DFB-Star im Interview

Timo Werner über Mesut Özil: „Er war immer ...“

Spielten gemeinsam gegen Mexiko: Timo Werner und Mesut Özil.

Timo Werner ist aus dem Kader von RB Leipzig und der DFB-Elf nicht mehr wegzudenken. Im Interview sprach er über die verkorkste WM, Mesut Özil und die Korrektur einer Schiedsrichter-Entscheidung.

München – 22 ist Timo Werner erst. Dafür hat er schon viel erlebt. Frühes Bundesliga-Debüt (mit 17), Confederations-Cup-Sieger 2017, Mitglied des gescheiterten WM-Teams 2018. Er hat schon vieles an Kritik einstecken müssen, doch soll auch eine der prägenden Figuren des Nationalmannschafts-Neuaufbaus sein.

Herr Werner, wir wollten das schon bei der WM fragen, aber die war ja plötzlich vorbei: Sie sind ein schneller Spieler, und Kommentatoren verkünden bei schnellen Spielern immer eine 100-Meter-Zeit. Gibt es von Ihnen eine offizielle, auf Tartanbahn, mit Startblock?

Timo Werner: Früher mal in der Schule. Beim Abitur war ich knapp unter 11 Sekunden, 10,9, aber handgestoppt.

Schauen Sie nach dem Spiel auf statistisches Material: Welche Strecke Sie in Sprints zurückgelegt haben etwa?

Werner: Bei RB Leipzig wird viel Wert darauf gelegt und das für jeden Einzelnen aufgelistet. Es ist immer gut zu wissen, wie viele schnelle Meter man läuft. Das hilft einem selbst, sein Spiel zu reflektieren und, wenn es schlecht war, zu erkennen, was in dem Bereich gefehlt hat.

Die höchste Endgeschwindigkeit, die Sie erreicht haben?

Werner: Wir haben viele verschiedene Messdaten in der Bundesliga. Bei manchen war ich schon über 36 km/h, bei anderen nur bei 34.

Werner über Mbappé: „Eine explosive Mischung“

Frankreichs neuer Star ist Kylian Mbappé. Vom Augenschein: Ist er genauso schnell wie Sie, womöglich schneller? Oder würden Sie ein Laufduell gegen ihn gewinnen?

Werner: Schwer zu sagen: Es gibt viele Spieler, die langsam aussehen, aber schnell sind. Und andersrum: Sie wirken schnell, sind es aber nicht so, wie man vermutet. Ich denke bei Mbappé, dass er brutal schnell ist. Es sieht halt noch extremer aus, weil er noch dazu flink in seinen Bewegungen ist. Eine explosive Mischung, sozusagen (lacht).

Und der deutsche Kollege Leroy Sané?

Werner: Ich glaube, dass wir uns in unserem Antritt ähnlich sind. Bei ihm sieht es oft spielerisch leicht aus, wie er an seinen Gegenspielern vorbeigeht. Wir beide gehören wahrscheinlich nicht unbedingt zu den Langsamsten in unseren Mannschaften.

Sané wird womöglich eine größere Rolle spielen als bisher. Ist Geschwindigkeit im Fußball, wie er sich gerade entwickelt, das wichtigste Kriterium?

Werner: Man sollte nicht vergessen, den Ball mitzunehmen und als Stürmer auch ein Tor zu schießen oder als Verteidiger gut im Zweikampf sein. Wenn du in der heutigen Zeit aber Voraussetzungen nicht mitbringst wie Dynamik und Körperstatur, die der eines Sprinters gleichkommt, wirst du Probleme bekommen. Schnelligkeit und Athletik sind mit das Wichtigste geworden im Fußball, da kannst du jede Taktik und Einstellung über den Haufen werfen, wenn der Gegner an dir vorbeiläuft und du nicht hinterher kommst.

Wie sieht Ihr persönliches WM-Fazit aus? Sie haben individuell für Ihre drei Spiele recht freundliche Bewertungen gekriegt.

Werner: Das ist egal. Wir wollten Weltmeister werden oder zumindest sehr weit kommen, das haben wir nicht geschafft. Die ersten Wochen danach waren hart. Die WM ist ja weitergegangen, man hat immer wieder die Spiele gesehen und ins Gedächtnis gerufen bekommen, was man hat liegen lassen.

Sind Sie gleich in Urlaub gegangen nach der WM?

Werner: Relativ zügig. Erst war ich noch ein paar Tage daheim in Stuttgart.

Begegnen einem die Leute in den Tagen nach der WM anders?

Werner: Sie haben schon gefragt, was los war, sie konnten es nicht fassen. Wir haben jetzt alle einen anderen Blick. Wir waren die Nummer eins der Welt, jetzt sind wir die 15. Das ist schon ein brutaler Fall. Jetzt wollen wir es wieder besser machen.

Ab wann richtete sich der Blick wieder voraus?

Werner: Egal ob man Weltmeister ist wie Frankreich oder enttäuscht wie wir, man muss dann wieder dem Alltagsgeschäft folgen. Inzwischen ist die Bundesliga ja auch wieder gestartet, mit Leipzig haben wir ja auch schon in der Europa-League-Qualifikation gespielt, da muss der Blick ja nach vorn gerichtet sein.

Timo Werner über Mesut Özil: „Er immer okay zu mir“

Als einer der wenigen aus der Nationalmannschaft haben Sie sich zu Mesut Özil geäußert. Das klang so: Ich bewundere ihn als Spieler, und als Typ ist er auch okay.

Werner: Ich habe nicht so oft und so lange mit ihm zusammengespielt. Die paar Male, als das der Fall war, war er immer okay zu mir. Wir sollten jetzt das Thema aber auf sich beruhen lassen. Mesut hat seine Aufgaben mit Arsenal, und auch für den DFB beginnt eine neue Saison.

Lesen Sie dazu auch: Löw spricht über mögliches Özil-Comeback

Die Pressekonferenz mit Joachim Löw und Oliver Bierhoff vorige Woche haben Sie angeschaut. Mit Spannung?

Werner: Eigentlich nicht. Man hat gewusst, dass nach einem verkorksten Turnier sich was ändern wird. Aber ich glaube, dass wir einen Supertrainer haben, der in den letzten Jahren ganz Deutschland eine Riesenfreude gemacht hat, indem er einen Superfußball hat spielen lassen und immer mindestens ins Halbfinale gekommen ist. Ich glaube, dass der DFB und er die Lehren gezogen und neue Entscheidungen getroffen haben und wir sie in den nächsten Tagen mehr kennenlernen werden. Wir Fußballer sind ja eh anpassungsfähig, daher wird es nicht schwer sein, die neuen Anforderungen umzusetzen. Das wollen wir auch. Unbedingt.

Deckt sich Joachim Löws WM-Analyse mit dem, was Sie als Spieler empfunden haben?

Werner: Man ist während der WM in einem Modus, da kriegt man nicht mehr viel mit zwischen Spielen und Regeneration. Ich kenne den Bundestrainer so, dass das, was er sagt, immer Hand und Fuß hat.

Am Sonntag in der Bundesligapartie Leipzig – Düsseldorf gab es in der Nachspielzeit eine Szene, da wurde Eckball für Ihr Team gegeben. Sie haben den Schiedsrichter auf Abstoß korrigiert. Da haben manche gestaunt, deren Bild von Ihnen noch durch die berühmte Schwalbe von vor zwei Jahren gegen Schalke geprägt ist.

Werner: Die Aktion war relativ einfach. Ich habe den Ball ins Aus gespielt, der Schiedsrichter hat Eckball gegeben. Er ist dann zu mir gekommen und hat gefragt. Da muss man sich für eine Korrektur nicht als Ehrenmann fühlen oder bewusst Lob einheimsen wollen. Meine Schwalbe damals war keine böswillige Tat, ich bin kein schlechter Mensch – die Aktion vom Sonntag geschah aber nicht, um etwas wiedergutmachen, sie war im Spiel selbstverständlich.

Noch zum Vereinsfußball: Mit RB Leipzig werden Sie in der Europa League auf Red Bull Salzburg treffen. Was ist das für ein Duell: Lustig, brisant, unnötig?

Werner: Bemerkenswert ist, dass zwei Mannschaften mit sehr ähnlichen Strukturen und Philosophien aufeinandertreffen. Das andere ist: Es ist ein Europacupspiel, wir wollen weiterkommen, und da die Salzburger in den letzten Jahren viele Spieler an uns verloren haben, werden sie zeigen wollen, dass sie nicht nur der Ausbildungsverein für Leipzig sind, sondern ein international ernst zu nehmender Verein. Sie waren voriges Jahr im Halb-, wir im Viertelfinale. Es werden zwei spannende Spiele sein. Zwei schöne Spiele, weil die Stadien voll sein werden. Ich hoffe, es wird ein Fußballfest.

Ergäbe ein Trikottausch danach Sinn?

Werner: Natürlich, das gehört ja zum Fairplay-Ritual zwischen uns Spielern. Und ein bisschen anders sind die Trikots ja.

Das Interview führte Günter Klein

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