Interview zu Holper-Saisonstart

Türkgücü-Kapitän Mavraj kontert Kothny-Schelte: „Wir haben kein grundsätzliches Problem“

Routiniert: Mergim Mavraj (l.) spielte unter anderem für Hamburg und Köln.
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Routiniert: Mergim Mavraj (l.) spielte unter anderem für Hamburg und Köln.

Türkgücü München musste zuletzt derbe Schlappen einstecken. Das mündete in harscher Kritik von Geschäftsführer Kothny. Kapitän Mavraj spricht jetzt im Interview.

München – Nach sieben Spieltagen rangiert Türkgücü München mit nur neun Punkten auf Rang zwölf der 3. Liga – enttäuschend für die hohen Ziele des Vereins. Zuletzt meldete sich Geschäftsführer Max Kothny zu Wort und appellierte an die Mentalität der Spieler. Nun äußert sich Kapitän Mergim Mavraj (35) zu den Vorwürfen. Im Interview spricht er vor dem Toto-Pokalspiel bei Türkspor Augsburg über die Gründe für seinen Wechsel nach München und seine Ambitionen mit Türkgücü.

Herr Mavraj, seit diesem Sommer sind Sie nun Teil von Türkgücü München. Haben Sie sich gut eingelebt?
In München: klar. Dass ich mein Heimstadion – das Olympiastadion – noch nicht kenne, ist schon ein bisschen komisch. Das fehlt mir noch, um mich richtig „zu Hause“ zu fühlen. Aber innerhalb der Mannschaft und mit dem Trainer auf jeden Fall, und das ist erst mal die Hauptsache.
Was hat Sie nach Stationen wie dem 1. FC Köln, dem Hamburger SV und Greuther Fürth denn zum Schritt zu Türkgücü bewogen?
Ich bin jetzt 35, wollte aber immer noch Fußball spielen, wobei die Betonung auf „spielen“ liegt. Ich wollte meine Erfahrung einbringen und das nicht nur von der Bank. Petr Ruman kannte ich aus Fürth, er hat mir das in Aussicht gestellt. Außerdem hatte ich in Sercan Sararer einen guten Freund hier in der Mannschaft.
Mit Türkgücü sind Sie jetzt erstmals bei einem sehr jungen Verein. Was reizt Sie konkret?
Ich finde das Projekt eines Migrantenklubs richtig, richtig geil. Als Ausländer – egal woher – sagen zu können: „das ist unser Verein“, das muss man sich hart erarbeiten. Aber irgendwann wird Türkgücü genau dieser Verein werden, auf den sich viele Menschen fremder Herkunft einigen können.
Aktuell steht Türkgücü auf Platz zwölf. Können Sie damit zufrieden sein?
Mannschaft und Trainer sind neu zusammengestellt. Und auch was den Spielstil der 3. Liga angeht, wo nicht nur Schönspielerei, sondern auch Robustheit gefragt ist, sind wir noch in der Findungsphase. Aber das ist so früh in der Saison ganz normal.
Besonders die Art der beiden Niederlagen zuletzt war es, die bei Geschäftsführer Kothny Fragen aufgeworfen hat, der die Mannschaft zur Disziplin rief. Fanden Sie das berechtigt?
Nicht wirklich. Gegen Osnabrück war uns die Müdigkeit einer englischen Woche mit langer Auswärtsfahrt anzumerken. In Mannheim war nicht alles schlecht, das Spiel war lange ausgeglichen. Aber ich gebe ihm Recht damit, dass es nicht sein kann, dass nach einem Rückstand so die Köpfe hängen.
Die Notwenigkeit einer 180-Grad-Wende, wie Kothny sie forderte, sehen Sie aber nicht?
Wenn man nur das Ergebnis sieht – zweimal 0:3 – bin ich bei ihm. Wenn man die Spiele in Gänze betrachtet, bin ich anderer Meinung.
Also kein Mentalitätsproblem?
Absolut nicht. Weder kann man sagen, dass die Mannschaft in irgendeiner Form leer ist, noch dass sie nicht will oder nicht zusammenarbeitet. Wir haben kein grundsätzliches Problem.
Was ist denn die gemeinsame Linie, wohin geht die Marschroute einer im Ligavergleich so guten Mannschaft, wie Sie es sind?
Naja, gute Spieler machen noch lange keine gute Mannschaft. Da spreche ich aus Erfahrung. Wir haben Qualität, ja. Aber keine Mannschaft ist von null auf hundert direkt aufgestiegen. So etwas muss sich finden und einspielen. So ist der Weg und da können auch wir keine Abkürzung nehmen.
Sie sind 35 Jahre alt, ihr Vertrag endet 2023. Der Aufstieg im selben Jahr ist das offizielle Ziel des Vereins.
Ich möchte hier schon etwas mitgestalten, das ist mein mittelfristiges Ziel. Wenn das im Aufstieg mündet: gerne, umso besser. Ich möchte hier etwas entstehen lassen und bin nicht als gestandener Spieler hergekommen, der einfach nur bei irgendeinem Verein unterkommen wollte.

Das Interview führte Jacob Alschner.

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