WM-Finale im Ersten

TV-Kritik: Am Sonntag Tatort Rio in der ARD

Rio de Janeiro - Am Sonntagabend sendet die ARD den Tatort Münster - live aus Rio. Krimi trifft im WM-Finale Fußball. In der tz-TV-Kritik lesen Sie bereits vorab das Drehbuch.

Nach der Legende kam der Langweiler. Niederlande gegen Argentinien, Twitterkürzel #NEDARG – es war ned arg prickelnd. Ein Spiel in Löffelchenstellung. Damit es am Sonntagabend aufregender wird, plant die ARD am gewohnten Sendeplatz den absoluten Mörder-Quotenhammer. Den Tatort Münster, live aus Rio. Krimi trifft Fußball. Die tz hat das Drehbuch:

Thiel will das WM-Finale sehen, auch wenn ihm Pauli gegen 60 lieber wäre. Erster Konflikt: Er hat den Wiesmann Roadster von Börne mit Deutschland-Fähnchen und Außenspiegel-Kondomen dekoriert. Börne ist not amused. „Verbrecher“, zürnt der Star-Pathologe. Er nimmt Fingerabdrücke, geht auf die Suche nach dem Banausen, der sein Edelgefährt geschändet hat.

Kurz vor Spielbeginn sitzt das gesamte Team in Thiels Bude. Alberich durch einen geschickten Computertrick sogar zweimal, in den Trikots beider Teams. Einmal als Lahm, einmal als Messi. Staatsanwältin Klemm raucht Viererkette, durch den Nebel erkennt man nichts mehr vom Bildschirm. Vatter Thiel schimpft: „Ich seh nix!“ Er versucht, den Qualm mit einer Cannabispflanze wegzuwedeln und hofft vergebens, dass Fritz von Thurn und ­Taxi kommentiert.

Bei den Hymnen steht Klassik-Liebhaber Boerne auf. Er dirigiert verzückt mit („Haydn!“) und schmettert inbrünstig die argentinische „Himno Nacional“: „O juremos con gloria morir. Wir schwören, ruhmreich zu sterben. Und am Ende landen sie dann alle bei mir auf dem ruhmreichen Tisch.“ Die FIFA bricht die Hymnen jeweils vorzeitig ab. „Heiden, kulturloser Pöbel“, tobt Börne, würde gerne Blatter ausweiden.

Bereits in der ersten Minute fällt ein Schuss. Klose. Daneben. Tom Bartels kommentiert, und erzählt wie immer, was jeder Zuschauer ohnehin von selbst sieht. „Lahm schießt“, brüllt Bartels. Und tatsächlich, als hätte es Bartels geahnt: Lahm hat geschossen. Drüber. „Mann, Alberich“, hadert Börne, und philosophiert, dass kleinere Menschen beim Sezieren deutlich weniger Arbeit machen.

In Rio entbrennt eine wilde Schießerei. Genau die richtige Zeit für Gewalt, für den Gastauftritt von Til Schweiger. „Wasnhierlos?“, nuschelt Nick Tschiller, als er die Wohnzimmertür eintritt, „Rauchbombeoderwas?“ „Nö, nur die Klemm. Und halt’s Maul, Nuschler!“, zischt Thiel. Tschiller entdeckt im Nebel Assistentinnen-Schnuckel Nadeshda Krusenstern, will die Kleine zwischen zwei Flachpässen flachlegen. „Kommt gar nicht in die Tüte“, brüllt Vatter Thiel, wirft sich schützend über Nadeshda. „Warum ist Bartels kein Schweiger?“, brummt die Staatsanwältin.

Dann Pause. Die Gaststars Batic und Leitmayr flachsen auf der Dachterrasse, als Schollic und Leithoevel. „Watt wollense?“, pöbelt Mertesacker im Pauseninterview. „Wat wollsense? Tot sein wollense!“, brüllt Nick Tschiller und feuert eine Gewehrsalve auf Delling ab, den er im Klemmschen Nebel aber verfehlt. Die Staatsanwältin, ein ganzer Kerl dank Marlboro, suspendiert Tschiller vom Dienst. „Fick Dich, Klemmschwester“, nuschelt der Keintorbulle. „Wenn wir das Spiel nicht gewinnen, kannst Du mich erschießen“, bietet Börne an. Thiel greift schon mal zur Dienstwaffe.

„Wir müssen Argentinien nach allen Regeln der Kunst sezieren“, fordert Börne. Jogi Löw popelt. „Das ist pathologisch bei ihm“, analysiert der Gerichtsmediziner und ergeht sich darüber, was man aus dem Naseninhalt alles Faszinierende lesen kann. „Seien Sie still“, zischt die Marlboro-Frau. Dann Action. Wird auch Zeit. Nach 90 Minuten muss der Fall gelöst sein. Hummels schießt, Özil schießt. Dann Müller. Müller tut, was man als Müller tun muss. Er schießt, er trifft. Nick Tschiller will noch zurückschießen, brüllt „Dasisnotwehr“, doch Thiel schlägt ihm die Waffe aus der Hand. Die Gerechtigkeit hat gesiegt, wie immer beim Tatort. Staatsanwältin Wilhelmine Klemm sind die Fluppen ausgegangen, der Nebel lichtet sich, Deutschland ist Weltmeister!

Das Opfer ist nur noch kurz in seiner völlig vermüllten Wohnung zu sehen. Es war ein Messi.

Von Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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