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Transfers nach dem Brexit: Was ändert sich?

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Für Englands Fußballclubs wird es nach dem Brexit deutlich schwieriger, Profis aus dem europäischen Ausland unter Vertrag zu nehmen. Foto: Michael Kappeler/dpa

Mit dem Jahreswechsel endet die Brexit-Übergangsphase. Der Austritt Großbritanniens aus der EU hat auch Auswirkungen auf den Fußball. Ab dem 1. Januar 2021 gelten für Liverpool, Chelsea, Manchester United und Co. neue Regeln bei der Verpflichtung europäischer Spieler.

London (dpa) - Für Englands Fußballclubs wird es nach dem Brexit deutlich schwieriger, Profis aus dem europäischen Ausland unter Vertrag zu nehmen.

Der englische Fußballverband (FA), die Premier League und die für die 2. bis 4. Liga zuständige EFL haben in Abstimmung mit dem britischen Innenministerium ein neues Regelwerk für die Verpflichtung europäischen Fußballspieler entwickelt.

Was bedeutet das für die Verpflichtung von Fußballern aus der EU?

Englische Fußballclubs dürfen nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr ohne Weiteres europäische Fußballprofis verpflichten. Für einen Wechsel in die Premier League benötigen die Spieler nun eine Arbeitserlaubnis, wie sie bisher nur Neuzugänge aus Nicht-EU-Ländern vorweisen mussten. Damit hat die britische Regierung quasi ein Mitspracherecht bei Spielertransfers.

Welche Anforderungen müssen für die Arbeitserlaubnis erfüllt werden?

Für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die mit Punkten bewertet werden, darunter die Einsätze des Profis in der Nationalmannschaft, das Niveau seines bisherigen Vereins, Erfolge in kontinentalen Wettbewerben und die Zahl der Einsätze im Verein. Erfüllt ein Spieler die Mindestpunktzahl, erhält er die Arbeitserlaubnis automatisch. Verfehlt er die Punktzahl nur knapp, entscheidet eine Kommission über eine Ausnahmegenehmigung.

Was bedeutet das für Fußballer, die bereits in England spielen?

Für Spieler, die vor dem Jahreswechsel verpflichtet wurden, ändert sich zunächst nichts. Wer schon vor Ablauf der Übergangsfrist in Großbritannien lebte oder bis dahin seinen Wohnsitz dort hatte, konnte bis zum 31. Dezember sein Aufenthaltsrecht beantragen und darf dann in der Regel auch in Großbritannien bleiben und arbeiten. Die deutschen Chelsea-Profis Timo Werner und Kai Havertz etwa würden die nötige Punktzahl für eine Arbeitserlaubnis ohnehin erreichen.

Welche Regeln gelten für Nachwuchsspieler?

Den Premier-League-Clubs könnten in Zukunft einige Talente entgehen. Ausländische Spieler unter 18 Jahren dürfen nach dem Brexit nämlich nicht mehr verpflichtet werden. Und in jedem Transferfenster dürfen die Vereine höchstens drei ausländische U21-Spieler unter Vertrag nehmen. Nach den neuen Regeln hätte ein Star wie der Franzose Paul Pogba, der als 16-Jähriger erstmals zu Manchester United wechselte, seine Profikarriere nicht in der Premier League beginnen können.

Wie bewerten die Beteiligten das neue Regelwerk?

Premier League, EFL und der nationale Verband äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung betont einheitlich und zufrieden. Profitieren dürfte - wenn überhaupt - nur die FA von der neuen Regel. Vereinfacht gesagt hofft der Verband, dass in Zukunft weniger mittelmäßige Spieler nach England wechseln. Damit wären die Clubs verstärkt darauf angewiesen, auf den Nachwuchs aus dem eigenen Land zu setzen. Das könnte langfristig der englischen Nationalmannschaft nützen.

Was sagt Brexit-Gegner Jürgen Klopp dazu?

Liverpool-Coach Jürgen Klopp sieht die Sache anders als die FA. «Wir schaffen nicht mehr Talente, indem wir andere Talente blockieren», sagte er der Zeitung «Guardian» und erinnerte daran, dass die englischen Nachwuchsteams schon jetzt sehr erfolgreich seien. «Warum ist das so? Weil sie viele gute Spieler um sich herum hatten, die auch gut Fußball spielen», sagte Klopp bestimmt. «Das hilft.»

© dpa-infocom, dpa:201231-99-862337/2

Premier-League-Mitteilung zu Transferregeln

Klopp-Aussagen im "Guardian"

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