Tutto nuovo - alles neu bei den Italienern

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Italien-Coach Cesare Prandelli.

Rom - Eineinhalb Monate nach Italiens größtem WM-Debakel aller Zeiten setzt der viermalige Weltmeister mit einer runderneuten Nationalelf zum Comeback an.

Cesare Prandelli hat die “Squadra Azzurra“ für sein Debüt als Nationaltrainer im Testspiel am Dienstagabend in London gegen die Elfenbeinküste revolutioniert: Bis auf neun Spieler musterte der Nachfolger des gescheiterten Marcello Lippi alle WM-Versager von Südafrika aus. Stattdessen setzt der 52-jährige auf die von Lippi hartnäckig ignorierten Amauri, Balotelli, und Cassano - das neue “ABC“ des italienischen Fußballs.

Der eingebürgerte Brasilianer Amauri von Juventus Turin als neue Sturmspitze ist dabei noch die kleinste Überraschung. Dass Prandelli aber gleich im ersten Spiel in der Offensive auf Inter Mailands Sturmtalent Mario Balotelli (19 Jahre) und Spielmacher Antonio Cassano (28) von Sampdoria Genuas setzt, ist mutig. Beiden eilt der zweifelhafte Ruf als “Troublemaker“ voraus. Für Lippi waren sie trotz ihrer fußballerischen Qualitäten nicht nationalteamtauglich.

Die größten WM-Sensationen seit 1990

Die größten WM-Sensationen seit 1990

WM 2010: Frankreich sorgte für die erste große Blamage des Turniers: Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen gegen Uruguay und Mexiko benötigte die Equipe Tricolore in der abschließenden Partie gegen Gastgeber Südafrika unbedingt einen Sieg, um die Chancen aufs Weiterkommen zu wahren. Doch Ribéry & Co. unterlagen sang- und klanglos 1:2. Aus in der Vorrunde! © AP
WM 2010: Neuseeland trotzte dem Titelverteidiger Italien in der Vorrunde ein 1:1 ab. © AP
Und es kam sogar noch schlimmer für Italien: Das Aus für den Titelverteidiger in der Vorrunde! Und das als Tabellenletzter hinter Paraguay, der Slowakei und Neuseeland! Eine der größten Sensationen bei WM-Turnieren. © AP
WM 2010: Die Schweiz besiegte völlig überraschend im ersten Gruppenspiel Europameister Spanien mit 1:0. In den vorangegangenen 54 Spielen hatten die Iberer nur einmal verloren. © AP
WM 2006: Die Party-Boys von Trinidad & Tobago feierten ihr WM-Debüt mit einem sensationellen Unentschieden gegen Schweden. Nach dem 0:0 zum Auftakt gab es dann aber gegen England und Paraguay (jeweils 0:2) nicht viel zu holen. © Getty
WM 2002: Der Senegal war eine der großen Überraschungen bei der WM in Japan und Südkorea. Erst besiegten die Afrikaner im Auftaktspiel den Titelverteidiger Frankreich mit 1:0 ... © Getty
... später gab es im Achtelfinale einen 2:1-Sieg n.V. gegen die favorisierten Schweden. Im Viertelfinale kam das Aus gegen die Türkei (0:1 n.V.). © Getty
Auch Co-Gastgeber Südkorea war eine der Überraschungen bei der WM 2002. Das Weiterkommen im Achtelfinale gegen Italien (2:1 n.V.) kam einer Sensation gleich, wenngleich die Asiaten das eine oder andere Mal krass vom Schiedsrichter bevorzugt wurden. © Getty
Auch gegen Spanien im Viertelfinale gab es so manch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung. Südkorea kam ins Elfmeterschießen und gewann dort nach torlosen 120 Minuten mit 5:3. Der Halbfinaleinzug der Südkoreaner - sicher eine der bisher größten Sensationen bei Weltmeisterschaften. © Getty
WM 1998: Schon wieder eine Sensation, bei der die Spanier beteiligt waren: Nigeria besiegte die haushoch favorisierten Iberer im ersten Gruppenspiel mit 3:2 - auch der damalige Kölner Sunday Oliseh (l.) gehörte zu den Torschützen. Nigeria kam später ins Achtelfinale, Spanien schied aus. © Getty
WM 1994: Die WM in den USA hatte gleich in den ersten Tagen ihre ganz große Sensation, als Italien den tapferen Iren mit 0:1 unterlag (Tor: Ray Houghton). Irland scheiterte später im Achtelfinale an Holland, Italien verlor das Fionale gegen Brasilien im Elfmeterschießen. © Getty
Saudi-Arabien sorgte nicht nur für eine der größten Sensationen des Turniers 1994, sondern auch für das schönste Tor: Ali Owairan erzielte im Vorrundenspiel gegen Belgien einen Traum-Treffer nach einem Alleingang über gefühlte 100 Meter. Die Saudis zogen ins Achtelfinale ein (Aus gegen Schweden), genau dort war auch für Belgien Schluss (2:3 gegen Deutschland). © Getty
Ein Jahrhundert-Spiel mit sensationellem Ausgang war das Achtelfinale zwischen Argentinien und Rumänien. Die Osteuropäer zauberten gegen Batistuta & Co. und gewannen 3:2. Ilie Dumitrescu (Bild) erzielte zwei Tore. Rumänien schied dann im Viertelfinale gegen Schweden nach Elfmeterschießen aus. © Getty
Eine Sensation, auf die wir gerne verzichtet hätten: Bulgarien warf die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale 1994 mit 2:1 aus dem Turnier. Bundesliga-Legionär Yordan Letchkov (Hamburger SV) köpfte die Stars um Stoichkov, Balakov und Kostadinov ins Halbfinale, wo aber gegen Italien Endstation war (1:2). © Getty
WM 1990: Paukenschlag zum Auftakt der WM 1990 in Italien! Kamerun besiegte Weltmeister Argentinien durch einen Kopfballtreffer von Francois Omam-Niyik mit 1:0. Argentiniens Keeper Nery Pumpido durfte nach seinem kapitalen Patzer im Turnier nicht mehr ran. Argentinien kam ins Endspiel - scheiterte dort aber an Deutschland (0:1). © Getty
Kamerun sorgte für weitere Sensationen und zog als erste afrikanische Mannschaft überhaupt ins Viertelfinale einer WM ein. Roger Millas zwei Treffer gegen Kolumbien (2:1 n.V.) ebneten den Weg dazu. Im Viertelfinale schieden die "Unzähmbaren Löwen" dann unglücklich gegen England aus (2:3 n.V.) © Getty

Prandelli sieht das anders, ist aber nicht blauäugig: “Ich habe sie nominiert, um ihr Verantwortungsbewusstsein zu stärken.“ Der ehemalige Trainer des AC Florenz geht selbstbewusst an die größte Herausforderung seiner Karriere heran: “Ich bin zwar sehr aufregt, habe aber eine wahnsinnige Lust, diese Mannschaft zu trainieren.“

Gegen die Elfenbeinküste (20.45 Uhr) will Prandelli auch dem Stuttgarter Cristian Molinaro auf der linken Abwehrseite eine Chance geben. Nach dem Rücktritt von Fabio Cannavaro trägt in London Daniele De Rossi die Kapitänsbinde. Im Tor steht Ersatzkeeper Salvatore Sirigu. Der Stammkeeper und zukünftige Kapitän Gianluigi Buffon kuriert sich nach seiner Bandscheiben-Operation aus, sein Vertreter Federico Marchetti musste mit Adduktoren-Problemen abreisen.

Prandelli bleibt dennoch gelassen. Die Stimmung ist entspannt, weil die Chemie zwischen ihm und den Spielern offenbar stimmt. “Wir sind mit dem richtigen Fuß gestartet“, versicherte der Trainer.

Nach dem Sturz ins Bodenlose am Kap hat sich der italienische Fußballverband (FIGC) erstaunlich schnell berappelt. Die “Squadra Azzurra“ ist völlig neu aufgestellt - auf und abseits der Platzes. Mit Ex-Nationalstürmer Roberto Baggio, dem früheren Nationaltrainer Arrigo Sacchi und Italiens Fußball-Legende Gianni Rivera stellte FIGC-Präsident Giancarlo Abete dem neuen Nationalcoach drei kompetente und charismatische Fußballgrößen zur Seite. Sie werden sich im Verband um den Nachwuchs kümmern.

Für die

Unterstützung

durch das illustre Trio ist Prandelli dankbar: “Das sind die richtigen Leute, die viele Ideen einbringen können.“ Vor seinem eigenen

Debüt

hatte der Trainer auch noch ein paar nette Worte für seinen in

Südafrika

gescheiterten Vorgänger übrig: “Ich habe Lippi gesagt: Er ist und bleibt Weltmeister!“

dpa

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