Entvölkerte ARD-Brache

TV-Kritik: Wie auf dem Waldfriedhof

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Lufen & Künzer vor der ARD-Brache: Öd gelaufen…

München - Überschaubare Leidenschaft, weit weg vom Geschehen - und ein Fußballfrauenversteher als Kommentator der Partie der deutschen Frauen gegen Norwegen. Die TV-Kritik von Jörg Heinrich.

Zu Beginn der Frauen-WM hatte das ZDF eine relativ unterwältigende Übertragung aus Kanada abgeliefert. Nun war die Frage: Kann es das Erste besser? Zur Beantwortung fanden sich Moderator Claus Lufen und Expertin Nia Künzer auf einer Brache vor dem komplett ausgestorbenen Stadion von Vancouver ein, keine 7000 Meilen von Ottawa entfernt, wo die deutschen Frauen auf Norwegen trafen. Auf der entvölkerten ARD-Brache herrschte eine Stimmung, die mit einem zünftig vernebelten Novembertag auf dem Münchner Waldfriedhof beinahe mithalten konnte.

Lufi und Nia sprachen überschaubar leidenschaftlich über Busaussteigen und Anschwitzen, lösten die wirklich großen Rätsel aber nicht: Warum waren sie nicht in Ottawa, wo Fußball gespielt wurde? Muss die ARD immer noch sparen – auch jetzt, wo Jauch weg ist? Hätte man die Anmoderation nicht gleich auf dem Parkplatz vom Lidl in Planegg machen können? Die Stimmung wäre vergleichbar gewesen, und man hätte noch mehr Geld gespart. Und wo waren die Menschen in Vancouver? Hatte das Erste im Vorfeld extra den Schunkel-Haider Gabalier engagiert, der alles feinsäuberlich leerjodeln musste?

Fazit zum Auftakt: Öd gelaufen! Man sehnte sich nach dem ZDF-Sport, was seit Harry Valérien nicht mehr vorgekommen ist. Gott sei Dank übernahm danach Löwenretter und Fußballfrauenversteher Bernd Schmelzer, der sogar in Ottawa war, was sich gut traf, denn genau dort fand auch das Spiel statt. Ein schöner Zufall. Der BR-Mann gab sich jubelfreudig wie gewohnt: „Tor Tor Tor Tooooor! Da ist es schon, das 1:0! Schönen guten Abend nach Deutschland!“ Seit Kai Bülow hat er nicht mehr so gefeiert!

Und wenn ihm komplizierte Namen wie Thorisdottir, Skammelsrud oder Schjelderup elegant von der Zunge perlen, fühlt man sich beinahe zu einem Riesenslalom an einem kalten Januartag in Kranjska Gora versetzt. Gleich wird Schmelzer jubeln: „Klare Zwischenbestzeit für die deutschen Frauen im oberen Abschnitt! Jetzt der Steilhang!“ Doch er warnte früh vor den Norwegerinnen: „Das ist kein Gegner für den kleinen Hunger zwischendurch.“ Und er behielt recht, leider. Man hört ihm gern zu. Am Montag in Winnipeg gegen Thailand ist aber wieder das ZDF dran. Das Zweite meldet sich dann aus Montreal, Edmonton oder möglicherweise sogar aus Winnipeg.

Jörg Heinrich

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