TV-Kritik: Kerner & Kahn in Reich-Ranickis Blödometertest

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Bisher war es nur ein Verdacht. Aber dank Marcel Reich-Ranicki wissen wir es nun auch ganz offiziell: Unser Fernsehen ist blöde.

Seit das feststeht, schauen wir beim Zuschauen noch genauer zu. Und fragen uns bei jeder Sendung: Was würde der große Meister wohl dazu sagen? Wie weit würde sein gefürchtetes Blödometer in den roten Bereich ausschlagen? Natürlich haben wir das auch gestern beim Länderspiel im ZDF gemacht, und können Ihnen daher eine literarisch halbwegs hochwertige Fernsehkritik anbieten: Kerner und Kahn im Reich-Ranicki-Test. Motto: Wir sind doch hoffentlich nicht blöd.

Johannes B. Kerner:Beim heiligen Karasek – das war gestern Reich-Ranicki-technisch ganz schön bedenklich für den Johannes. Spätestens, als er das Gewinnspiel mit den Worten „Ickezacke Ickezacke Hoi Hoi Hoi“ anmoderierte, zuckte der Zeiger bedenklich Richtung roten Bereich. Denn das hätte auch von Atze Schröder stammen können. Aber auch zuvor war JBK mehr krass als Grass. „Der neue Nationalmannschafts-Abgreifer, der ja passenderweise wie ein Greifvogel heißt“, erklärte er über René Adler.

Kerners holprige Anmoderation („Die nationale Wade zwickt doch nicht mehr, Ballack fit, Capitano spielt“) hätten Thomas Mann und vielleicht sogar Elfriede Jelinek auch poetischer hingekriegt. Und dann fragte er auch noch Oliver Kahn: „Nochmal konkret gefragt, wird René Adler bei der WM 2010 im Tor stehen?“ Weil’s bei Kahn mit der Hellseherei blöderweise immer noch hapert, konnte diese Frage nicht zufriedenstellend geklärt werden.

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Oliver Kahn: Der legendäre Buch-Autor („Ich“, „Nummer eins“, „Ich, die Nummer eins“) schlug sich in seinem zweiten ZDF-Auftritt ordentlich – wirkt aber immer noch unlocker. Mit Allgemeinplätzen wie „So schnell kann es gehen im Sport“ und „Es steht immer noch ein Gegner auf dem Platz“ sorgte er dafür, dass wenigstens in den Phrasenschweinen dieser Welt keine Finanzkrise ausbricht. In der Halbzeit wachte Kahn dann auf und ließ wieder die gewohnten furchteinflößenden Knurrgeräusche vernehmen, die beim Zuschauer so ein wohliges Gruseln auslösen wie ein Roman von Edgar Allan Poe.

Fazit Marcel Reich-Ranicki:„Das war nicht blöd, meine Herrrren – aber doch ein wenig eintönig. Etwa wie der letzte Grass.“

Jörg Heinrich

Deutschland gegen Wales: Jogis Jungs in der Einzelkritik

Deutschland gegen Wales: Jogis Jungs in der Einzelkritik © 
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René Adler: Hatte wenig zu tun, konnte seine große Klasse selten zeigen, hielt aber mit einer Glanzparade das Unentschieden fest. Note 2. © dpa
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Arne Friedrich: Scheute das Risiko, sicherte lieber hinten ab und ließ sehr wenig über seine Seite zu. Note: 3 © dpa
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ab 62. Minute Clemens Fritz: Fügte sich ganz gut hinten ein, machte seine Sache ordentlich, ersetzte Friedrich eins zu eins. Sollte für mehr Offensivdrang sorgen, aber das gelang nicht immer. Note: 3 © dpa
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Per Mertesacker: Zeigte gutes Stellungsspiel. Der Lange harmonierte gut mit Westermann, war aber auch für den ein oder anderen Klops zu haben. Note: 4 © dpa
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Heiko Westermann: Gut organisiert, macht Metzelder langsam aber sicher vergessen. Gab der Viererkette Stabilität und Ruhe. Note: 2 © dpa
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Philipp Lahm: Schaltete sich optimal in die Offensive ein, extrem ballsicher und immer zur Stelle – bis auf zwei Patzer. Note: 2 © dpa
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Bastian Schweinsteiger: Suchte anfangs etwas zu oft den direkten Weg zum walisischen Tor, blieb aber dabei ab und zu hängen. Gefährliche Weitschüsse aus der zweiten Reihe hatte der Bayern-Star aber immer zu bieten. Note: 3 © dpa
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Michael Ballack: Der Kapitän biss auf die Zähne, ging wie immer dorthin, wo es weh tut. Gute Schüsse aus dem Hinterhalt, im Abschluss unglücklich bis ungenau. Einmal traf er der Pfosten, dieses Tor hätte er verdient gehabt. Note: 3 © dpa
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Thomas Hitzlsperger: Der Stuttgarter bot sichere Rückendeckung für seinen Chef Ballack und organisierte im Mittelfeld zunächst gut. Er konnte mit zunehmender Spieldauer seine Kollegen aber immer weniger in Szene setzen und baute etwas ab. Note: 4 © dpa
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Piotr Trochowski: Traumtor des quirligen Hamburgers zum 1:0. Hatte sich diesen Treffer aber auch mehr als verdient. Ballsicher, technisch hochwertig und immer anspielbar – mit Lahm war der Ex-Bayer der beste Mann auf dem Feld. Note: 2 © dpa
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Miroslav Klose: Begann gut, schaltete schnell bei Nachschüssen, hatte aber etwas Pech. Musste in der Halbzeit mit einem Bluterguss am Fuß vom Feld. Ein unerfreulicher Abend für den Bayern-Stürmer. Note: 4 © dpa
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ab. 46. Patrick Helmes: Druckvoller Auftritt des Leverkuseners. Er wollte sein erstes Tor erzwingen und zeigte in Ansätzen auch, was in ihm steckt. Note: 4 © dpa
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Lukas Podolski: Beweglich, machte zu Beginn sehr viel Dampf – wie immer im DFB-Trikot. Der Bayern-Bankdrücker brachte Wales oft ins Schwimmen, hatte im Abschluss aber nicht gerade seinen besten Tag erwischt. Note: 4. © fishing4
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ab 82. Minute Mario Gomez: zu spät für eine Bewertung. © dpa
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Lässig gekleidet wie immer: Bundestrainer Jogi Löw. © fishing4
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Wieder nur Zuschauer: Torsten Frings. © fishing4
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Zweikampfstark: Michael Ballack. © dpa
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Auch der verletzte Keeper Robert Enke mischte sich in Mönchengladbach unters Volk. © fishing4
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Der Moment der Entscheidung: Trochowskis Geschoss schlägt im Winkel des walisischen Tores ein. © dpa
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Trochowski feierte seinen Treffer per "Diver"... © dpa
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Schweini war der erste Gratulant. © dpa
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Es folgte ein ganzer Knäuel. © dpa
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Es ist geschafft: Deutschland schlägt Wales und geht mit 10 Punkten aus vier Spielen in die WM-Quali-Pause. Im März geht es weiter mit einem Heimspiel gegen Liechtenstein. © dpa

Quelle: tz

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