Transfer: Strenge Regeln

Transferfenster in Deutschland: Wann darf im Sommer und Winter gewechselt werden? Alle Infos zu Fristen und Regeln

Lucas Hernández – der bislang teuerste Transfer in die deutsche Bundesliga.
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Lucas Hernández – der bislang teuerste Transfer in die deutsche Bundesliga.

Wechselgerüchte, harte Verhandlungen und Freude bei erfolgreichem Vertragsabschluss – das sommerliche Transferfenster ist das Highlight vieler Fußballfans.

  • Jeweils in der Sommer- und Winterpause gibt es ein festgelegtes Transferfenster.
  • Nur in diesen Zeiträumen können Spieler von einem Verein zu einem anderen Club wechseln.
  • In Europa sind die Transferfenster weitgehend synchronisiert – im Rest der Welt nicht.

Nach der Saison ist vor der Saison. Und kaum ist das letzte Spiel der Fußball-Bundesliga abgeschlossen, häufen sich die Gerüchte um mögliche Transfers und Wechsel. Bis sie diese aber auch verwirklichen können, müssen Vereine bis zum offiziellen Transferfenster warten.

Transferfenster: Warum gibt es die festgelegten Wechselperioden?

Der Weltfußballverband FIFA schreibt allen Fußballligen vor, dass es pro Jahr exakt zwei sogenannte Wechselperioden geben soll. Nur in diesen eng begrenzten Zeiträumen kann ein Spieler von einem Verein zu einem anderen wechseln. Auch die Länge der zwei Transferfenster schreibt die FIFA vor: Zwischen zwei Saisons soll das Transferfenster zwölf Wochen lang sein. Zwischen der Hin- und Rückrunde ist ein Transferfenster von vier Wochen vorgesehen. Wollen einzelne Ligen von diesen Regelungen abweichen, benötigen sie eine Genehmigung der FIFA – die der Verband aber nur in den seltensten Fällen auch wirklich gewährt.

FIFA-Beschluss: Verträge bis „Saisonende“ und neues Transferfenster | Herunterladen-http://bit.ly/FOOTBALLNEWS

Gepostet von Fußball Nachrichten am Dienstag, 7. April 2020

Dass Spieler nicht das ganze Jahr über den Verein wechseln können, soll sowohl den Vereinen als auch den Fans Planungssicherheit gewähren: Fans eines Vereins oder Spielers sollen nicht im Laufe der Saison von einem Weggang ihres Lieblings überrascht werden. Gleichzeitig verhindern die festgelegten Transferfenster ständige Wechsel und eine allzu kurzfristige Planung der Clubs. Wenn die Wechsel begrenzt sind, müssen Verantwortliche sorgfältig und langfristig ihre Taktik und Aufstellung für die nächste Saison planen.

Transferfenster in der Bundesliga: Deswegen ist dieser Zeitraum besonders wichtig

Wechselgerüchte kann es zwar das ganze Jahr über in der deutschen Bundesliga geben, der eigentliche Wechsel ist aber nur in der Transferperiode möglich. Damit verhindern die Verantwortlichen, dass ein Spieler zwar gerade noch für einen Verein spielen soll, mit seinen Gedanken aber schon längst woanders ist. Dabei steht vor allem die Fairness gegenüber dem Verein, den Mitspielern und natürlich den Fans im Vordergrund. Diese wollen schließlich, dass jeder Spieler ihres Lieblingsclubs stets sein Bestes gibt – auch wenn er in der folgenden Saison vielleicht in einem anderen Trikot antritt.

Nur Spieler, die innerhalb eines der beiden Transferfenster von einem Verein zu einem anderen wechseln, erhalten eine Spielerlaubnis für ihren neuen Verein. Werden die strengen Fristen nicht eingehalten oder andere Formfehler gemacht, verbleibt der Fußballer offiziell bei seinem alten Club. Selbst wenn der Wechsel einvernehmlich war, darf der Spieler ohne die Spielerlaubnis nicht von seinem neuen Verein aufgestellt werden. Damit wird sichergestellt, dass sich alle Akteure an die festgelegten Transferfenster halten.

Das Transferfenster im Sommer: Transfers zwischen den Saisons

Das Transferfenster der Bundesliga im Sommer öffnet sich in der Regel am 1. Juli und schließt am Abend des 31. Augusts. Abweichungen ergeben sich, wenn es sich beim letzten Tag des Transferfensters um einen Samstag oder Sonntag handelt. Dann wird das Ende der Transferperiode in der Regel ein bis zwei Tage nach hinten verschoben. So haben die Clubs die Möglichkeit, auch kurz vor Ende noch einen Wechsel auszuhandeln und zu realisieren. Nicht betroffen vom Schließen des sommerlichen Transferfensters sind Spieler ohne Vertrag: Sie können weiterhin von jedem Verein verpflichtet werden.

Die Wochen zwischen Saisonende und dem Öffnen des Transferfensters nutzen die meisten Vereine, um bereits Verhandlungen über mögliche Wechsel zu führen. Abgeschlossen werden die Deals aber erst während der Transferperiode. Dementsprechend häufen sich im Mai und Juni oft bereits die Gerüchte über mögliche Wechsel. Die Offiziellen nehmen zu diesem Zeitpunkt aber in der Regel noch keine Stellung dazu.

Transferfenster im Sommer: Kritik am späten Schließen nach Liga-Beginn

In den letzten Jahren wurde immer wieder Kritik am späten Schließen des sommerlichen Transferfensters laut. Ende August haben sowohl die Bundesliga als auch die 2. Liga in der Regel schon mehrere Spieltage absolviert. Die ursprüngliche Idee des Transferfensters, Wechsel während der laufenden Saison streng zu reglementieren, wird dadurch nicht mehr ganz erfüllt. Fans könnten enttäuscht werden, wenn bestimmte Spieler kurz nach Saisonbeginn doch noch zu einem anderen Club wechseln.

Eine Verlegung des Transferfensters nach vorne lässt sich aber nicht ohne Weiteres realisieren. Fast alle europäischen Ligen haben ihre große Wechselperiode vom 1. Juli bis zum 31. August. Würde Deutschland im Alleingang das Transferfenster verlegen, wären die Vereine in der Bundesliga deutlich benachteiligt. Clubs aus dem Ausland könnten dann Spieler nach Abschluss der hiesigen Wechselperiode abwerben – ohne, dass die Vereine dann noch für Ersatz sorgen könnten. Italien testete 2018 ein früheres Schließen des Transferfensters, kehrte im folgenden Jahr aber wieder zum alten Modell zurück. Lediglich in der englischen Premier League sind zum Start der Saison erst einmal keine weiteren Wechsel möglich.

Das Transferfenster im Winter: Möglichkeiten für Wechsel in der Winterpause

Genau wie in fast allen europäischen Ligen liegt das Transferfenster der Bundesliga vor der Rückrunde im Zeitraum zwischen 1. und 31. Januar. Somit haben alle Clubs genau einen Monat lang Zeit, sich zur Mitte der Saison hin mit neuen Spielern zu versorgen. So können sie Defizite, die in der Hinrunde aufgetaucht sind ausgleichen. Auch um langfristig verletzte Spieler zu ersetzen, ist die Transferperiode im Winter von großer Bedeutung.

Verglichen mit dem Transferfenster im Sommer ist die Wechselzeit im Januar aber deutlich unwichtiger. Große internationale Transfers mit hohen Ablösesummen finden in diesem Zeitraum nur selten statt. Eine Besonderheit bringt der Stichtag am 31. Januar aber zusätzlich mit: Ab dann dürfen Vereine in der Bundesliga auch keine vertragslosen Spieler mehr aufnehmen. Das ist erst wieder mit der nächsten Öffnung des Transferfensters nach Saisonende möglich. Die Mannschaften können ihre Kaderzusammensetzung im Laufe der Rückrunde also nicht mehr ändern.

Transferfenster in Deutschland und dem Rest der Welt

Die meisten europäischen Ligen haben ihre Transferfenster weitestgehend synchronisiert. Dadurch werden Spieler nicht aus einer bereits laufenden Saison gerissen, wenn sie ins Ausland wechseln. Weltweit sind die Transferfenster aber sehr unterschiedlich. Denn nicht in allen Ligen beginnt die Saison im Spätsommer. Skandinavien beispielsweise startet jeweils am Jahresanfang eine neue Saison, um das Tageslicht in den Sommermonaten besser zu nutzen. Die wichtigsten Transferfenster weltweit im Überblick:

Länder

1. Transferfenster

2. Transferfenster

Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich u. a.

1. Juli - 31. August

1. Januar - 31. Januar

England

1. Juli - Mitte August

1. Januar - 31. Januar

Norwegen, Schweden

1. August - 31. August

1. Januar -31. März

China

1. Juli - 31. Juli

1. Januar - 28. Februar

USA

10. Juli - 8. August

12. Februar - 5. Mai

Australien

Ende Juli - Mitte Oktober

3. Januar - 31. Januar

Türkei

Anfang Juni - 31. August

4. Januar - 31. Januar

Russland

Mitte Juni - 1. September

22. Januar - 21. Februar

Transferfenster: Strenge Fristen und Regeln

Das Schließen der Transferfenster beschränkt sich aber nicht nur auf einen bestimmten Tag – selbst die genaue Uhrzeit ist festgelegt. Bei Transfers nach Deutschland ist in der Regel um 18 Uhr Schluss. Fans müssen also nicht, wie in anderen Ländern, bis Mitternacht ausharren, ob ein Deal noch über die Bühne geht. Sind alle nötigen Unterlagen nicht bis 18 Uhr abgegeben, wird aus dem geplanten Wechsel zumindest in dieser Transferphase nichts mehr.

Die meisten Clubs lassen es aber gar nicht so weit kommen. Da die Transferfenster bereits lange im Voraus bekannt sind, werden die meisten Wechsel zu Beginn und in den ersten zwei Dritteln der Wechselperiode abgeschlossen. Gegen Ende finden nur Transfers mit mehreren Interessenten und dementsprechend langwierigen Verhandlungen statt.

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