Real-Star bricht gegen Irland ein

King Kroos zwischen  Genie und Leichtsinn

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Toni Kroos.

Gelsenkirchen - 80 Minuten lang überzeugte Toni Kroos im Länderspiel gegen Irland, krönte seine Leistung mit einem Tor. Dann aber brach auch der Star von Real Madrid ein. 80 starke Minuten reichten nicht.

Eine unruhige Endphase, wenig Ordnung auf dem Spielfeld – fast schon automatisch tauchten nach dem mageren 1:1 gegen Irland auch wieder die Fragen nach den Führungsspielern auf. Jerome Boateng zum Beispiel sollte erklären, wie schwer die Ausfälle von Schweinsteiger und Khedira wogen, ob deren Abwesenheit am Ende entscheidend war. Er schüttelte mit dem Kopf, sagte ganz ruhig: „Es sind wichtige Spieler, aber wir können nicht ändern, dass sie nicht da sind. Es gibt Führungsspieler, klar. Aber es gibt noch andere: Mats, Manu, ich, Toni gehört auch dazu. Wir übernehmen Verantwortung.“

Auffällig in dieser Reihe die einzelnen Positionen der Führungsleute: Neben Torwart Neuer und den beiden Innenverteidigern ist es vor allem Toni Kroos, der auf der Sechs im zentralen Mittelfeld die Möglichkeit hat, Teamkollegen und das Spielgeschehen entscheidend zu beeinflussen. Paul Breitner sprach im tz-Interview von der Rolle des Problemlösers. Denn „wenn wir über Probleme reden, dann geht es um die, die beim Spielaufbau und in der Spielordnung entstehen“. Und hier kommen meist Sechser ins Spiel.

Toni Kroos hat sich über weite Strecken in einer sehr jungen Mannschaft der Rolle des Problemlösers angenommen. Der Real-Star verlagerte das Spiel mit zentimetergenauen Flügelwechseln, er forderte die Kugel früh von hinten, ging zudem den Schritt vor in die Gefahrenzone. Und er schoss das 1:0, das eigentlich zum goldenen Tor hätte werden sollen. Wäre da nicht die Unsicherheit der letzten Minuten gewesen – auch bei ihm!

Er selbst sagte ganz generell: „Wir haben über weite Strecken gut gespielt. Am Ende haben wir nicht die Ruhe bewahrt. Das ist mir unverständlich. Wir haben unsere Spielweise in den letzten fünf Minuten verloren.“ Er selbst trug zumindest nicht dazu bei, dass seine Nebenleute wieder abgeklärter agierten. Kroos hatte zwei unnötige Ballverluste in der eigenen Hälfte, wollte die Kugel elegant weiterleiten, statt eine klare Aktion zu spielen. Der Star zwischen Genie und Leichtsinn! Das Publikum antwortete mit einem Seufzer, die Iren marschierten immer zielstrebiger nach vorne. Und das Spiel kippte immer mehr in die deutsche Hälfte.

Weltmeister Paul Breitner wollte nicht den Begriff der Chefrolle bemühen, aber er hinterfragte, was in der derzeitigen Personallage der DFB-Elf unumgänglich ist: „Kann Toni Kroos in die tonangebende Rolle auf seine Art und Weise hineinwachsen, in der Bastian Schweinsteiger war?“ Wenn „hineinwachsen“ impliziert, dass dies ein Prozess von vielen Monaten oder Jahren ist, war das Spiel gegen Irland sowohl ein Schritt nach vorn (bis zur 80.) wie auch zurück (ab der 80.).

Michael Knippenkötter

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