Transferwahnsinn im Fußballgeschäft

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Die Engländer haben auf dem europäischen Markt das meiste Transfer-Kapital.

Ob Leroy Sané, Christiano Ronaldo oder Luka Jovic: Millionen-Transfergeschäfte werden im europäischen und internationalen Fußball immer mehr zur Gewohnheit.

Summen im mehrstelligen Millionenbereich sind im Männer-Fußball heutzutage eher gewöhnlich als selten vorzufinden. Die Berater nehmen im Wahnsinns-Transfergeschäft rund um den Ball eine nicht zu unterschätzende Rolle ein.

Transferwahnsinn erreicht im Sommer 2017 ungeahnte Sphären

Der Fußballsommer 2017 brachte auf dem Transfermarkt tiefgreifende Veränderungen mit sich. Der bis dato teuerste Fußball-Transfer verdeutlicht die für Außenstehende schwer nachzuvollziehende Entwicklung im professionellen Männer-Fußball. Die vier europäischen Ligen – Bundesliga, Primera Division, Serie A und die Premier League – investierten 3, 5 Milliarden Euro in neue Talente.

Selbst Experten aus den eigenen Reihen können die wuchernden Ablösesummen weder rational begründen, noch nachvollziehen. Etwa Ulli Hoeneß, Bayern-Präsident, appelliert seit Jahren an die Vernunft der Bundesliga. So wolle der auf Innovationen ausgerichtete FC Bayern langfristig gesehen gar nicht mit dem Transfer-Irrsinn miteifern. Stattdessen konzentriere sich der Verein darauf, in eigenen Nachwuchszentren neue Talente aufzubauen. Der Verein wolle mit den Gehaltsexplosionen bewusst nicht mithalten. 100 Millionen Euro für einen einzigen Spieler? Das war dem FC Bayern in der Vergangenheit zu schade. Über Millionenbeträge für begehrte Spieler wie etwa Leroy Sané distanzierte sich der Präsident des Meistervereins.

Frauenfußball als vorbildliches Gegenbeispiel zum Transferwahnsinn

Die Fakten sprechen indes gegen den Bayern-Präsidenten: Selbst die Transfers innerhalb der deutschen Bundesliga gehen seit einigen Jahren steil nach oben. Im Rekordsommer 2017 ´gaben die Bundesliga-Vereine rund 600 Millionen Euro für ihre Neuzugänge aus. Als angenehmes Gegenbeispiel zu den Millionen-Summen erweist sich der aktuell im TV zu sehende Frauenfußball. Denn im Profibereich der fußballspielenden Damen sind solche Rekord-Transfers noch nicht allzu verbreitet. Hier findet sich oftmals noch viel ehrlicherer Fußball vor, ähnlich wie es im Herrenbereich vor 10-20 Jahren noch der Fall war.

Spielerberater als einflussreiche Strippenzieher am Verhandlungstisch

Erheblich an dem Transferwahnsinn beteiligt sind die unverzichtbaren Spielerberater, welche im geschäftlichen Trubel eine Menge Geld einfahren. Sie versuchen, möglichst oft und möglichst viele Transfers abzuschließen – mit dem Ziel, eine häufig in Millionenhöhe ausfallende Beratergebühr einzukassieren. Sowohl in Deutschland, als auch in den Nachbarländern wie Österreich und der Schweiz sprengen ihre Gehälter alle Dimensionen. Schätzungsweise 1,2 Milliarden Euro verdienten Spielerberater in weniger als vier Jahren.

Hierbei gilt: Je kleiner die Ablösesumme für den wechselwilligen Spieler schlussendlich ausfällt, desto höher schlägt die Vermittlungsgebühr zu Buche. Bleibt das Transfergeschäft bei einem Wert unter 100.000 Euro, verdienen die Berater mehr als 40 Prozent des ausgehandelten Geldes. Diese Zahlen verdeutlichen, warum die Berater ein nicht uneigennütziges Interesse hegen, die Preise auf dem Transfermarkt hoch zu halten.

Nicht jeder Berater kann hauptberuflich von seiner Tätigkeit leben. Denn schlussendlich ist die Entschädigungssumme stets mit dem jeweiligen Fußball-Club auszuhandeln. Doch in der eher verschwiegenen Berater-Szene mischen einige einflussreiche Spielerberater mit. Sie sind mitverantwortlich für die in den vergangenen Jahren im Fußballgeschäft geflossenen Transfergelder.

  • Der Portugiese Jorge Mendes gehört zu den bekanntesten Spielerberatern der Welt. Er vermittelte bislang Transfers in einer Gesamthöhe von über einer Milliarden Euro. Unter seinen erfolgreichen Abschlüssen reiht sich der Wechsel des zweikampfstarken Mittelfeld-Spezialisten Renato Sanches zum FC Bayern München ein. Weiterhin zählen die prominenten Fußballer Christiano Ronaldo, James Rodriguez oder Diego Costa zu seinen Klienten.
  • Eine seiner gewinnreichsten Transfer-Perioden verbuchte in den letzten Jahren der Italo-Niederländer Mino Raiola. Unter seinem Banner wechselten Superstars wie Zlatan Ibrahimovic oder Paul Pogba ihre Vereine. Der 48-jährige einstige Pizzeria-Angestellte sagt selbstbewusst, dass nicht er die Spieler fände, sondern die Spieler zu ihm kommen.
  • Als prominentes Beispiel der deutschen Spielerberater fungiert Roger Wittmann. Sein Einfluss reicht über die Landesgrenzen hinaus. Selbst in Brasilien betreibt der Geschäftsmann mittlerweile ein Scoutingbüro. Berühmt gemacht haben ihn unter anderen die Transfers von Loris Karius zum FC Liverpool sowie Julian Draxler zu Paris Saint-Germain.

Die Rekord-Männer hinter den Beratern: Die teuersten Transfers in der Fußball-Geschichte 

1973 galt eine Ablösesumme von zwei Millionen Euro als bahnbrechender Rekord. Mehr als 40 Jahre später ist diese Summe beinahe als Schnäppchen einzustufen. Ein Blick auf die teuersten Transfers der letzten Jahre verrät, wohin das zukünftige Preisniveau gehen könnte.

Spieler

Transfersumme

Neymar

Für die astronomische Summe von 222 Millionen Euro ging der bis dato teuerste Transfer der Fußball-Historie über die Bühne: Neymar wechselte vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain.

Kylian Mbappe

Der umworbene Stürmer-Profi wechselte zunächst leihweise zu Paris Saint Germain. Später zogen die Franzosen für stolze 135 Millionen Euro die Kaufoption.

Christiano Ronaldo

Der für sein Ballspiel berühmte Portugiese verzeichnete bereits mehrere rekordverdächtige Transfers. Zuletzt bezahlte der italienische Verein Juventus Turin 117 Millionen Euro für den Star.

Wahnsinns-Transfers als Betrug am Fan?

Auch die topverdienenden Manager äußern sich den millionenschweren Transfers gegenüber mit skeptischem Unterton. Vom „Betrug am Fan“ ist ebenso die Rede wie vom „rücksichtlosen Spieler-Monopoly“. Die Gretchenfrage, wo der „Transfer-Wahnsinn“ eigentlich anfange, vermag niemand zu beantworten. Welche Transfer-Summe ist für einen Spieler verwerflich, welche nicht? Wo fangen die Rekord-Ablösesummen an? Und, noch wichtiger: Welche Lösungen sehen die Vereine, um das Preislevel zukünftig vernünftig zu regulieren? Fest steht, dass die Fair Play-Regeln den teuren Transfergeschäften keinen Einhalt gebieten. Stattdessen nehmen Fußball-Größen wie der UEFA-Präsident Aleksander Ceferin die Politiker in die Pflicht. Ihren Wünschen zufolge solle die Europäische Union dem internationalen Fußball Sonderrechte einräumen. Der Präsident plädiert für festgelegte Gehaltsobergrenzen, die gerichtlich nicht einkassierbar sind.

Experten räumen solchen Vorstößen kaum Chancen ein. Einerseits sind nicht alle UEFA-Mitgliedsstaaten in der EU vertreten. Und einige unter denen, die nicht zu Europa gehören, erweisen sich als die größten Preisgiganten auf dem Fußball-Transfermarkt. So unterliegt die Super-League der Chinesen keinem gültigen EU-Recht. Schlussendlich gelangen Verantwortliche und Beobachter zur Erkenntnis, dass ein Ende der Transfer-Rekorde nicht in Sicht ist. So ließ Trainer-Legende Pep Guardiola in einem Interview düstere Zukunftsprognosen anklingen. Auf die steigenden Ablösesummen angesprochen, schlug er nachdenkliche Töne an. Es handle sich um viel Geld, aber dies sei das Geschäft im Fußball. Seiner Meinung nach werde der Transfer-Wahnsinn in absehbarer Zeit nicht aufhören. Anlässlich der Frauen-Fußball-WM ist den Damen zu wünschen, dass ihr Profisport von profitorientierten Ablösen bewahrt bleibt.

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