DFB-Elf ohne echten Stürmer

Jogis "falsche Neun": Müller oder Kruse?

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Max Kruse (l.) und Thomas Müller sind die heißesten Kandidaten auf den Platz im deutschen Sturm.

Düsseldorf - Nach den Ausfällen von Miroslav Klose und Mario Gomez muss sich Bundestrainer Joachim Löw etwas einfallen lassen. Thomas Müller als "falsche Neun" ist ebenso eine Option wie Max Kruse.

Thomas Müller und Max Kruse hatten es eilig. „Ich habe Hunger und will noch etwas essen, deshalb bin ich so früh da“, sagte der Gladbacher Kruse lächelnd, als er nahezu zeitgleich mit dem Münchner Müller im Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Düsseldorf eintrudelte.

Dass die beiden die ersten Spieler waren, die zum Treffpunkt erschienen, kam Joachim Löw sehr gelegen. Denn so konnte der Bundestrainer mit den beiden Kandidaten für die Rolle des einzigen Stürmers gleich zum Auftakt der Vorbereitung seine Pläne für das WM-Qualifikationsspiel am Freitag in Köln (20.45 Uhr/ARD) gegen Irland erläutern.

„Beide kommen für das Spiel gegen die Iren als Stürmer in Frage. Letztlich ist aber egal, wer spielt. Da mache ich mir keine Sorgen, denn ich sehe im Gegensatz zu manch anderen kein Stürmerproblem bei uns“, sagte Löw dem Sport-Informations-Dienst (SID) vor der mit 46. 237 Zuschauern ausverkauften Partie.

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen der beiden etatmäßigen Angreifer Miroslav Klose und Mario Gomez könnte theoretisch auch Mario Götze (21), der am Dienstagvormittag eine Extraschicht einlegte, als „falsche Neun“ wie etwa beim 4:1 gegen Kasachstan am 26. März in Nürnberg agieren. Nach dessen langer Verletzungspause zieht Löw einen Einsatz des Jungstars von Bayern München in der Startformation aber noch nicht in Erwägung. Die Offensivkräfte Sidney Sam von Bayer Leverkusen und Andre Schürrle vom FC Chelsea sollen nach den Ausfällen von Marco Reus und Lukas Podolski zudem weiter im Mittelfeld ihre Kreise ziehen.

Löw tendiert offenbar in der Stürmerfrage mehr zu Müller, der zuletzt beim FC Bayern als unkonventioneller Alleinunterhalter im Angriff überzeugte. „Ich habe ihn zuletzt beobachtet, er hat das bei den Bayern ganz hervorragend gemacht“, lobte Löw den 24-Jährigen, der seine Rolle ganz speziell interpretiert.

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Uwe Seeler, Debüt am 16.10.1954 mit 17 Jahren und 11 Monaten, gegen Frankreich (1:3), insgesamt 72 Länderspiele © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Mario Götze, Debüt am 17.11.2010 mit 18 Jahren und 5 Monaten gegen Schweden (0:0). Noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Olaf Thon am 16.12.1984 mit 18 Jahren und sieben Monaten gegen Malta (3:2), insgesamt 52 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Lukas Podolski am 06.06.2004 mit 19 Jahren gegen Ungarn (0:2). Noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Karl-Heinz Schnellinger am 02.04.1958 mit 19 Jahren gegen die CSSR (2:3), insgesamt 47 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Helmut Haller am 24.09.1958 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Dänemark (1:1), insgesamt 33 Länderspiele. Vier Jahre zuvor gab Klaus Stürmer am 16.10.1954 mit 19 Jahren und zwei Monaten sein Debüt gegen Frankreich (1:3), insgesamt zwei Länderspiele - hier die WM-Elf von 1954 aus dem gleichen Jahr. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Lothar Matthäus am 14.06.1980 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen die Niederlande (3:2), insgesamt 150 Länderspiele  © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Marko Marin am 27.05.2008 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Weißrussland (2:2), noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Ludwig Kögl am 15.06.1985 mit 19 Jahren und drei Monaten gegen Mexiko (0:2), insgesamt zwei Länderspiele (Kögl ist hier bei einem Altstars-Spiel zwischen dem FC Bayern und Real Madrid zu sehen). © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Bernd Schuster, Debüt am 22.05.1979 mit 19 Jahren und fünf Monaten gegen Irland (3:1), insgesamt 21 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Karlheinz Förster, Debüt am 05.04.1978 mit 19 Jahren und acht Monaten gegen Brasilien (0:1), insgesamt 81 Länderspiele. © dpa

„Er macht viele verrückte Sachen da vorne und ist dabei immmer gefährlich. Das zeichnet ihn aus“, beschrieb Vereinskollege Bastian Schweinsteiger die Vorzüge des WM-Torschützenkönig von 2010, der beim Tiple-Gewinner derzeit von Trainer Pep Guardiola den Vorzug vor Torjäger Mario Mandzukic und auch vor Claudio Pizarro erhält. Guardiola bezeichnete Müller, der vor einer Woche beim 3:1 der Bayern in der Champions League bei Manchester City geglänzt hatte, unlängst als einen „exzeptionellen Stürmer“ - was nichts anderes bedeutet als einzigartig, phänomenal, unbeschreiblich oder unnachahmlich.

Auch Teammanager Oliver Bierhoff geriet über Müller ins Schwärmen. „Thomas ist ein ständiger Unruheherd, er ist unberechenbar und sucht als letzten Schritt immer den Abschluss“, sagte der frühere DFB-Torjäger über das Schlitzohr der Münchner. Aber auch Kruse habe seine Vorzüge: „Er nimmt mehr am Spiel teil, bevorzugt das Kombinationsspiel.“

Bierhoff forderte jedoch, nicht zu viel über Bezeichnungen wie die „falsche Neun“ zu diskutieren: „Wichtig ist, dass die Position besetzt ist. Der Fußball ist flexibler geworden. Wir haben genug Alternativen. Deshalb habe ich trotz der Absagen bei den Trainern auch keinerlei Panik verspürt.“

Zumal auch Kruse in seinen bisherigen drei DFB-Einsätzen durchaus überzeugen konnte. Trotzdem will sich der 25-Jährige vor den beiden Spielen gegen Irland und vier Tage später in Stockholm gegen Schweden nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen.

„Ich freue mich, dass ich überhaupt wieder dabei bin und melde keine Ansprüche an. Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich am Freitag spiele und der Mannschaft helfen kann“, sagte der 25-Jährige dem SID und definierte dann auch noch seine Rolle als Angreifer: „Ich verstehe mich nicht als klassischen Mittelstürmer.“ Das dürfte für einen Einsatz kein Hindernis kein.

SID

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