Klassiker des DFB gegen Italien

TV-Kritik: Enthemmter Fußball-Abend mit Simon

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ARD-Mann Matthias Opdenhövel (l.) mit dem Experten Mehmet Scholl.

München - Nicht nur die DFB-Stars erfüllen ihren Job an diesem März-Abend in München mit Bravour. Mehmet Scholl könnte sich einen Job in der Politik erarbeitet haben.

Wir hoffen, dass Sie das Länderspiel gegen Italien auf der Couch außerordentlich euphorisch verfolgt haben. Denn wenn "Die Mannschaft" spielt, gibt es von Oliver Bierhoff ja immer exakte Jubel-Handlungsanweisungen. Zuletzt gegen England in Berlin wurden die lethargischen Schnarch-Zuschauer schriftlich ermahnt: "Bitte zum Einlauf der Mannschaften die Papptafeln/Folienschnitte hochhalten." Das würden wir uns alle gern einmal in der Früh im Büro wünschen: "Bitte zum Einlauf von Kollege Meier die Papptafeln/Folienschnitte hochhalten!" Wir jedenfalls hatten die Klatschpappe im Anschlag, denn es kommentierte Steffen "Stimmungskanone" Simon.

Zunächst allerdings begrüßten Matthias Opdenhövel und sein Scholl die enthemmte Fernsehnation. Opdi hatte eine neue Brille auf der Nase, die er kostengünstig von Vorbesitzer Dieter Thomas Heck erstehen konnte. "Alles ist angerichtet für einen großen Klassiker", jubelte der Opdi-ker vorschriftsmäßig, und machte damit klar, dass es sich keinesfalls um einen "kleinen Klassiker" handelt.

Scholl will nicht über Probleme sprechen

Scholli sollte über die Probleme der Löw-Elf referieren, verweigerte aber: "Ich will erstmal sagen, wo wir KEINE Probleme haben werden." Damit qualifizierte er sich als neuer Pressesprecher der bayerischen SPD: "Ich will erstmal sagen, dass wir deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde sind." Auch in Sachen Götze verfolgte Mehmet seine neue Positiv-Denk-Taktik: "Mario Götze hat kein Tief, er kann nur die Leistung nicht erfüllen." Danach übernahm Stimmungs-Steffen und erzählte mehrere recht lustige Sachen. Die italienischen Akteure Montolivo und Motta bezeichnete er als "defensiv denkende Menschen". Und über Sorgen-Mario wusste er: "Götze ist nach links gewandert." Da fragte man sich beim Zuschauen: "Kann der sich nicht zügiger bewegen, der olle Götze?"

Eine Enttäuschung gab es auch zu verkraften. Viele Zuschauer hatten sich auf ein Trinkspiel eingerichtet: Jedes Mal ein Schnaps, wenn Steffen erwähnt, dass die Adlerträger eine Turniermannschaft sind. Doch der kommentierende Mensch verschwieg diesen Fakt ebenso konsequent wie mutwillig. Und damit ist nun völlig unklar, ob es sich bei Deutschland weiterhin um eine Turniermannschaft handelt, oder nur um eine brüchige Furniermannschaft. So nicht, Simon!

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