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Thurk: Es wäre sehr schade um 1860

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Von: Tobias Kimmel

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Michael Thurk (Mitte) und seine Kollegen haben den Löwen am 13. Januar, als es um die Lizenz ging, die Daumen gedrückt
Michael Thurk (Mitte) und seine Kollegen haben den Löwen am 13. Januar, als es um die Lizenz ging, die Daumen gedrückt © Getty

Augsburg - Vor dem Derby am Freitag verrät Michael Thurk im tz-Interview, wie er wirklich über die Löwen denkt. Auch zum Vertragspoker um Benny Lauth hat er eine klare Meinung.

Für viele Fans des TSV 1860 ist Michael Thurk eine Reizfigur. Nicht nur ein Mal hat der Knipser des rivalisierenden FC Augsburg den Löwen einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Auch beim Derby am Freitag (18 Uhr, Allianz Arena) dürfte den Stürmer daher eine Mischung aus stillem Respekt und offenkundiger Verachtung erwarten.

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Im Interview mit der tz verrät Thurk, wie er und die Mitspieler wirklich über die Löwen denken. Auch zum Vertragspoker um Benny Lauth hat er eine Meinung.

Der FC Augsburg hat am Freitag (gegen den MSV Duisburg, Anm. d. Red.) nur 0:0 gespielt, blieb aber Tabellenzweiter. War das ein Rückschlag?

Michael Thurk: Wenn man die anderen Ergebnisse sieht, ist das kein Rückschlag. Mit dem Punkt sind wir gut wegekommen, weil wir in der zweiten Halbzeit in einigen Szenen Glück hatten. Im Endeffekt war das Unentschieden gerecht.

Ihr nächster Gegner, der TSV 1860, hat am Montagabend in letzter Minute verloren. Grund zur Schadenfreude?

Thurk: Nein, überhaupt nicht. Zwar ist Aue dadurch wieder näher herangerückt, aber man muss abwarten, ob sie bis zum Ende oben dabeibleiben. Sie haben im Moment ziemlich Glück, dass sie am Ende immer ein Tor schießen. Und die Löwen haben zurzeit das Pech, dass sie am Ende immer ein Tor kriegen. Ich glaube, dass die Leistung der Löwen sehr gut ist. Sie haben sich nur nicht belohnt.

Deswegen ist für 1860 die Saison schon wieder gelaufen. Geht es den Löwen jetzt nur noch darum, Augsburg den Aufstieg zu vermiesen?

Thurk: Ich weiß es nicht. Sicher ist: Sie wollen das Derby genauso wenig wie wir verlieren ... Ich kann nur für mich sprechen: Ich persönlich habe nichts gegen die Löwen, auch nicht gegen ihre Anhänger.

Ja?

Thurk: Ich wünsche ihnen keinen Misserfolg. Von uns hätte sich keiner gefreut, wenn es am 13. Januar ein erschütterndes Ergebnis für die Löwen und ihre Anhänger gegeben hätte. Da gibt es keine Schadenfreude.

War die Löwen-Lizenz ein Thema innerhalb der Mannschaft?

Thurk: Natürlich. Ich glaube, das war in ganz Deutschland ein Thema. So was gönnt man keinem - auch seinem Konkurrenten nicht. Wir hätten das alle sehr schade gefunden, wenn es so zu Ende geht.

Neben der Lizenz könnte Benny Lauth ein Thema sein. Wäre Lauth einer für den FCA?

Thurk: Für mich schwer zu beantworten, aber ich lese das immer wieder. Das wissen wohl nur die Beteiligten. Könnte natürlich sein, dass nur Stimmung gemacht wird. Ein bisschen merkwürdig ist es schon, dass das alles über die Presse läuft und so Druck erzeugt wird.

Falls der Manager auch Sie fragt: Können Sie sich vorstellen, nächste Saison neben Lauth zu stürmen?

Thurk: Benny Lauth ist natürlich ein guter Stürmer. Das wissen wir nicht erst seit dieser Saison, sondern seit längerem. Ich scheue keine Konkurrenz. Ich freue mich, wenn wir gute Spieler in den eigenen Reihen haben - und davon möglichst viele. Wenn es so sein sollte, freuen wir uns - wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter.

Wäre Löwen-Idol Lauth den Fans überhaupt zu vermitteln? Schon bei Moritz Leitner gab es Misstöne vereinzelter Fans, die mit einem Plakat gegen den Ex-Löwen protestiert haben.

Thurk: Das bringt dem Spieler, der Mannschaft und den Fans nichts, ihm das so zu zeigen - egal von welchem Verein er kommt. Das ist nicht förderlich für den eigenen Verein. Deshalb war es meine Pflicht einzugreifen. Ich hätte das auch für jeden anderen Spieler gemacht, egal ob jung oder alt. Da mache ich keinen Unterschied. Wer ein Mitglied der Mannschaft angreift, greift auch mich an. Und das geht nicht.

Sie harmonieren mit Leitner auch im Spiel. Sind Sie sein Mentor?

Thurk: Wir verstehen uns ganz gut. Er ist ein intelligenter Spieler, der richtig gut kicken kann. Wenn man viele gute Fußballer auf dem Platz hat, verstehen die sich einfach. Das war von Anfang an so. Er harmoniert auch mit den anderen ...

Im Vergleich zur letzten Saison schießen Sie weniger Tore, geben aber mehr Assists. Woher kommt dieser Wandel?

Thurk: Letztes Jahr konnten wir unsere Chancen einfacher herausspielen. Dieses Jahr ist es schwieriger. Deswegen lasse ich mich zurückfallen, um die Angriffe nach vorne zu tragen. Deswegen bin ich im Strafraum nicht so präsent. Aber meine Statistik ist nicht wichtig, die Statistik der Mannschaft zählt. Und diese Saison spielen wir besser als in der letzten ...

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Inwiefern?

Thurk: Bei uns fallen viele Leistungsträger der vergangenen Saison aus, zum Beispiel Ibo Traoré und Marcel Ndjeng. Daniel Baier hat nicht viel gespielt. Wir schießen weniger Tore, kriegen aber auch weniger und haben unter dem Strich mehr Punkte.

Werder Bremen, der VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart könnten in der 1. Bundesliga auf dem Relegationsplatz landen. Wäre Platz 3 zu wenig?

Thurk: Den Dritten der 2. Liga erwartet in dieser Saison eine sehr, sehr schwere Aufgabe. Es wird schwerer als in der letzten Saison. Deswegen müssen wir das umgehen und möglichst Zweiter werden - oder Erster.

Interview: Tobias Kimmel

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