DFBDS zum Glück ohne HD

TV-Kritik: Lustlos-Lehmann und RTL-Kokolores

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RTL-Moderator Florian König (r) und TV-Experte Jens Lehmann.

München - Jogi, Bilder, Emotionen! Mit viel Klimbim und noch mehr Reklame hat RTL am Sonntag sein erstes Quali-Spiel gegen Schottland übertragen. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

Bis Mitternacht forschte der kölsche Sender nach dem Fußball-Supertalent, und Deutschland musste lernen: "Ein Spiel dauert fünf Stunden." Im Endeffekt fühlte sich DFBDS auch nicht anders an als das übliche RTL-Gedöns – also wie Formel 1 ohne Krach, wie Klitschko ohne Gewalt. Um es mit Michael Buffer selig zu sagen: Let’s get ready for Fernsehkritiiiiiiiiiiik!

Die Emotionen: sind das Wichtigste bei den European Qualifiers, wie die gute alte EM-Quali bei RTL heißt. In den Filmen läuft die gleiche Dramamusik wie bei DSDS, wenn der Kandidat schluchzt, dass sein nierenkranker Dackel zu allem Elend auch noch von der Trambahn überfahren wurde. Eine "Eruption der Emotionen" versprach gleich der erste Einspieler. Und insgesamt war’s vom Gefühl her ein emotionaler Abend der emotionalen Emotionen. Wo Wonti ein Phrasenschwein hat, braucht RTL ein Emotionsschwein.

Die Inszenierung:Ja mei, RTL halt. Deutschland sucht den Superjogi. Schon zu Beginn überfiel Moderator Flo König eine Bierbude, und erkundigte sich, wer mehr pichelt, Deutsche oder Schotten. Gleich danach machte er ein Selfie mit Experte Jens Lehmann, dem Niki ohne Kapperl, und diskutierte, ob sich das neue Zeug, dieses Internet, wohl durchsetzen wird. Manchmal war man froh, dass das Bild mangels HD so unscharf war wie zuletzt beim Wunder von Bern, und dass man alles nicht so genau erkennen konnte. Könnten wir bitte auch unscharfen Ton haben?

Der Experte: Lehmann hatte erstaunlich wenig Bock auf den RTL-Kokolores. Über den Gegner wusste er: "Schottland will uns vielleicht schlagen." Und über das Rückspiel rätselte der Alt-Torwart: "Egal, wo wir spielen, ob in Celtic oder Glasgow." Bei Sky war er um Klassen besser.

Der Kommentator: Marco Hagemann sollte unter dem Motto "Alarm für Jogi-Elf" für Action sorgen, und das gelang ihm gut. Prima Mann, der große Lichtblick an diesem Abend, neben der Abwesenheit von Kai Ebel und der Bachelorette. Unaufgeregt und souverän. Erfand das schöne neue Wort "Abpfeifbar".

Fazit: Beim RTL kommt Quali von Qual. Liebe Frau Müller-Hohenstein, ich habe Ihnen Unrecht getan. Können wir’s nicht nochmal probieren miteinander?

Jörg Heinrich

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