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Türkgücü München: Zu viele Fehler in der ersten Saison im Profifußball - Präsident Kivran beteiligt

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Von: Jörg Bullinger

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Hasan Kivran, Präsident von Türkgücü München, telefoniert während eines Spiels in der 3. Liga.
Präsident Hasan Kivran hat bei Türkgücü München das Sagen. Er telefoniert während eines Spiels auch gerne mal mit seinen Trainer und gibt Anweisungen. © Imago Images

Türkgücü München war nach der Vorrunde in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen. Dann warf Hasan Kivran Alex Schmidt raus und die Talfahrt des Aufsteigers begann.

München - Ein bisschen Genugtuung wird Alexander Schmidt wahrscheinlich verspürt haben. Am 37. Spieltag gelang dem 52-Jährigen mit Dynamo Dresden beim 4:0-Heimsieg gegen Türkgücü München der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ausgerechnet gegen den Klub, bei dem er nach der 1:3-Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden Anfang Februar als Coach gefeuert wurde. Als Belohnung für den Wiederaufstieg verlängerten die Sachsen seinen Vertrag um zwei Jahre.

Es war vielleicht der größte von vielen Fehlern, den sich Präsident Hasan Kivran und sein Team in der ersten Saison im Profifußball geleistet hat. Der impulsive Präsident, der Türkgücü München von der Landesliga bis in die 3. Liga geführt hat, mischt in allen Belangen des Vereins mit. Ex-Trainer Reiner Maurer wurde trotz des Aufstiegs gefeuert. Nachfolger Schmidt holte in 23 Spielen zwar starke 33 Punkte (acht Siege, neun Unentschieden und sechs Niederlagen), musste aber nach fünf Partien ohne Sieg (drei Remis, zwei Niederlagen) ebenfalls seine Koffer packen. Interimstrainer Andi Pummer feierte in zwei Spielen zwei Siege, ehe Serdar Dayat das Sagen an der Seitenlinie hatte - oder auch nicht.

Türkgücü München: Jede Menge Schlagzeilen in der ersten Saison im Profifußball

Maurer, Schmidt und Dayat hatten durchblicken lassen, dass Kivran bei der Aufstellung mindestens mitreden möchte. 72-Tage-Trainer Dayat hat laut Augenzeugenberichten in der Halbzeitpause seines letzten Spiels auf der Trainerbank gegen Uerdingen von mehrfachen Anrufen pro Minute berichtet, bei denen der starke Mann Türkgücü Münchens taktische Änderungen oder Wechsel angemahnt hat. Die Partie ging dennoch mit 0:2 verloren und auch Dayat - offiziell wegen Rückenproblemen, die er durch seinen Berater allerdings dementieren ließ - war seinen Job wieder los. Die Freistellung des Vereins erfolgte exakt zu dem Zeitpunkt, als Andreas Pummer erneut zum Interimscoach befördert werden konnte, ohne die 15-Tagesfrist mit fehlender Fußballlehrerlizenz des DFB zu missachten.

Schon zu Saisonbeginn sorgte der Aufsteiger für Schlagzeilen und wollte sich in den DFB-Pokal klagen. Eine mündliche Absprache mit dem Bayerischen Fußall-Verband, dass der 1. FC Schweinfurt als bayerischer Vertreter im DFB-Pokal antreten würde, hatte nach Auffassung Kivrans keine Gültigkeit mehr, als die „Schnüdel“ laut über die Rechtmäßigkeit der Lizensierung Türkgücü Münchens nachdachten. Die Partie des FC Schalke 04* gegen die Franken wurde per einstweiliger Verfügung gestoppt. Nach einer medialen Schlammschlacht mit dem Bayerischen Fußball-Verband trat Schweinfurt dennoch gegen die Knappen an.

Türkgücü München: Spieler, die vor dem Abgang stehen, sollen den Verein in den DFB-Pokal führen

Zu diesem Zeitpunkt lief es unter Schmidt in der 3. Liga noch wie am Schnürchen. Der gebürtige Augsburger hatte aus einer komplett neu formierten Mannschaft einen Geheimfavoriten um den Aufstieg in die 2. Bundesliga* geformt. Allen voran Sercan Sararer, der den Verein verlassen will und mit dem sich Türkgücü München vor dem Arbeitsgericht treffen wird, trumpfte in der ersten Saisonhälfte auf. Als im Februar dann Dayat übernahm, war der Traum vom Durchmarsch nach sieben Zählern in neun Partien schnell beendet.

Zur neuen Saison hat Petr Ruman das Sagen, der bisherige U23-Trainer von Bundesliga*-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth. Auch der 44-Jährige wird eine neu formierte Mannschaft vorfinden. Bevor der Tscheche am 1. Juli übernimmt, will sich Türkgücü München über den bayerischen Toto-Pokal noch für den DFB-Pokal* qualifizieren. Mit welchem Personal die Mannschaft antreten kann, ist noch nicht sicher. Geschäftsführer Max Kothny sprach wegen der Spieltermine ab Mitte Juni von einer „unglücklichen Ansetzung“. In der Halbzeit des letzten Spiels gegen Viktoria Köln zählte der 24-Jährige mehrere Spieler an. Es habe nicht jeder verdient, in der kommenden Saison das Trikot der Münchner zu tragen. Eine Ansage an viele Profis, die vor dem Abgang stehen und dann aber voraussichtlich noch den Toto-Pokal für Türkgücü gewinnen sollen. (Jörg Bullinger) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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