Weltmeister im Interview

„Mir geht es eigentlich viel zu gut“ - Real-Star Kroos über seine Stiftung und die EM-Chancen 2020

Toni Kroos spricht im Interview ausführlich über seine Stiftung und erklärt, wie und wann er Zeit dafür findet. Zudem verrät er, was er vom DFB-Team bei der EM erwartet.

  • Toni Kroos ist Weltmeister und mehrfacher Champions-League-Sieger
  • Mit der Toni Kroos Stiftung hilft er kranken Kindern
  • Im Interview spricht der Real-Star ausführlich darüber 

München - Weltmeister, viermaliger Champions-League-Sieger und Deutschlands Fußballer des Jahres 2018: Toni Kroos ist mit 29 Jahren bereits der erfolgreichste deutsche Kicker aller Zeiten. So schillernd wie Kroos als Fußballer ist, so bodenständig ist Toni als Privatmensch. Luxus ist für den Mittelfeldspieler von Real Madrid, wenn er zurückgezogen vom Trubel um seine Person ungestört Zeit mit seiner Frau Jessica und den Kindern Leon (6), Amelie (3) und Fin (1) verbringen kann. 

Um der Gesellschaft etwas von seinem Glück zurückzugeben, hat Kroos im Jahr 2015 die Toni Kroos Stiftung gegründet und dadurch bereits über 100 Familien helfen können. Im tz-Interview spricht er über sein soziales Engagement.

Herr Kroos, können Sie den Moment beschreiben, als Sie den Entschluss gefasst haben die Toni Kroos Stiftung zu gründen?

Toni Kroos: Der grundsätzliche Entschluss eine Stiftung zu gründen, ist schon lange vor der eigentlichen Gründung entstanden. Mir war klar, dass ich irgendetwas Gutes tun wollte. Aber anfangs wusste ich nicht ganz genau, was. Als ich dann bei einem Krankenhausbesuch mit Real Madrid einem Jungen begegnet bin, der das Alter meines Sohnes hatte und der an Krebs erkrankt war, wurde es mir klar. Dem kleinen Kerl hat dieser Besuch von uns so ein Strahlen in die Augen gezaubert. Er hat trotz seines schlimmen Schicksals dank dieser kurzen Ablenkung lachen können. Da wusste ich, dass ich mich hauptsächlich um kranke Kinder kümmern möchte und ihnen Wünsche erfüllen will, die ihnen schöne Stunden bescheren. Allerdings versuchen wir, auch den Familien der kranken Kinder mit verschiedensten Hilfen das Leben ein wenig zu erleichtern.

Toni Kroos: Interview über die Toni-Kroos-Stiftung und die EM 2020

Warum ist es Ihnen so wichtig, etwas von Ihrem Glück zurückzugeben?

Kroos: Die Antwort liegt ja quasi auf der Hand. Mir geht es so gut. Viel zu gut eigentlich. Da ist es für mich selbstverständlich, mich ein wenig um die zu kümmern, die dieses Glück nicht haben. Zumal ich dazu durch meinen Beruf auch finanziell in der Lage bin.

Wie ist Ihre Stiftung seit dem Start im Jahr 2015 gewachsen?

Kroos: Wir als Stiftung haben damals bewusst relativ klein angefangen, da es ja auch erst mal Neuland war für uns. Wir haben mit dem Kinderkrankenhaus in Köln und dem Hospiz Regenbogenland in Düsseldorf begonnen. Über beide Einrichtungen kommen wir mit Familien in Kontakt, denen wir helfen. Die Einrichtungen selbst unterstützen wir immer mal wieder mit Equipment, das dann vor Ort für die Kinder und Familien verwendet werden kann. Mittlerweile unterstützen wir noch drei weitere Einrichtungen, beziehungsweise Organisationen, den ambulanten Kinderhospizdienst Leuchtturm in meiner Geburtsstadt Greifswald, das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin und das Kinderhaus in Viersen. Ich bin total stolz, dass wir bereits so wachsen konnten, was ohne unsere zuverlässigen Spender, die wir über die Jahre gewinnen konnten, nicht möglich wäre.

Weshalb spenden Sie nicht einfach Geld, sondern betreiben eine eigene Stiftung? Das bedeutet ja auch mehr Stress.

Kroos: Ich sehe es grundsätzlich nicht als Stress an, wenn ich anderen Menschen helfen kann. Es macht mir Spaß, direkt in die Projekte involviert zu sein. Vor allem können wir so auch absolut sicher sein, dass die Spenden auch da ankommen, wo sie wirklich benötigt werden. Außerdem habe ich, gerade wenn ich viel unterwegs bin, die meiste Zeit mich um Stiftungsangelegenheiten zu kümmern. Wir sind so viele Stunden pro Woche in Flugzeugen, Bussen oder Hotelzimmern, wo man Zeit total sinnlos totschlagen kann. Oder man nutzt sie eben effektiv. In der Zeit kann ich so viele Mails lesen und beantworten, mich mit Projekten auseinandersetzen. Wenn ich zu Hause bin ist das schwieriger, weil meine drei Kinder dann auch mal Zeit mit ihrem Papa haben wollen.

Toni Kroos: Ein bodenständiger Fußball-Star

Wie viel Zeit können Sie selbst in die Arbeit der Stiftung investieren?

Kroos: So viel wie möglich. Natürlich habe ich mit meinem Beruf und einer jetzt recht großen Familie auch so schon kein langweiliges Leben. Aber oft versuche ich abends noch E-Mails von meiner Stiftungsgeschäftsführerin Claudia Bartz, bei der die meisten Anfragen von Familien an die Stiftung ankommen, zu beantworten, damit ich immer genau weiß, wann, wem, wie geholfen wird. Und dann ist da ja auch noch meine Frau. Sie ist meine größte Hilfe. Jessy ist ja komplett involviert und unterstützt mich und die Stiftung total. Ohne ihr Engagement wäre es deutlich schwieriger. Dazu versuche ich fast immer, wenn ich in Deutschland bin, die von uns betreuten Einrichtungen zu besuchen und mir nicht nur ein Bild zu machen, sondern vor allem vielen Kindern persönlich eine Freude zu machen.

Wie vielen Menschen konnte die Stiftung bereits helfen?

Kroos: Wir haben seit unserer Gründung schon mehr als hundert Familien mit Therapien, Hilfsmitteln oder der Erfüllung von Wünschen direkt unterstützt. Bisher haben wir knapp 1,5 Millionen Euro in Hilfsprojekte investieren können.

Welches Schicksal ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Toni Kroos ist der direkte Kontakt mit den Kindern wichtig.

Kroos: Es gibt kein einzelnes, was da herauszuheben wäre. Da hat jedes Kind seine eigene Geschichte, die meist natürlich von einer Krankheit überschattet ist. Was mich aber unfassbar beeindruckt, ist, wie die meisten Kinder und auch Eltern mit den Krankheiten umgehen. Sie sind so lebensfroh und positiv. Da können sich viele, die nicht so ein Schicksal haben, eine Menge abschauen.

Durch Ihre Stiftung erleben Sie auch viele schlimme Schicksale hautnah mit.

Kroos: Natürlich nimmt mich das auch mit, gerade wenn man selbst drei Kinder hat. Aber es gibt mir eben auch ein gutes Gefühl, genau dort zu helfen. Ich kann diese Kids leider nicht gesund machen, aber ich gebe mir große Mühe, trotzdem, wenn möglich, für Momente der Freude zu sorgen.

Toni Kroos: Das sind seine Ziele für 2020

Gibt es besondere Ziele, die Ihre Stiftung für das Jahr 2020 hat?

Kroos: Wir wollen einfach unsere Arbeit weiterhin so gewissenhaft machen wie bisher, und möglichst vielen Kids und Familien unserer Einrichtungen versuchen zu helfen, und viele Menschen davon zu überzeugen, uns zu unterstützen. Dazu werden wir am 18. Juli .2020 eine große Stiftungsgala, die zweite nach 2017, veranstalten, mit der wir die Stiftung noch bekannter machen wollen, und bei der hoffentlich ganz, ganz viel Geld für den guten Zweck zusammenkommt. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn sich noch viele Menschen motivieren lassen, und uns unterstützen.

Inwiefern ist die Arbeit mit der Stiftung ein Band mit der Heimat Deutschland?

Kroos: Das eher weniger. Aber mein Anspruch an mich und meine Stiftung ist, dass ich diese Stiftung persönlich lebe und auch einen direkten Kontakt habe. Dies ist in Deutschland am besten möglich.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch kurz sportlich werden: Ist die EM-Gruppe mit Frankreich und Portugal für das stark verjüngte DFB-Team Vor- oder Nachteil?

Kroos: Ich denke nicht, dass man darauf eine seriöse Antwort geben kann. Wir müssen es nehmen, wie es ist. Ich bin aber überzeugt, dass wir Chancen haben die Gruppe zu überstehen. Auch wenn es zweifelsohne von Anfang an schwer werden wird.

Was ist Ihr persönliches Ziel für die EM 2020?

Kroos: Mein persönliches Ziel ist es, weit zu kommen mit unserer Mannschaft. Hört sich lapidar an, ist aber so. Ich weiß, dass dafür auch ein Toni Kroos in guter Form nicht schädlich wäre.

Interview: Manuel Bonke

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FC Bayern: Thomas Müller ist Botschafter - Manuel Neuer hat auch eigene Stiftung  

Bereits seit 2011 setzt Thomas Müller sich als Botschafter der YoungWings-Stiftung für Kinder ein, die um nahe Angehörige trauern. Der Bayern-Profi sagte der tz: „Die Aufmerksamkeit, die ich in der Öffentlichkeit habe, will ich nutzen, um der Gesellschaft, die mir so viel Positives gibt, etwas zurückzugeben.“ U.a. lädt Müller einmal im Jahr zu einem Benefiz-Golfturnier. 

Manuel Neuer hat seit zehn Jahren eine eigene Stiftung: die Manuel Neuer Kids Foundation. Der Bayern-Keeper unterhält Kinder- und Jugendhäuser in Gelsenkirchen und Bottrop. „Wenn man mit offenen Augen vor allem durch die regionale Welt läuft, dann sieht man, wo überall Hilfe benötigt wird. Ich hatte hier noch Erinnerungen an meine Schulzeit, in der Mitschüler mich um mein Pausenbrot baten“, erklärte er der tz.

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