Fröder noch im Taxi saß. Und vielleicht auch, weil die Verantwortlichen instinktiv ahnten: Wenn sich im Stadion über die sozialen Medien herumspricht, dass das deutsche Fernsehen seine Übertragung abgebrochen hat, wird die Lage noch unruhiger, die Angst noch größer.

Sicher lief nicht alles optimal – wie könnte es auch, an diesem Abend des Schreckens, überrollt von den Ereignissen? Ein Nachrichten-Laufband während des Spiels wäre Pflicht gewesen. Dass Opdenhövel und Scholl nach dem Schlusspfiff, sichtlich im Schockzustand, viel zu lange Testspiele anmoderieren mussten – unglücklich. Aber: Das Erste musste die Zeit überbrücken, um seriös zu recherchieren, um Beiträge fertigzustellen. ARD und ZDF sind nun mal nicht Twitter, können nicht Gerüchte ungeprüft in die Welt hinausblasen.

Erst gegen Mitternacht übernahm endgültig die Tagesschau. Das hätte schneller gehen können, allerdings war danach die Berichterstattung exzellent. Genau wie im ZDF, wo eine angefasst wirkende Marietta Slomka und Korrespondent Theo Koll auf höchstem Niveau informierten. Nein, nach diesem Abend gibt es keinen Grund, auf ARD und ZDF herumzuhacken. Und vor allem: Chapeau für die Sportexperten, die über Fußball berichten sollten – und plötzlich den Albtraum von Paris erklären mussten. Das haben sie höchst menschlich und höchst professionell hinbekommen. Respekt dafür!

„Ich war überfordert“

Für ARD-Kommentator Tom Bartels waren die dramatischen Ereignisse die schlimmsten Minuten seiner Karriere. „Ich war überfordert. Das ist das Schlimmste, was passieren kann, dass Menschen sterben während eines Sportereignisses. Es war mit Worten nicht zu beschreiben und zu lösen“, sagte Bartels. Zwei Explosionen in der ersten Halbzeit ließen das Stadion erbeben – Bartels aber musste weiterkommen­tieren.

„Mir haben die Knie gezittert. Ich wollte nur, dass es zu Ende geht“, berichtete er: „Man wird überrollt. Ich weiß gar nicht, wie man das machen muss.“ Erst in der 70. Minute habe er sicher gewusst, dass Menschen gestorben seien. „Das war schockierend“, sagte er und bekannte, er sei zuvor sogar etwas in Sorge um seinen Ruf gewesen: „Ich war lange nicht sicher, ob ich vielleicht übersensibel bin.“

Die aktuellen Enwicklungen vom Sonntag finden Sie im News-Ticker zum Terror in Paris.

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