Die Noten für die ARD-Elf

TV-Kritik: Fernanda Brandao und die Peitsche

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Fernanda Brandao.

München - Das war „Jogi Bonito“, wie der Brasilianer schwärmt, ein wunderschönes Spiel! Unser herrlicher Bundestrainer führte uns zum Triumph über Portugal. Hier die ARD-Elf in der Einzelkritik unseres Kolumnisten Jörg Heinrich:

Matthias Opdenhövel: Spielfreudig wie gewohnt, von Motzerator keine Spur. Zeigte die ganze faszinierende Vielfalt des modernen TV-Fußballs: Buseinsteigen, Busfahren und sogar Busaussteigen. Fand aber erst spät in die Partie. Zu Beginn nervös und unsicher, mit mäßigen Aktionen zu Ronaldos Oberkörper. Später dann gelungene Doppelpässe mit Nebenmann Scholl. Weiterhin stark bei seiner ersten WM, kann aber noch mehr. Note 2

Mehmet Scholl: Als Experte eine Mischung aus Messi und Pirlo. Ist er ein Mirlo, ein Pessi? Man weiß es nicht. Konnte erneut seine Topleistung abrufen und alles in die Dings werfen, die Waagschale. Somit sehr waagemutig. Lästerte über Opdis Busse („Endlich ein Bus, Danke an die Regie!“) und über das Geschwätz von der falschen Neun: „Man muss doch nicht für jeden Mist einen neuen Ausdruck kreieren.“ Stärkste Aktion: „Habe mal Maradonas nassgeschwitztes Trikot bekommen – sie mussten mich davon abhalten, es aufzuessen.“ Frechdachselte sich durchs Spiel. Herrlich. Note 1

Tine Wittler: Der Wohn-Moppel hat offenbar die ARD-Terrasse aufgehübscht. Ein paar florale Elemente, ein neuer Schreibtisch – und gleich sieht’s viel netter aus als im Zweiten. Die olle Copacabana-Fototapete bleibt allerdings gleich. In Wahrheit senden ARD und ZDF nämlich aus einem Kellerstudio in Gera. Note 2

Gerd Gottlob: Der NDR-Sportchef warf die hanseatische Zurückhaltung von Bord und überbrüllte, Olé Olé Olé, jede Fanmeile: „Elfmeeeeetaaaa für Deutschlaaaaaand!“ „Wooooow!“ Versuchte es immer wieder mit Standards: „Angie klatscht und freut sich!“ Noch der Beste des ARD-Kommentatoren-Trios, was nicht viel heißt. Bei den Flippers war auch einer der Schönste. Note 4

Fernanda Brandao: Die Samba-Hupfdohle lachte sich in Salvador durch eine pittoreske Gasse, hihi: „Hier wurden die Sklaven ausgepeitscht.“ Gar keine schlechte Idee, das mit der Peitsche. Note 5

Bernd Schmelzer: Der BR-Mann darf mangels Lobby nicht kommentieren, sondern bloß Filme machen, das aber erstklassig. Schöner Beitrag des Allgäu-Spielberg über DFB-Krieger Thomas Müller. Note 2

Ralf Scholt: Der HR-Sportchef hat freudig seinen Dienstreiseantrag unterschrieben und flog stundenlang nach Brasilien, um mit sonnenseligen deutschen Fans „Lu-Lu-Lu Lukas Podolski“ zu intonieren. Note 4

Angela Merkel: Äußerte sich im Interview nicht so klar wie gewohnt. „Ich glaube, die Mannschaft gibt ihr Bestes“, schwurbelte Angela. Machte auf die Frage nach Poldi nicht „Lu-Lu-Lu“. Schwach, Kanzlerin! Note 4

Blumentopf: Lieber Bayern-Rap als Blatters Sepp. Gewohnt amüsante Raportage der Münchner. Nicht neu, nicht innovativ, aber gut. Wie

früher der Katsche. Note 3

Gerd Delling: Aus dem Zentrum auf die Außenposition beordert, als DFB-Korrespondent. Nahm sich dennoch nicht witzefrei und ulkte: „Von der Stirne heiß soll rinnen der Schweiß.“ Note 3

Reinhold Beckmann:  Kam ebenso wie Giovane Elber für eine Bewertung zu spät. Daher keine neuen putzigen Giovane-Stilblüten wie diese über Holland und Spanien: „Dass einer von beiden gewinnen kann, war schon vorher zu lesen.“ o.B.

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