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"Kulinarische" Trends bei der WM

TV-Kritik: Nahrhafte Ollis und ungenießbare KMH

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Ganz nahrhaft oder schlecht für den Magen? Katrin Müller-Hohenstein und Olli Kahn.

München - Die WM setzt auch kulinarisch Trends, findet tz-Kolumnist Jörg Heinrich. Nahrhaft seien Olli Welke und Olli Kahn - eher schlecht für den Magen dagegen Katrin Müller-Hohenstein.

Das Spachtelfinale rückt näher – und so setzt die ­FIFA-WM auch kulinarisch Trends. Früher hat man BEIM Italiener gegessen, heute verspeist man DEN Italiener. Die von Steffen Simon ins Rollen gebrachte Südländer-Feindlichkeit nimmt erschreckende Ausmaße an. Und als Luis Suárez sein Opfer Giorgio Chiellini anfiel, dachte man sich: Um Himmels Willen – dagegen war ja Olli Kahn Vegetarier! Zu diesem Thema heute unsere WM-Speisekarte: Wer ist genießbar im Fernsehen, und wer schmeckt ranzig?

Nahrhaft – Olli Welke und Olli Kahn: Nach dem uruguayischen Fernsehfilm „Biss zum Achtelfinale“ wollten alle nur noch wissen: Was sagt der weltweit führende Experte für Wildverbiss über seinen südamerikanischen Artgenossen? Auch der Drucktitan konnte nur noch staunen: „Kennt man sonst nur von Tieren. Frag mal ’nen Menschen, wieso er das macht.“ Welke darauf brillant: „Weil’s schmeckt, keine Ahnung. Aber er kaut nicht.“ Das Thema nagte noch länger an den beiden, bis man zum Fazit kam: Kahn hat nur vergleichsweise zärtlich an Heiko Herrlich geknabbert. Er war ein Brav-Beißer, wollte nur spielen.

Zum Auffressen – Marietta Slomka: Die kluge Schöne mit den Husky-Augen sieht man immer gern. Doch ihre Südamerika-Doku zwischen den Spielen um 20.15 Uhr kam mehr als ungelegen. Schon ulkig: Wochenlang überträgt das ZDF WM, oft sinnlos am Pool mit Frau Müller-Hohenstein und den Strandläufern, den Latschen des Bösen. Und wenn endlich was los ist, kommt Tante Marietta daher – klassisches Eigentor! Was bringt das ZDF demnächst zwischen den Spielen? Calmund lutscht am Zuckerhut? Hansi Hinterseer singt mit sich selbst die schönsten Samba-Duette? Obwohl: So ungenießbar wird’s schon nicht werden.

Schlecht für den Magen – Katrin Müller-Hohenstein: Ihr Pool-Interview mit Benedikt Höwedes war gelebter Dadaismus von beiden Seiten und jüngster Beweis, wie komplett überflüssig das WM-TV oft genug ist. Katrins Bäckchen glühten vor Stolz, dass sie mit einem leibhaftigen Nationalspieler am Pool rumstehen darf. Und der leibhaftige Nationalspieler verzählte lustige Sachen übers Wetter wie „Wir sind gut trainiert, dass wir diesen Klimatisierungen trotzen können“.

Auch diesmal wurde es wieder amourös, als Höwedes aus den WGs in Campo Bahia verriet: „Wenn wir Lust aufeinander haben, können wir uns in öffentlichen Räumen treffen.“ Aber nicht ineinander verbeißen, okay? Panne am Ende: KMH erklärte dem Schalker nicht wie vorgeschrieben, dass auf den leidigen Latschen sein Name und seine Nummer draufstehen. Höwedes merkte es gottlob von selbst. Trotzdem war’s zum Davonlaufen.

Ungenießbar – Oliver Schmidt: Was für ein Drama am Ende bei den Griechen – und was für ein armseliger Kommentar! „Samaras ist der gefoult worden!“, brüllte der ZDF-Mann beim Elfer, sprachlich irgendwo zwischen Deutsch und Griechisch. Bei der Zeitlupe plärrte Schmidt zunächst wie ein Jochgeier „Nein, nein, um Gottes Willen!“, weil er eine Schwalbe gesehen haben will, korrigierte sich dann: „Wenn ich das re richtig sehe! Doch!“ Dann holte er noch aus der Schmidtschen Phrasendreschmaschine: „Ein Elfmeter ins Glück für ganz Griechenland, und ein Stich ins Herz für die Elfenbeinküste.“ Diese großartige WM hätte Gourmet-Kommentatoren wie Reif, Fuss & Co. verdient. Und wen bekommen wir vorgesetzt? Schmidt und Simon. Hummer-Fußball mit trocken Brot.

Jörg Heinrich

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