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TV-Kritik: "Zum Weglufen, der Mann…"

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München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich wirft in seiner TV-Kritik einen Blick auf die Berichterstattung zum Auftakt der Frauen-WM in der ARD.

Willkommen in Berlin an der Spray! Aber der Reihe nach: Top-Start für Deutschland gestern bei der WM – und auch im Ersten ging es teilweise um Fußball, häufiger als sonst aber auch um Wimperntusche, Haarspray und Streuselkuchen. Wir verraten Ihnen alles über den ersten WM-Tag, über Roberta Blanco und die Augenbrauen von Pippa Lahm. Und weil Lira nazionale leider nicht von Beginn an mitspielen durfte, vergeben wir unsere ersten Liras für die ARD.

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Keine Lira für Michael Antwerpes: Der bewährte ARD-Blödmann, sorry, wurde von seinem Sender nach Sinsheim zum Frankreich-Spiel verbannt, also mitten rein ins Sibirien des Weltfußballs, wo Lisa Razu & Co. kickten. Er hatte sichtlich null Bock und stülpte sich eine Nigerianerinnen-Perücke über, was ihm bei einem Männerspiel auch nicht eingefallen wäre. Antwerpes erinnerte damit beunruhigend an Roberta Blanco oder an Ansprachen von Heinrich Lübke, und qualifizierte sich mit diesem Spruch für den Rudi-Assauer-Gedächtnispreis als Macho des Jahres: „Fußball-WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat.“ Stimmt prinzipiell – außer, wenn Michi Antwerpes im Bild ist. 2011 von seiner dööfsten Seite.

Eine Lira für Claus Lufen: Betrachtet die WM offenbar auch als eine Art Miss-Germany-Wahl mit angeschlossenen Bundesjugendspielen. „Die deutschen Spielerinnen sind auf dem Weg ins Stadion, mit Haarspray, mit Haarspangen und hoffentlich mit der richtigen Taktik“, verkündete Lufi Lufen gönnerhaft und erkundigte sich bei „Mia san Nia“ Künzer: „Wimperntusche und Haarspray-Nebel gehören dazu, also doch Girlie-Fußball?“ Wir lernen: Die Frauen-WM hat ihre eigenen Geschwätze. Zum Weglufen. Vor allem als er Angela Merkel zur Bundestrainerin beförderte.

Zwei Liras für Nia Künzer: Ließ die (G)ARD-Haarstudio-Fragen von Lufi lässig abtropfen und konterte: „Ich bin mir sicher, dass Mario Gomez auch die eine oder andere Sprayflasche benutzt.“ Oh ja, und noch dazu mit dramatisch schlechteren Ergebnissen als Kim Kulig. Künzer analysierte solide das Streuselkuchenessen der deutschen Elf, nur die von Philipp Lahm geborgten Augenbrauen irritierten.

Eine Lira für Franzi van Almsick: Neben Pippa Lahm hatte das Erste gestern eine besondere Expertin im Einsatz: Schwimm-Franzi musste sich in Sinshoffenheim mit Gevatter Lübke herumschlagen. Sie war zwar, soweit man weiß, nie Fußballerin, ist aber voraussichtlich eine Frau, das langt leicht für den Job. „Die La Ola war toll“, analysierte Franzi, lobte eine „ganz tolle Ballbegegnung“ und drückte die Daumen fürs deutsche Team: „Ich hoffe, dass es zu einer Medaille reicht.“ Darüber denken wir nochmal nach, gell Franziska? Andererseits hinterließ Fußball-Franzi einen besseren Eindruck als Antwerpes, was aber nichts zu bedeuten hat.

Zwei Liras für Bernd Schmelzer: Wirkte beim Kommentieren des deutschen Spiels erheblich aufgeweckter als zuvor Kollege Bartels in Hoffensinsheim, über den böse Zungen twitterten: „Bartels kommentiert bei der Frauen-WM genau so sch… wie eh und je. Das ist Gleichberechtigung!“ Schmelzer machte so schön „Hui ui ui“ und „Hoi oi oi“ und Hei ei ei“ wie sonst nur beim Skifahren – mit geschlossenen Augen hätte man fast meinen können, Frau Höflriesch spielt mit. Der BR-Mann hatte es aber auch leicht – Schmelzer musste nur dreimal „Celia Okoyino da Mbabi“ sagen, und schon war wieder eine Halbzeit vorbei. Nachberichterstattung und Interviews wären übrigens auch fein gewesen, ARD!

Jörg Heinrich

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